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Posts from the ‘Werbung’ Category

Buchsponsoring durch Industrielle: Ein Insider packt aus

Dezember 20th, 2011

Tom

Als mehrfacher Buchautor möchte ich im Fall “Maschmeyer bewirbt Wulff” gerne ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Denn hier wird etwas hochgekocht, was eigentlich schon lange kalter Kaffee ist. Worum geht es? Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD hat für Wulffs Buch “Besser die Wahrheit” Werbung für rund 42.700 Euro spendiert. Manfred Bissinger, Geschäftsführer Corporate Publishing bei Wulffs Verlag Hoffmann und Campe sagt dazu:

“Wir haben damals verschiedene Unternehmer, unter anderem Carsten Maschmeyer angesprochen, ob sie sich an der Vermarktung des Buchs beteiligen würden. Das ist in der Verlagsbranche üblich und ein absolut normaler Vorgang.”

Und jetzt regen sich da manche auf, das sei ja ungewöhnlich, hanebüchen gar. So etwas sei überhaupt nicht normal, vielmehr habe es ein Geschmäckle. Diesen ahnungslos aufgeregten Leuten rufe ich entgegen: Ihr habt ja überhaupt keine Ahnung, wie die Buchbranche funktioniert.

Es läuft folgendermaßen: Die Verlage haben kein Geld, weil sie jeden Cent an ihre Autoren weitergeben. Es ist folglich völlig logisch, dass sich Verleger oder Lektoren vor Buchveröffentlichungen um Sponsoren bemühen. Fundraising ist deren second nature. Auch das Beuteschema dieser literarischen Mendikanten ist einleuchtend. Es sind nun halt einmal vor allem russische Oligarchen, Kölner Betonbarone und ex-schnauzbärtige niedersächsische Versicherungsmilliardäre, die sich für Literatur interessieren. Das sind Schöngeister, Menschen, die sich daran erfreuen, wenn zarte Prosa ungehemmt erblühen kann.

Vor dem Erscheinen meines ersten Buchs rief der Verlag sieben saudische Scheichs an, neun Dax-Chefs sowie den Sultan von Brunei. Ferner Warren Buffett und Carlos Slim. Dadurch kam genug Geld zusammen, um insgesamt zwölf Mal vor der Tagesschau einen Einminüter schalten zu können.

Und das Tollste daran: Keiner dieser großzügigen Kulturfreunde wollte eine Gegenleistung – keine Widmung im zweiten Buch, keinen Assistenten des Kommissars mit seinem Namen. Nicht mal ein signiertes Exemplar wollten die haben.

Der Maschmeyer hat übrigens, so kann man hier nachlesen, bereits andere wesentliche Kulturgüter unterstützt. So hat er angeblich die Rechte an der Biografie Gerhard Schröders erworben. Auch das finden manche jetzt seltsam, doch auch hier kann ich als alter Medienhase Entwarnung geben. Völlig normal. Nur eine Politikerbiografie besitzt der? Lächerlich. Friedrich Karl Flick hatte mindestens zwanzig in der Tasche.


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DieRedaktion.de wirbt mit PR-Berater

März 11th, 2011

Tom

Die Deutsche Post hat gerade eine Plattform für Textverkäufe eröffnet. Sie heißt DieRedaktion.de und ist laut Pressemitteilung ein “Online-Marktplatz für Qualitätsjournalismus”. Seltsam erscheint mir, dass gerade die Post solch ein Portal aufzieht.

Noch seltsamer finde ich, dass in der PM auch davon die Rede ist, Corporate Publishing-Dienstleister, also von Unternehmen für ihre Schalmeien bezahlte Agenturen, würden auf der Plattform ebenfalls Texte einstellen. (Das fiel zuerst Freischreiber.de auf)

Wenn DieRedaktion wirklich eine Plattform für Qualitätsjournalismus wäre, müsste sie eigentlich darauf achten, dass es nicht zu einer Vermischung von PR und Journalimus kommt. Wie unsensibel der Konzern bei diesem Thema jedoch zu sein scheint, zeigt das Testimonial, mit dem DieRedaktion seit Tagen auf ihrer Seite und in Mediendiensten wie Turi2 wirbt:

Der hier abgebildete Herr ist laut Bildtext” Journalist”. Er heißt Sven Hansel und ist laut seinem Xing-Profil tatsächlich Journalist – und außerdem PR-Berater. Er bietet u.a. “Krisen -PR” und “PR-Strategien” an.

Jetzt darf ja jeder machen, was er will, und vielleicht kann man seine PR-Tätigkeit von seiner journalistischen abgrenzen (wobei ich da persönlich skeptisch bin). Hansel muss man zugute halten, dass er sich vollkommen transparent verhält. “Ob man das in der Anzeige hätte kenntlich machen müssen, weiß ich nicht. Ich mache jedenfalls aus meinem Portfolio kein Geheimnis, wie Sie (und jeder, den es interessiert) es ja auch meinem XING-Profil entnehmen können”, schrieb er auf meine Anfrage.

Aber was Herr Hansel tut oder nicht tut, ist ja eigentlich auch wurscht. Der Punkt ist: Wenn sich die Post gerade so jemanden als Testimonial aussucht, dann spricht das Bände über ihr Qualitätsverständnis. Die Deutsche Post hat bisher noch nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

Die Post hat mir inzwischen eine Stellungnahme geschickt.

Die Redaktion sei “eine Plattform im Internet für Inhalte, die Journalisten erstellen. Die Deutsche Post hat dies in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) entwickelt. Auch Unternehmen und Verbänden bietet sie Zugang zu professionellen Beiträgen für die interne und externe Kommunikation sowie die Gelegenheit, Aufträge für Artikel individuell einzustellen. Die Deutsche Post bietet den Zielgruppen der Plattform lediglich die technische Infrastruktur in Gestalt eines virtuellen Marktplatzes. Eine Einflussnahme im Zusammenhang mit angebotenen Beiträgen und ausgeschriebenen Aufträgen findet nicht statt. Da Sven Hansel auch als freiberuflicher Journalist tätig ist, sehen wir in der Veröffentlichung seines Testimonials auf der Plattform keinen Widerspruch.

Nachtrag: Der DJV erklärt auf Anfrage, er sei kein Koop-Partner der Post. Tester des DJV hätten DieRedaktion.de jedoch vorab geprüft (und offenbar für gut befunden). Die Vermischung von Journalismus und PR liege jedoch im Verantwortungsbereich des Betreibers, also der Post.

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Wie Facebook meinen Firmennamen kaperte

Dezember 1st, 2010

Tom

Gestern hatte ich einen Facebook-Moment. Ich mag das Netzwerk, eigentlich, aber mit Facebook-Moment meine ich nichts Positives. Sondern jene Augenblicke, in denen man merkt, dass einem die Kontrolle über die eigenen Informationen wieder ein bisschen mehr entgleitet. In denen man etwas tut, das man eigentlich gar nicht tun wollte. Wegen Facebook.

In diesem Fall geht es um meine in Gründung befindliche kleine Artikelschmiede, das Textfundbüro. Weil ich bereits viel zu viele Webseiten, Twitter-Accounts und Facebook Pages unterhalte oder administriere, hatte ich mich ganz bewusst dafür entschieden, dass es diesen ganzen Quatsch beim Textfundbüro vorerst nicht geben wird.

Kein Social Media, kein SEO, keine Statusupdates. Stattdessen Visitenkarten aus Papier, eine Telefonnummer und (hoffentlich) ausgeschlafene, schöne Artikel. Sei mal kontrazyklisch, dachte ich mir. Focus on the product. Dieser ganze Quatsch, das lenkt dich nur ab.

Dann beging ich den dämlichen Fehler, Mark Zuckerberg von der Sache zu erzählen.

Das meine ich natürlich im übertragenen Sinne. Ich trug in meinem Facebook-Profil den Namen meiner neuen Firma ein. Ich dachte nicht groß darüber nach, ich tat es einfach, doofer Formularausfüllzombie, der ich manchmal bin.

Zwei Stunden später sah ich, dass mein Freund O. das Textfundbüro auf Facebook geliked hatte. Ich klickte auf den Link. Der führte zu einer Facebook-Page. Ich war verdutzt. Wieso hat mein Journalistenbüro eine Facebook-Page? Habe ich die angelegt?

Jein. Die wird bei der Eingabe eines neuen “Arbeitgebers” im Facebook-Profil offenbar automatisch generiert, sofern die Firma noch nicht in der Datenbank ist.

Facebook-Admin

Da schwirrte sie also plötzlich durchs Netz, die ungewollte Fanseite meiner neuen Marke – hässlich, herrenlos, leer, unadministriert. Rasch beantragte ich die Adminrechte für das Textfundbüro – bevor es jemand anders tut.

Dafür musste ich ein Formular ausfüllen und Facebook gegenüber erklären, dass ich, der Inhaber des Textfundbüros, dazu autorisiert bin, das Textfundbüro zu vertreten. An Eides Statt.

Das ist doch Scheiße. Wieso sitze ich hier vor meinem Rechner und muss irgendwelchen Typen in Kalifornien darlegen, dass ich die Seite meiner eigenen Firma, die ohne meine Wissen (oder meinetwegen: aufgrund meines Unwissens) automatisch angelegt wurde, verwalten und hoffentlich bald wieder löschen darf (so wahr mir Gott helfe)?

Facebook-Admin
Facebook-Admin

Dienstag, 02.12.10, 16.15 Uhr – Nach der abgeschlossenen Eingabe beim Amt für soziale Vernetzung (i.e. Facebook) warte ich darauf, dass Facebook mir die Adminrechte für das Textfundbüro gnädigerweise gestattet.

Dienstag, 02.12.10, 16.28 Uhr – Ich habe nun ein Email erhalten, via enthaltenem Link meine Emailadresse bestätigt und harre fürderhin der weiteren Prüfung meines Antrags.

Dienstag, 29.03.11 – The Zucks Mühlen mahlen langsam, aber: Heute, vier Monate nach meiner Anfrage, hat Facebook mir eine Antwort auf meine Admin-Anfrage geschickt. Am Wording kann man erahnen, dass sich da jemand sehr gründlich mit der Sache befasst hat:

Unfortunately, after further review, you did not meet the requirements to take over the Page in question. At this time we will not be able to provide you admin rights to this Page. We apologize for any inconvenience this may cause.

For more information about this feature, as well as answers to frequently asked questions, please visit Facebook’s Help Center by clicking the link below:

http://www.facebook.com/help/?page=175

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Facebook Places? Facebook Things!

August 20th, 2010

Tom

Vor einigen Jahren waren RFID-Chips ein großes Thema, und eine Prognose lautete, durch das Taggen von Alltagsgegenständen werde das sogenannte “internet of things” entstehen: Kühlschränke, die mit Milchtüten kommunizieren, Fußbälle, die mit Torpfosten Daten austauschen und so weiter.

Der Erfolg von RFID war zwar bislang überschaubar – aber dieses Experiment im Coca-Cola-Village, einem israelischen Vergnügungspark für Teenager, zeigt, was man mit RFID noch so alles anstellen könnte.

An zahlreichen Objekten des Parks wurden Like-Schilder angebracht – die Besucher haben RFID-Armbänder, die mit ihrem Facebook-Login verknüft sind und können so Objekte direkt faven, was dann in ihrem Stream abgebildet wird.

Interessantes, sicher ausbaufähiges Konzept. Vielleicht ist Facebook Places nur ein Vorläufer von … Facebook Things?

Via Digital Buzz Blog

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“The Times” verliert 66% ihrer Leser – ein Erfolg?

Juli 19th, 2010

Tom

Elektrisiert hat mich diese Meldung, laut der “The Times” seit Errichtung einer Paywall rund zwei Drittel ihrer Leser veloren hat:

Citing data from Experian Hitwise, which monitors Internet traffic, the Observer said visits to The Times’s website had fallen to 33 percent of the levels seen before readers were asked to register and pay for access.

Das klingt katastrophal. Aber ist es vielleicht doch ein Win? Angeblich kalkulierte die Murdoch-Zeitung intern mit einem Leserverlust von 90 Prozent.

Es ist schwer zu ermessen, was der immense Reichweitenverlust für die Anzeigenerlöse bedeutet. Aber man könnte ja auch folgende Rechnung aufmachen: Die Onlineausgaben “Times” und “Sunday Times” haben nach eigenen Angaben 20 Millionen unique visitors. Genauer gesagt: Hatten.

Deren Beitrag zur Refinanzierung war null. Wenn Times.co.uk jetzt 7 Millionen zahlenden Kunden hätte, sähe es folgendermaßen aus. Das Paypaket “Times+” kostet 2 Pfund in der Woche – bei so vielen Kunden das wäre also ein Jahresumsatz von 728 Millionen Pfund.

Nie im Leben! Der Haken an dieser Milchmädchen-Rechnung ist ja, dass Hitwise nur ermittelt, wie viele Leute auf die “Times”-Webseite kommen, und nicht, wie viele ihre Kreditkarte durchziehen und das Abo kaufen. Man bräuchte Verlaufszahlen, um hier wirklich etwas hereindeuten zu können.

Wenn Times.co.uk 75 Prozent aller Leser verlöre, und der Rest zahlte – dann hätte die Webseite übrigens mehr zahlenden Kunden als Zeitung und Sonntagszeitung zusammen (4,9 Millionen).

Klingt für mich unwahrscheinlich, solange man den Guardian und die BBC umsonst lesen kann.

Dazu passt übrigens “Zahlen zur Medienkrise: Ökonomie eines Blutbads”

Update: “The Times has lost almost 90% of its online readership

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Ist Weniger das neue Mehr?

Mai 27th, 2010

Tom

Neulich war ich auf der Internetkonferenz next10. Die Qualität der Vorträge war durchwachsen, einer lässt mir jedoch keine Ruhe: Der von Ben Hammersley. Der Brite ist Editor at Large bei “Wired” und arbeitet für eine Kreativagentur. Er erzählte von seinen Eindrücken in Sachen iPad.

Allen, die glauben, das iPad werde die Printmedien retten sagt Hammersley: Das Ding macht alles erst einmal noch schlimmer. Warum? Weil es den Konkurrenzdruck massiv erhöht. Schon jetzt ist es ja so, dass der “Kleckersdorfer Anzeiger” wegen des Internet mit der “New York Times”, der BBC sowie Blogs, Youtube, Suchmaschinen etc. konkurrieren muss.

Demnächst, prohezeit Hammersley, werde das iPad dafür sorgen, dass der Wettbewerbsdruck weiter steigt. Dank des Formfaktors und des hervorragenden Displays konvergierten darauf alle Medien. Dann werde noch stärker als bisher gelten, dass Printmedien auch mit TV & Co. im Wettbewerb stehen.

Das tun sie natürlich schon heute. Aber mit dem iPad verhält es sich meiner Ansicht nach ein bisschen wie mit einem Jahrmarkt mit Dutzenden Attraktionen: Jedes mal, wenn der Konsument sein Tablet in die Hand nimmt, wird er sich die Frage stellen, ob er jetzt wirklich Zeitung lesen soll. Oder ob er nicht lieber Comics anschaut, Fernsehen guckt oder Baseballstatistiken wälzt. Das ist nämlich möglicherweise viel kurzweiliger, und nur einen Fingerwisch weit entfernt.

Von der “FAZ” zu RTL umzuswitchen, stellte bisher einen Medienbruch dar. Jetzt funktioniert der Wechsel ohne Unterbrechung. Hammersley formuliert es so:

“You have to make your content really really beautiful. Otherwise you are screwed.”

Wenn er recht hat (ich würde glauben: er hat), muss man sich als Printheini ein bisschen fürchten. Denn Zeitungen oder Newssites sind im besten Fall: klug, originell, überraschend, intellektuell stimulierend, informativ. Aber schön?

Die Nutzer nach Vorstellung der Verlage zudem nicht nur einen Teil ihrer begrenzten iPad-Facetime für digitale Zeitungen reservieren – sie sollen dafür auch noch ordentlich latzen. Wenn man bei gestiegener Konkurrenz also den gleichen bzw. einen noch höheren Preis durchdrücken will, was muss man dann machen?

Eigentlich einfach: Als Tablet-Content kommt nur richtig dicke Suppe in Frage. Denn für Maggi-Fix zahlt erstens keiner und zweitens will die dünne Suppe auch umsonst niemand, wenn der Tisch so opulent gedeckt ist.

Das ist interessant, den zumindest bei Onlinepublikationen ging der Trend in den vergangenen Jahren ganz klar in Richtung immer mehr Geschichten und damit immer mehr Klicks/Visits. Das war für den Nutzer erfreulich, denn er bekam ein umfassenderes, bunteres Nachrichtenangebot. Und “All the news that’s fit to print” ist darüber hinaus ja auch ein hehrer journalistischer Ansatz.

Aber in erster Linie standen hinter dieser Mehr-Logik natürlich steigende Anzeigenerlöse. Klicks ließen sich nach einer jahrelangen Durststrecke plötzlich monetarisieren. Das Phänomen ist aus dem
Printbereich bestens bekannt. Im Jahr 1999 hatte etwa die “Wirtschaftswoche” bis zu 400 Seiten. Die IT-Bibel “The Industry Standard” war damals so dick wie ein Telefonbuch.

Das hatte nichts damit zu tun, dass die Informationsnachfrage oder das Nachrichtenaufkommen gestiegen waren. Sondern schlichtweg damit, dass man irgendwie all die Anzeigen unterbringen musste, mit denen die Kunden die Verlage zupflasterten (ach, damals!).

Nach der gleichen Logik verfuhrendie meisten Onlineseiten während des Werbebooms der Jahre 2005-2008. Mehr Stories; mehr Bildergalerien; mehr mehr.

Wenn die Inhalte aber jetzt “beautiful” werden sollen, wenn die Suppe dicker werden muss, dann kann das ja eigentlich nicht so weiter gehen. Man darf vermuten, dass kaum ein Verlag wegen des iPad 50 zusätzliche Leute einstellt. Die einzige andere Möglichkeit wäre folglich, dass die bestehenden Redaktionen mit der gleich großen Mannschaft weniger, aber dafür schönere Geschichten produzieren. Die man wirklich lesen will. Für die man zu zahlen bereit ist.

Ob das passiert? Ob Weniger das neue Mehr ist? Das wird auf jeden Fall interessant.

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BP nutzt Social Media für Schadensbegrenzung,

Mai 7th, 2010

Tom

BP's Oil Spill measured in Exxon Valdezes [original size]

Neulich habe ich darüber geschrieben, wie sich eine Facebook-Fanpage für Unternehmen zur Falle werden kann. Was auf der Seite passiert, lässt sich kaum kontrollieren, wie etwa Nestlé nach einer Greenpeace-Kampagne erfahren musste.

Dagegen zeigt BP gerade,wie man Social Media gekonnt einsetzt: Nach dem Deepwater-Horizon-Desaster hat das Unternehmen umgehend eine Facebook-Seite eingerichtet. Alle neuen Infos zum Sachstand gehen zuerst über FB und Twitter raus.

Das ist schneller als eine Pressemitteilung, was allerdings nicht der wichtigste Grund für dieses Vorgehen sein dürfte. Denn auch wenn die auf FB platzierten Informationen die gleichen sind wie in der PM, erweckt BP so den Eindruck, man wende sich direkt an die Betroffenen. Das ist ziemlich clever, denn eine Message besteht schließlich nur zu 20 Prozent aus Inhalt und zu 80 Prozent aus Ansprache und Melodie.

Außerdem kommt BP damit Umweltaktivisten zuvor, die ansonsten mit an Sicherheit grenzender wahrscheinlichkwit Anti-BP-Seiten auf FB eröffnen würden. Dadurch, dass BP Interessierten selber eine Plattform bietet, mildert die Firma den Imageschaden ab.

Ferner umgeht BP auf diese Weise die klassischen Medien. Die herausgegebenen Informationen gelangen direkt zum Leser und werden nicht mehr von kritischen Fachjournalisten gefiltert, die womöglich gemeine Nachfragen stellen und den Spin verändern könnten.

Mehr Hintergrund bei Reuters.

Nachtrag: Die beste Social Media PR nützt einem natürlich nichts, wenn der eigene CEO Tony Hayward in der Öffentlichkeit solch dämliche und lachhafte Ausflüchte versucht:

“The Gulf of Mexico is a very big ocean. The amount of volume of oil and dispersant we are putting into it is tiny in relation to the total water volume.”

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Abgestaubt: Der Markendschungel der Telekom

April 17th, 2010

Tom

Manche Aufräumarbeiten dauer etwas länger.Die Markenarchitektur der Deutschen Telekom zum Beispiel, von dem ehemaligen Kommunikationschef Jürgen Kindervater entworfen, ist über die Jahre zu einem veritablen Dschungel mutiert. T-Home, T-Shop, T-Com, T-Systems – da blickt schon lange kein Schwanz mehr durch. Heute hat das Unternehmen seine Kunden per SMS informiert, dass T-Mobile und T-Home verschwinden. Fortan gibt es nur noch Telekom.de.

Eine gute Idee, denn trotz allem Gemäkel ist das magentafarbene T eine der stärksten Marken, die es in Deutschland gibt. Sie ist nur lange stümperhaft gemanagt worden.

Aus gegebenem Anlass habe ich meinen dazugehörigen Artikel abgestaubt:

Verloren im T-Dschungel

Von Thomas Hillenbrand & Isabell Hülsen; 9. Januar 2007; Financial Times Deutschland

Mit einer unstimmigen Kommunikationsstrategie hat die Deutsche Telekom ihre Marke beschädigt. Der neue Konzernchef RenéObermann will nunOrdnung in das Werbechaos bringen

Am Anfang war das T. Als die neu geschaffene Deutsche Telekom Mitte der 90er-Jahre ihr Logo und ihre Identitä als Konzern entwarf, war das T-Universum noch üerschaubar. Üerall prangte der Namenszug der Telekom oder schlicht ein “T”, stets in den Farben Magenta und Grau.

Zehn Jahre späer ist die Markenstrategie von Europas größem Telefonkonzern selbst fü Insider kaum mehr durchschaubar: Es gibt T-Mobile, T-Com, T-Home, T-Service und sogar eine T-Gallery. “Aus Konsumentensicht ist das Bild der Telekom zerfasert und chaotisch”, sagt Udo Klein-Böting, Chef der Beratung BBDO Consulting. Lägst hat jede der drei Telekom-Sparten ihre eigene Markenstrategie, eine gute Handvoll Werbeagenturen frickelt – unabhägig voneinander – am T herum.

Nun soll das Dickicht gelichtet werden. “Es kann nicht sein, dass wir einen wahren Dschungel von T-Marken haben, deren Zusammenspiel nicht ersichtlich ist”, schreibt der neue Telekom-Chef RenéObermann in einem Brief an die Mitarbeiter. Der Top-Manager, berichten Insider, drükt aufs Tempo: Bis zum Früjahr soll ein Konzept auf dem Tisch liegen. Helfen soll dabei Tonio Kröer, Deutschlandchef der Agentur DDB, und in Obermanns neuem füfköfigen Beraterstab zustädig fü Ideen zur Markenfürung. Gut mölich, dass einige Konzernmarken dabei bald in der Versenkung verschwinden.

Seinen Ursprung hat das Markenchaos in der Dezentralisierungsstrategie des im Dezember zurükgetretenen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke. Er veranlasste, dass die Sparten Mobilfunk (T-Mobile), Festnetz (T-Com) und Geschätskunden (T-Systems) weitgehend unabhägig voneinander agieren. Jede Einheit bekam eine eigene Zentrale – und eine eigene Marke. “Plözlich machte jeder sein eigenes Ding”, erinnert sich ein ehemaliger Telekom-Manager. “Mit Markenstrategie hatte das wenig zu tun, aber viel mit Eitelkeit.”

In der Kleinstaaterei aber ging das groß T verloren: Die Telekom tritt heute als Absender ihrer Produkte kaum noch in Erscheinung. Bei T-Home, der neuen Internet-TV-Plattform des Konzerns, taucht der Name gar nicht auf. Markenexperten halten das fü gefärlich, zumal die Telekom dem Kunden doch am liebsten gleich alle Dienste im Büdel verkaufen will. “Der Kunde muss als Telekom-Kunde behandelt werden, nicht als T-Com- oder T-Mobile-Kunde”, sagt Hans Albers, Kreativchef der Werbeagentur Economia, die fü T-Com arbeitet. Mit dem T zu werben häte noch einen weiteren Vorzug: Der Telekom haftet zwar immer noch das piefige Behödenimage an – zugleich gilt der Konzern aber im Gegensatz zu seinen Rivalen als grundsolide.

Auch beim Sportsponsoring macht bisher jeder, was er will: Die Radsportmannschaft Team Telekom heiß inzwischen Team T-Mobile. Mölicher Namenssponsor der Fußall-Bundesliga sollte ursprüglich nicht die Telekom sein, sondern die T-Com – obwohl diese Branchenexperten zufolge nicht einmal 50 Prozent der Deutschen kennen. “Telekom” hat dagegen einen Bekanntheitsgrad von 97 Prozent. Noch ist unklar, ob der Konzern seine Option zum Liga-Sponsoring üerhaupt nutzt und welche Marke verwendet wüde. Bis zum 15. Februar hat Obermann Zeit von der Deutschen Fußall Liga bekommen, um eine Entscheidung zu treffen.

Üerlebensgefärdet sind derweil neben der Marke T-Com vor allem einige der jügeren Schöfungen. Dazu zälen T-One (ein Kombitelefon) oder Congster (ein DSL-Anbieter). Unter dem Kahlschlag könte auch manche Agentur leiden, die bisher in den Diensten der einen oder anderen Sparte steht. “Es wird sicher eine Bereinigung geben. Von den etwa füf Agenturen, die den Konzern in der klassischen Werbung betreuen, sind vielleicht drei oder vier zu viel”, sagt ein Werber. Dass auf die Werber harte Zeiten zukommen hat auch Obermann schon klar gemacht: Mit der “ineffizienten Verwendung unserer Werbegelder” müse Schluss sein.

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Werbebus legt Stockholmer Verkehr lahm

Januar 20th, 2010

Tom

Der schwedische Airportshuttle-Betreiber Flyggbussarna wollte seinen Kunden klarmachen, das Coachbusse viel umweltfreundlicher sind als Pkw und ließ deshalb von der Werbeagentur Acne Advertising eine aus 50 gestapelten Pkw bestehenden Coachbus auf dem Mittelstreifen der Stockholmer Flughafenautobahn aufstellen – mit dem Resultat, dass es wochenlang Staus am Airport gab. Eine ziemlich gelungene Kampagne, die Acne in diesem Film dokumentiert hat (als bitte mit ein bisschen Salz konsumieren).

50 cars or 1 coach? from acneadvertising on Vimeo.

Via Autobloggreen

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Desaströses Timing: Renaults Peugeots Vollgas-Werbung zum Klimagipfel

Dezember 7th, 2009

Tom

Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.

Gefunden in der SZ vom 7. Dezember 2009

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