Tom Hillenbrand’s Netzfundbüro

Warum wir echte Mobil-Flatrates brauchen

5 February 2010 — Debatte, Telcos, Social Media

Die Flatrate ist nicht nur ein Tarif - sie ist ein zivilisatorische Errungenschaft. Wem das zu zu sehr nach argumentativer Überhöhung klingt, der erinnere sich an das Pleistozän des Internet. Um 1997 herum saßen wir vor unseren Rechnern und gafften staunend durch ein Fenster namens Netscape in diese interessante neue Welt, oft mit halboffenem Mund und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls. Letzteres kam den frühen Infonauten teuer zu stehen - weil die Verweildauer im Netz damals noch in Telekom-Gesprächseinheiten abgerechnet wurde.

Weil es noch keine Flatrate gab.

In den USA verbreitete sich das Internet damals viel rasanter als in Europa, und einer der Gründe, den Experten immer wieder anführten, war die Flatrate. Amerikaner mussten sich zwar ebenfalls über ein 56K-Modem bei AOL oder Compuserve einnödeln - das Tarifsystem der meisten Baby Bells sah jedoch free unlimited local calls vor, sodass es in den USA von Anfang an egal war, wie lange man im Netz hing und was man herunterlud.

Den Siegeszug des stationären Internets Mitte der nuller Jahre, als jedes Jahr mehr als eine Million Breitbandanschlüsse in Deutschland hinzukamen, begründete wieder die Flatrate. Rückblickend kann man sagen, dass das moderne Web, dieses Ich-hab-Skype-LastFM-und-Youtube-offen-und-saug-derweil-Spielfilme-Internet ohne Flatrate unvorstellbar wäre. Es ist undenkbar, dass die Glotze irgendwann ausgeht, weil man zuviel TV geschaut hat. Und es ist inzwischen genauso undenkbar, dass man mit dem Internet nicht jederzeit soviel Daten austauschen kann, wie für die persönlichen Bedürfnisse erforderlich ist.

Mit dem stationären Internet, wohlgemerkt.

Inzwischen ist das Internet mobil. Millionen von Menschen nutzen es, über iPhone, Blackberry oder Palm. Und der Ausgangspunkt war wieder einmal die Flatrate. Apple hat ein sehr gutes Smartphone entwickelt, aber wichtiger war vielleicht, dass Steve Jobs bei den großen Netzbetreibern erstmalig eine Art Datenflat durchsetzte. Seitdem explodiert die Nutzung des mobilen Internets. Davor war die Sache nicht so richtig in die Gänge gekommen, trotz flächendeckend verfügbarem UMTS-Netz.

Aber diese erfreuliche Entwicklung droht ausgebremst zu werden.

Jahrelang haben sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 gegen das Flatratemodell gesträubt, und sie sträuben sich immer noch. Kaum einer der heute angebotenen Datentarife ist wirklich All-You-Can-Eat; wer zuviel saugt, wird ausgebremst. Derzeit sind die Obergrenzen - zumindest bei T-Mobile und Vodafone - noch so bemessen, dass die Mehrzahl der Nutzer nichts merkt. Nur Hardcore-User bekommen mitunter eine Betreiber-SMS, die sie informiert, dass sie den Rest des Monats mit angezogener Handbremse unterwegs sein werden.

Das wird sich ändern, und zwar schon bald. Denn wir werden in Zukunft viel mehr Daten durch das Handynetz pusten, und unser Kilobyte-Kontingent wird immer öfter schon vor Monatsende aufgebraucht sein. Wir werden unterwegs dauernd Daten saugen. Googles Nexus One zum Beispiel führt wichtige Software Updates über das UMTS-Netz durch - so etwas kostet Bandbreite. Und demnächst kommen Geräte wie Apples iPad auf den Markt, die Dank größerer, besserer Screens in der Lage sind, opulentere Grafiken oder gar HD-Filme anzuzeigen.

Dann wird auf dem mobilen Gerät das gleiche gelten wie bei Rechnern mit DSL: Nämlich, dass ein Datenvolumen von 1000 MB im Monat Killefitz ist. Das reicht nicht einmal für eine einzige “Lost”-Folge aus iTunes (die in HD 1,2 Gigabyte hat). Hinzu kommt, dass Uploads immer wichtiger werden. Mein iPhone wurde von T-Mobile im Dezember erstmalig ausgebremst, und ich vermute, dass es an den zahllosen Facebook- und Posterous-Updates lag, die ich vor Weihnachten hochgeladen habe.

Wenn sich das mobile Internet ungehemmt entwickeln soll, dann brauchen wir echte Flatrates. Das Argument, dass 1000, 1500 oder vielleicht demnächst 2000 MB nun wirklich jedem reichen müssen, zählt nicht. Jede Bremse, jeder Plafond behindert den Fortschritt.

Dafür muss man die Netzbetreiber vielleicht allmählich sensibilisieren. Deshalb gibt es den 1. Deutschen Downloadtag (Facebook-Link).

Dessen Idee ist simpel: Wie wäre es, wenn jeder mobile Surfer am 1. März 2010 um 12 Uhr mittags anfängt, etwas herunterzuladen? Das würde den Mobilfunkbetreibern vielleicht einen kleinen Hinweis geben, dass sie ihre Tarifstruktur mittelfristig überdenken müssen.

Tinylink: tiny.cc/downloadtag

Auszug aus den Tarifen deutscher Mobilfunkbetreiber:

T-Mobile iPhone

“Ab einem Datenvolumen von 300 MB (Complete S, Complete 120), 1 GB (Complete M, Complete 240) oder 5 GB (Complete L und Complete 1200) wird die Bandbreite im jew. Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.”

Vodafone SuperFlat Internet

“Sie surfen mit der Vodafone SuperFlat Internet unbegrenzt … übers deutsche Vodafone-Netz im Internet. Dafür steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 1 GB pro Abrechnungszeitraum eine Bandbreite von bis zu 7,2 MBit/s zur Verfügung. Ab 1 GB stehen Ihnen höchstens 64 KBit/s zur Verfügung.”

Internet-Pack-M

“Ab einer Datennutzung von über 200 MB pro Abrechnungsmonat steht nur noch GPRS-Bandbreite zur Verfügung.”

E-Plus Handy Internet Flat Option

“Ab einem Datenvolumen von 250 MB im jeweiligen Kalendermonat steht GPRS-Bandbreite (max. 56 kbit/s) zur Verfügung.”

Monströse Playmobil-Bauten

7 October 2009 — Telcos, Games

Mein Freund J. hat einen massiven Playmobil-Fetisch. An seinem Gartenteich stehen keine Sumpfpflanzen, sondern ein monströses Playmobil-Schloss, das aus zahllosen Teilen zusammengesetzt ist.

Langsam gerät die Sache aber völlig außer Kontrolle. Nun ist auch noch ein riesiger Bauernhof dazu gekommen und mehrere lebensgroße Figuren. Bekloppt, aber auch beeindruckend und ein Zeugnis, was geschieht, wenn mit einem Erwachsenen-Gehalt ausgestattete Kinder machen können, was sie wollen.

Service de Luxe bei der Telekom

22 August 2008 — Tests, Medienmassaker, Telcos

Nein das ist keine ironische Überschrift. Heute morgen war meine DSL-Leitung fratze und ich habe die Telekom-Störungsstelle angerufen. Nach dem ersten Klingeln ging ein freundlicher Herr an den Apparat. “Ja, Herr Hillenbrand, ich sehe ihre Nummer, ich ruf mir das kurz auf”. Zwei Minuten später ging alles wieder, und der Techniker versprach einen weiteren Rückruf nachdem er seinen Komplettcheckup beendet habe. Kam weitere drei Minuten später.

Also ich finde, das ist ziemlich ordentlich, hervorragend geradezu. Wenn ich ein Zyniker wäre, würde ich vermuten, dass meine Nummer automatisch auf eine VIP-Leitung weitergeroutet wird. Das würde ich aber wundern (ich habe keinen Journalistentarif oder so etwas). Außerdem ist es schon das zweite Mal, das mir so etwas passiert, das letzte Mal an einem Sonntag, auch da gings fix.

Was das iPhone alles nicht kann

29 March 2008 — Tests, Mobile Suche, Telcos

Beinahe täglich finde ich bei der Nutzung des wunderschönen iPhones weitere Non-Features - Funktionen, ohne die ein modernes Smartphone eigentlich undenkbar ist. Aber das ist Steve natürlich mal wieder blunzn.

Kontakte lassen sich nicht per SMS oder Email weiterleiten.
Die Adressbuchsuche durchsucht nicht die Funktionsbezeichnungen (z.B HNO-Arzt, Anwalt etc.).
Im Adressbuch tauchen Faxnummern in der Liste vor den Telefonnummern auf - das merkt man natürlich erst, wenn man das Gefiepse hört.
SMS lassen sich nicht weiterleiten.
An Emails lassen sich aus der Mail-Anwendung keine Fotos attachen
Man kann das unfassbar dämliche Apple-T9 nicht abklemmen
Das blöde MobileMe-Mail hat keinen Spam-Button
Das verdammte MobileMe-Mail hat keine Suchfunktion
Man kann über einen Kalendereintrag mit Ortsangabe nicht per Hyperlink zu Google Maps gelangen.
Die Suchfunktion für Kontakte befindet sich zwischen den Knöpfen “A” und “Neuer Kontakt”, sodass man jedes mal versehentlich eine neue Karteikarte anlegt
Das Mailprogramm hat keine Landscape-Ansicht
Das Mailprogramm hat keine breite Qwerty-Tastatur im nicht vorhandenen Landscape-Modus
Keine MMS
Keine Speicherkarte
Keine Videokamera
Keine vernünftige Kamera
Kein Multitasking
Synchronisieren ist Glückssache (Kontakte, Kalender abgleichen ist Grütze - trotz me.com)
Keine Themes (siehe MobileCrunch)

Part of an ongoing series …