Es gibt so Dinge, die braucht eigentlich kein Mensch. Ein iPad. Beheizte Autositze. Hemden mit eingestickten Initialien.
Oder eine eigene Shorturl.
Bei Bit.ly, Arm.in und vielen anderen Diensten kann man lange Internetadresse in kurze verwandeln (lassen). Eine eigene Shorturl braucht deshalb keiner, schon gar kein Betreiber eines Winzblogs wie ich. Eigentlich.
Trotzdem habe ich mir eine geschnappt. Erstens, weil es irgendwie Geekchic ist. Zweitens, weil ich wissen wollte, wie das technisch funktioniert.
Okay, es gibt natürlich auch sachliche Gründe. Jede Bit.ly-URL ist meines Erachtens eine verpasste Branding Opportunity. Außerdem kann ich mit meiner eigenen Shorturl analysieren, wieviel Traffic durch welche Tweets durchgegangen ist. Das gibt mir Aufschluss darüber, was meine Follower interessiert.
Wie geht das? Es ist ziemlich einfach, dauert nicht lange und kostet fast nix. Wer auch eine personalisierte Shorturl möchte, für den folgt hier eine kleine Anleitung.
1. Shorturl-Domain reservieren. Meistens nimmt man eine Internetadresse, die an den eigenen Seitennamen erinnert. Beispiele sind nyti.ms, pep.si, oder yhoo.it. Wer Inspirationen sucht, geht am Besten zu Domainr und gibt seinen Markennamen ein. Domainr ermittelt dann Kombinationen – z.B. Nfbue.ro. Sehr hilfreich, weil kein Mensch die ganzen Domainendungen auf dem Schirm hat.
Wichtig: Umlautdomains sind zwar oft noch zu haben, aber machen ständig Ärger – so werden sie z.B. bei Tweetdeck oder Seesmic nicht als Hyperlinks eingefügt. Klickt folglich keiner. Meine erste Wahl (fubü.net) musste ich deshalb durch eine andere Shorturl (nfbr.de) austauschen.
2. Bit.ly-Pro-Account einrichten. Die Proversion ist Beta, man braucht eine Einladung, das dauert ein paar Stunden. Ist aber umsonst. Es gibt auch eine Premiumversion, die kostet aber 1000 Dollar im Jahr und ist nur für Dickschiffe zu empfehlen.
3. Shorturl mit Bitly verlinken. Hierzu muss man das A-Record ändern oder, wenn man für die Shorturls eine Subdomain verwendet (z.B. l.faz.de), das C-Name-Record. Das wird bei Bit.ly gut erklärt und ist, z.B. über das Controlpanel von 1&1, eine Sache von einer Minute.
4. Hauptdomain mit Bit.ly verlinken. Dazu muss ein kleiner HTML-Fitzel auf der Webseite eingefügt werden.
5. Kaffee holen. Verifikation läuft. Bit.ly pingt die Seiten, dauert ca. 10 Minuten.
6. Einrichtung eines URL-Shorteners. Es gibt Bit.ly-Widgets, z.B. für Firefox. Damit kann man jede URL kürzen und das Ergebnis direkt twittern oder facebooken. Das Widget verwendet automatisch die eigene Shorturl.
7. Einrichtung auf der Webseite. Bei Blogsoftware (z.B. WordPress) ist das relativ simpel. Man braucht ein Plugin, z.B. Twitter Tools und Twitter Tools: bit.ly Links sowie den API-Schlüssel von Bit.ly (zu finden in den Settings). Dann kann man es so einrichten, dass z.B. bei jedem neuen Post ein Tweet mit der Shorturl rausgeschossen wird.
Das wars schon. Also, ich finds cooler als Initialen aufm Hemd.
Okay, dieser hier hat gute Chancen, ein später Sommerhit zu werden. Erinnert sich noch jemand an Paul “Yosemite Bear” Vasquez? Der Outdoorfan wurde mit einem kleinen Youtube-Video berühmt, dass er bei einem seiner … äh … Trips aufzeichnete.
Vasquez erschien im Januar ein doppelter Regenbogen und er filmte das. Angesichts des beindruckenden Naturschauspiels geht er in dem Film total ab, lacht weint, fragt nach dem tieferen Sinn des Ganzen. Das Video hat inzwischen fast 12 Millionen Abrufe.
Und nun gibt es das Ganze als Song. Wirklich hübsch und hier zu sehen:
Vor einigen Jahren waren RFID-Chips ein großes Thema, und eine Prognose lautete, durch das Taggen von Alltagsgegenständen werde das sogenannte “internet of things” entstehen: Kühlschränke, die mit Milchtüten kommunizieren, Fußbälle, die mit Torpfosten Daten austauschen und so weiter.
Der Erfolg von RFID war zwar bislang überschaubar – aber dieses Experiment im Coca-Cola-Village, einem israelischen Vergnügungspark für Teenager, zeigt, was man mit RFID noch so alles anstellen könnte.
An zahlreichen Objekten des Parks wurden Like-Schilder angebracht – die Besucher haben RFID-Armbänder, die mit ihrem Facebook-Login verknüft sind und können so Objekte direkt faven, was dann in ihrem Stream abgebildet wird.
Interessantes, sicher ausbaufähiges Konzept. Vielleicht ist Facebook Places nur ein Vorläufer von … Facebook Things?
Viele von uns knipsen mit ihrem Handy unterwegs Sachen und twittern diese dann mit Hilfe von Twitpic, einer auf den Microbloggingdienst zugeschnittenen Fotoplattform. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was mit den Bildern im weiteren passiert. Im Web geht immer wieder das Gerücht um, wer Bilder bei Twitpic hochlade, der trete alle Rechte an seinen Aufnahmen ab.
Das ist Quatsch; Twitpics AGB erscheinen vielmehr äußerst fair, soweit ich das als juristischer Laie beurteilen kann. Dort heißt es:
By uploading your photos to Twitpic you give Twitpic permission to use or distribute your photos on Twitpic.com or affiliated sites. All images uploaded are copyright © their respective owners. For clarity, you retain all of your ownership rights in your Content.
Klingt sauber. Aber seit heute weiß ich, dass diese Regelung nicht so weitgehend ist, wie man als Nutzer vielleicht vermutet.
Der Blogdienst Posterous hat am Mittwoch eine Importaktion für Twitpic-Bilder gestartet. Das USP von Posterous ist es, eine sehr einfach handhabbare Blogplattform bereit zu stellen, die den dort geposteten Content automatisch an Twitter. Facebook, Flickr etc. weiterzuverteilt.
Posterous’ neuer, aggressiver Marketingdreh besteht darin, Importtools für Seiten wie Ning oder Twitpic anzubieten. Das ganze ist Teil einer großangelegten “Switch to Posterous”-Kampagne. Den Switchern verspricht das Unternehmen, alle relevanten Bilder, Texte oder Videos aus ihrem jeweiligen digitalen Altbestand (geplant sind 15 Dienste) zu migrieren.
Da ich ohnehin seit längerem ein Posterous-Blog unterhalte, habe ich versucht, meine derzeit knapp 50 Twitpic-Bilder zu importieren. Sollte kein Problem sein, dachte ich. Sind ja meine Bilder.
Das geht jedoch nicht mehr, denn Twitpic hat den Anwalt von der Leine gelassen und es Posterous untersagt, über die (offene?) API Bilder abzusaugen.
Jetzt könnte ich die Fotos, die sich irgendwo auf meinem Mac befinden, natürlich auch einzeln migrieren, was freilich mühsam ist. Ich würde aber lieber ungehindert meine Eigentumsrechte ausüben, die Twitpic ja bisher nicht bestritten hatte (“you retain all of your ownership rights”).
Posterous fertigt ja nur digitale Kopien an und löscht die Bilddateien, die ich Twitpic zur Verfügung gestellt habe, nicht. Zudem ist Posterous ja von mir mandatiert.
Schon klar, dass Twitpic Angst hat, dass ihnen die User weglaufen. Ist aber ja wohl nicht mein Problem. Ich habe deshalb um Stellungnahme gebeten:
Hey @TwitPic, why won’t you let me move my photos wherever I want? Seems to me this contradicts IP rights & your fine print, too!
Der Fall ist interessant, weil er ein grundsätzliches Dilemma aufzeigt: Jeder dieser Dienste, ob Facebook, Twitpic oder Posterous, hat ein großes Interesse daran, wie ein Schwamm usergenerierten Content aufzusaugen, es dem Nutzer dann aber möglichst schwer (am besten unmöglich) zu machen, diesen wieder zu exportieren. Ich bin gespannt, wie der Fall ausgeht.
Das Ganze ist ein bisschen so, wie wenn ein Self-Storage-Anbieter mir offerierte, meine Bücher und mein Kellergerümpel abzuholen und umsonst feinsäuberlich einzulagern. Und mir später, wenn ich meinen Krempel wieder abholen will, verbietet, mit der Sackkarre in seine Lagerhalle zu fahren oder gar fremde Möbelpacker zu beauftragen.
Heute bestand Facebook sehr hartnäckig darauf, mein Profil mit neuen “Gemeinschaftsseiten” zu Arbeitgeber, Wohnort und Ausbildungsstätte (SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Uni-Duisburg-Essen) zu verknüpfen.
“Dein Profil besteht jetzt aus Kategorien und ist direkt mit offiziellen sowie Gemeinschaftsseiten über deine Interessen verlinkt. Jetzt kannst du dich in deinem Profil besser ausdrücken und deine Freunde können mehr über dich erfahren, indem sie einfach auf deine Interessen klicken.”
Da geht natürlich gleich wieder die Alarmglocke an – was genau bedeutet das? Laut Facebook werden die verlinkten Informationen irgendwie öffentlich angezeigt, wobei die Formulierung etwas schwammig ist:
“Duch (sic!) das Verlinken deines Profils mit Seiten werden diese Verbindungen öffentlich gemacht.”
Das Prompt-Popup, das mir Facebook dazu vorsetzt, lässt sich nicht wegklicken. Ich muss entweder zustimmen oder die Häkchen wegmachen und abspeichern. Dann erhalte ich allerdings folgende bedrohliche Nachricht:
“Wenn du dein Profil mit keinen Seiten verlinkst, bleiben diese Abschnitte in deinem Profil leer.”
Man kann den Browser schließen, der Prompt verschwindet dann. Langfristig kommt man an der Verlinkung mit Gemeinschaftsseiten aber offenbar nicht vorbei: Wenn ich in meinem Profil (zum Beispiel nach einem Umzug) den Wohnort ändern will, dann muss ich in Zukunft anscheinend einer Verknüfpung zur entsprechenden Gemeinschaftsseite zustimmen – Ausnahmen sind offenbar nicht vorgesehen.
Die Sache mit den Gemeinschaftsseiten habe ich noch nicht völlig überrisssen – es scheint aber so zu sein, dass dort eine automatisierte Suche einläuft, die aus dem Facebook-Gesamtstream passende Posts von Mitgliedern herausfischt und diese für alle Nutzer sichtbar publiziert.
Das heißt wohl im Klartext: Wer z.B. bei Siemens arbeitet und mit der Siemens-Gemeinschaftsseite verknüpft ist, der erscheint dort mit Posts, in denen er sich über Siemens auslässt oder in denen er zu Siemens verlinkt. Alle Facebook-Mitglieder können das dann sehen, nicht nur die eigenen Freunde.
Update (26/05/10): Offenbar sind die Einträge nur dann sichtbar, wenn man seine Pinnwand auf “öffentlich gestellt hat (siehe Kommentare).
Ja, man hat dem irgendwie zugestimmt. Nein, das wird den meisten Menschen nicht klar sein.
Das ist mal wieder typisch Facebook: Unverständlicher Prompt, den man nicht wegklicken kann und der zur umfassenden Freigabe von Infos führt, die man eigentlich nicht mit allen teilen will – ohne wirkliche Alternativen, ohne Erklärung, verbunden mit einer ominösen Löschungsandrohung.
Neulich habe ich darüber geschrieben, wie sich eine Facebook-Fanpage für Unternehmen zur Falle werden kann. Was auf der Seite passiert, lässt sich kaum kontrollieren, wie etwa Nestlé nach einer Greenpeace-Kampagne erfahren musste.
Dagegen zeigt BP gerade,wie man Social Media gekonnt einsetzt: Nach dem Deepwater-Horizon-Desaster hat das Unternehmen umgehend eine Facebook-Seite eingerichtet. Alle neuen Infos zum Sachstand gehen zuerst über FB und Twitter raus.
Das ist schneller als eine Pressemitteilung, was allerdings nicht der wichtigste Grund für dieses Vorgehen sein dürfte. Denn auch wenn die auf FB platzierten Informationen die gleichen sind wie in der PM, erweckt BP so den Eindruck, man wende sich direkt an die Betroffenen. Das ist ziemlich clever, denn eine Message besteht schließlich nur zu 20 Prozent aus Inhalt und zu 80 Prozent aus Ansprache und Melodie.
Außerdem kommt BP damit Umweltaktivisten zuvor, die ansonsten mit an Sicherheit grenzender wahrscheinlichkwit Anti-BP-Seiten auf FB eröffnen würden. Dadurch, dass BP Interessierten selber eine Plattform bietet, mildert die Firma den Imageschaden ab.
Ferner umgeht BP auf diese Weise die klassischen Medien. Die herausgegebenen Informationen gelangen direkt zum Leser und werden nicht mehr von kritischen Fachjournalisten gefiltert, die womöglich gemeine Nachfragen stellen und den Spin verändern könnten.
Mehr Hintergrund bei Reuters.
Nachtrag: Die beste Social Media PR nützt einem natürlich nichts, wenn der eigene CEO Tony Hayward in der Öffentlichkeit solch dämliche und lachhafte Ausflüchte versucht:
“The Gulf of Mexico is a very big ocean. The amount of volume of oil and dispersant we are putting into it is tiny in relation to the total water volume.”
Jeden Tag klicke ich zigfach auf Retweet-, Facebook- sowie diverse andere Rating- und Sharingbuttons – und neuerdings auf den notorischen Like-Button. Zusätzlich lade ich Bilder hoch und verteile sie über Flickr, Posterous und Tumblr. Vielen Seiten habe ich eine Freigabe erteilt, sodass sie meine Aktionen automatisch in meine sozialen Netzwerke posten – Favoriten auf Youtube landen zum Beispiel automatisch in meinem Facebook-Newsfeed.
Das war schon immer kompliziert. Aber nun, das muss ich gestehen, habe ich endgültig den Überblick verloren.
Vielleicht bin ich zu dämlich für Social Media? Oder zu alt? Glaube ich nicht. Seit es Akustikkoppler gibt, hänge ich im Netz, ich blogge, seit zehn Jahren arbeite ich unter anderem für SPIEGEL ONLINE. Ich studiere das Kleingedruckte in den Privatsphäre-Einstellungen, lese täglich Fachpublikationen wie Mashable, schreibe manchmal über Social Media und betreue über zehn Facebook-Pages.
Es gibt bestimmt viele Leute, die bei dem Thema mehr Durchblick haben. Aber, und das soll jetzt nicht großkotzig klingen: Wenn ein Profi wie ich das alles nicht mehr versteht, wie sollen es dann normale User überreißen?
Das Problem wurde mir schlagartig bewusst, als ich Likebutton.me bewunderte, eine Aggregator-Seite, die aus den Handlungen meiner Bekannten im erweiterten sozialen Netz (was inzwischen fast gleichbedeutend ist mit dem Web) eine Übersicht relevanter Inhalte erstellt.
Weiß meine Kollegin, dass ich jetzt weiß, dass sie eine Geschicnte über Pornographie auf Mobiltelefonen gefaved hat? Und was, verdammt nochmal, sehen die Leute dort über meine Aktivitäten im Netz?
Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Ich kann schlichtweg nicht mehr nachvollziehen, welche Implikationen meine Handlungen im Netz haben. Mashables Chefredakteur Peter Cashmore kommentiert ironisch, niemand könne Facebook stoppen, weil niemand mehr verstehe, was Facebook eigentlich tue.
Da hat er wohl recht. Herr Zuckerberg, ich kapituliere! Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob man als User alles verstehen muss. Ich weiß schließlich auch nicht genau, wie meine Mikrowelle funktioniert. Aber die sendet, so hoffe ich, auch keine Daten durch die Gegend.
Bei Google Buzz patzte ich zum ersten Mal und gab, wie Tausende andere auch, kurzfristig die Namen von Menschen preis, mit denen ich in häufigem privaten Mailkontakt stehe; im Falle von Open Graph, Facebooks neuem Personalisierungtool (wenn es das trifft), wird mir möglicherweise ähnliches passieren. Oder vielleicht auch nicht. Ich kann das schlichtweg nicht genau sagen, weil ich die Implikationen des Dienstes bislang noch nicht ausreichend verstehe (obwohl ich ein Dutzend Artikel darüber gelesen habe).
Am Wochenende werde ich mich hinsetzen und die Dokumentation von vorne bis hinten durchlesen. Dann werde ich entscheiden, ob ich das neue Facebook-Tool komplett ausknipse – was übrigens ein grotesk schwieriges Unterfangen ist, siehe diese Anleitung.
Bah! Jetzt muss man für Social Media schon ellenlange Gebrauchsanleitungen studieren – so etwas gab es bislang nur bei Videorekordern und Herz-Kreislauf-Medikamenten. Da liest das Zeug in der Regel keiner. Vermutlich ist genau das auch hier die Intention.
Die Flatrate ist nicht nur ein Tarif – sie ist ein zivilisatorische Errungenschaft. Wem das zu zu sehr nach argumentativer Überhöhung klingt, der erinnere sich an das Pleistozän des Internet. Um 1997 herum saßen wir vor unseren Rechnern und gafften staunend durch ein Fenster namens Netscape in diese interessante neue Welt, oft mit halboffenem Mund und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls. Letzteres kam den frühen Infonauten teuer zu stehen – weil die Verweildauer im Netz damals noch in Telekom-Gesprächseinheiten abgerechnet wurde.
Weil es noch keine Flatrate gab.
In den USA verbreitete sich das Internet damals viel rasanter als in Europa, und einer der Gründe, den Experten immer wieder anführten, war die Flatrate. Amerikaner mussten sich zwar ebenfalls über ein 56K-Modem bei AOL oder Compuserve einnödeln – das Tarifsystem der meisten Baby Bells sah jedoch free unlimited local calls vor, sodass es in den USA von Anfang an egal war, wie lange man im Netz hing und was man herunterlud.
Den Siegeszug des stationären Internets Mitte der nuller Jahre, als jedes Jahr mehr als eine Million Breitbandanschlüsse in Deutschland hinzukamen, begründete wieder die Flatrate. Rückblickend kann man sagen, dass das moderne Web, dieses Ich-hab-Skype-LastFM-und-Youtube-offen-und-saug-derweil-Spielfilme-Internet ohne Flatrate unvorstellbar wäre. Es ist undenkbar, dass die Glotze irgendwann ausgeht, weil man zuviel TV geschaut hat. Und es ist inzwischen genauso undenkbar, dass man mit dem Internet nicht jederzeit soviel Daten austauschen kann, wie für die persönlichen Bedürfnisse erforderlich ist.
Mit dem stationären Internet, wohlgemerkt.
Inzwischen ist das Internet mobil. Millionen von Menschen nutzen es, über iPhone, Blackberry oder Palm. Und der Ausgangspunkt war wieder einmal die Flatrate. Apple hat ein sehr gutes Smartphone entwickelt, aber wichtiger war vielleicht, dass Steve Jobs bei den großen Netzbetreibern erstmalig eine Art Datenflat durchsetzte. Seitdem explodiert die Nutzung des mobilen Internets. Davor war die Sache nicht so richtig in die Gänge gekommen, trotz flächendeckend verfügbarem UMTS-Netz.
Aber diese erfreuliche Entwicklung droht ausgebremst zu werden.
Jahrelang haben sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 gegen das Flatratemodell gesträubt, und sie sträuben sich immer noch. Kaum einer der heute angebotenen Datentarife ist wirklich All-You-Can-Eat; wer zuviel saugt, wird ausgebremst. Derzeit sind die Obergrenzen – zumindest bei T-Mobile und Vodafone – noch so bemessen, dass die Mehrzahl der Nutzer nichts merkt. Nur Hardcore-User bekommen mitunter eine Betreiber-SMS, die sie informiert, dass sie den Rest des Monats mit angezogener Handbremse unterwegs sein werden.
Das wird sich ändern, und zwar schon bald. Denn wir werden in Zukunft viel mehr Daten durch das Handynetz pusten, und unser Kilobyte-Kontingent wird immer öfter schon vor Monatsende aufgebraucht sein. Wir werden unterwegs dauernd Daten saugen. Googles Nexus One zum Beispiel führt wichtige Software Updates über das UMTS-Netz durch – so etwas kostet Bandbreite. Und demnächst kommen Geräte wie Apples iPad auf den Markt, die Dank größerer, besserer Screens in der Lage sind, opulentere Grafiken oder gar HD-Filme anzuzeigen.
Dann wird auf dem mobilen Gerät das gleiche gelten wie bei Rechnern mit DSL: Nämlich, dass ein Datenvolumen von 1000 MB im Monat Killefitz ist. Das reicht nicht einmal für eine einzige “Lost”-Folge aus iTunes (die in HD 1,2 Gigabyte hat). Hinzu kommt, dass Uploads immer wichtiger werden. Mein iPhone wurde von T-Mobile im Dezember erstmalig ausgebremst, und ich vermute, dass es an den zahllosen Facebook- und Posterous-Updates lag, die ich vor Weihnachten hochgeladen habe.
Wenn sich das mobile Internet ungehemmt entwickeln soll, dann brauchen wir echte Flatrates. Das Argument, dass 1000, 1500 oder vielleicht demnächst 2000 MB nun wirklich jedem reichen müssen, zählt nicht. Jede Bremse, jeder Plafond behindert den Fortschritt.
Auszug aus den Tarifen deutscher Mobilfunkbetreiber:
“Ab einem Datenvolumen von 300 MB (Complete S, Complete 120), 1 GB (Complete M, Complete 240) oder 5 GB (Complete L und Complete 1200) wird die Bandbreite im jew. Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.”
“Sie surfen mit der Vodafone SuperFlat Internet unbegrenzt … übers deutsche Vodafone-Netz im Internet. Dafür steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 1 GB pro Abrechnungszeitraum eine Bandbreite von bis zu 7,2 MBit/s zur Verfügung. Ab 1 GB stehen Ihnen höchstens 64 KBit/s zur Verfügung.”
O2 Internet-Pack-M
“Ab einer Datennutzung von über 200 MB pro Abrechnungsmonat steht nur noch GPRS-Bandbreite zur Verfügung.”
E-Plus Handy Internet Flat Option
“Ab einem Datenvolumen von 250 MB im jeweiligen Kalendermonat steht GPRS-Bandbreite (max. 56 kbit/s) zur Verfügung.”
Schutzheilige gibt es haufenweise – Christophorus hilft den Autofahrern, Matthäus den Bankern. Auch für die Medien gibt es patron saints. Das Fernsehen etwa wird von der Heiligen Klara von Assisi betreut. Diese Heiligen bekommen ihre Schutzbefohlenen nicht nach dem Zufallsprinzip zugeteilt, sondern aufgrund ihrer Historie.
Die Arme Klara etwa wurde von Pius XII. 1958 zur TV-Heiligen auserkoren, weil sie dereinst der Überlieferung zufolge wegen einer Krankheit nicht der Messe nicht beiwohnen konnte – ihr der liturgierenden Priester aber wundersamerweise auf der Mauer ihrer Zelle erschien. Halleluja.
Nur das Internet hat bis heute keinen Schutzheiligen. Dabei könnte das Web gut einen gebrauchen: Überall sind Viren, Phisher und Hacker unterwegs. Und wer mit einem Windows-PC arbeiten muss, der schickt ohnehin dauernd Stoßgebete zu Himmel. Deshalb wäre ein surfer’s saint ganz gut.
Vor einigen Jahren war dann tatsächlich der Heilige Isidor von Sevilla im Gespräch. Der spanische Kirchenmann aus dem 7. Jahrhundert ist der Verfasser der Etymologiae, des wohl ersten modernen Lexikons.
Anders als frühere,krautigere Werke war Isidors Offline-Wikipedia erstmalig hierarchisch geordnet. Der Kirchenmann legte das gesamte Wissen seiner Epoche gewissermaßen in Baumstruktur ab, nach der Logik C:\Tiere\Vögel\Amseln. Das klingt heute banal, war aber damals revolutionär – der Erfolg der Etymologiae war dann auch derart durchschlagend, dass das Lexikon bis ins späte Mittelalter hinein verwendet wurde.
Wegen seiner Rolle als Informationsguru und Erfinder des file trees wurde Isidor von einem Beratungsgremium des Vatikans für den Job des Web-Schutzheiligen ins Gespräch gebracht. Er ist aber, soweit sich das festellen lässt, vom Pontifex nie offiziell bestätigt worden.
Im Internet wird das zwar an verschiedenen anders dargestellt, aber soweit ich es recherchieren konnte, gibt es bis heute keinen offiziellen katholischen Internet-Schutzheiligen. Der Vatikan und seine deutsche Nuntiatur wussten zumindest auf anfrage nichts von einem Internet-Patron.
Ist aber eigentlich auch egal, oder? Padre Pio wurde von den Italiener schließlich auch verehrt – Jahrzehnte, bevor die katholische Kirche dann auch irgendwann Ihren Segen gab. Ich finde die Idee eines Internet-Schutzheiligen einfach sehr nett. Und man muss dazu auch gar nicht katholisch oder christlich sein. Man kann den Web-Isi auch einfach als lucky charm begreifen.
Also hab ich einfach mal eine Facebook-Seite für Isidor eingerichtet – ganz ohne päpstlichen Segen.



![BP's Oil Spill measured in Exxon Valdezes [original size]](http://farm5.static.flickr.com/4011/4574125985_9f3731c2cb.jpg)

