Die gerade viel diskutierte These in Sachen Buchmarkt ist, leicht überspitzt, folgende:
Die vordigitalen Verlage vereinen in sich die pathologische Realitätsverweigerung der Musikindustrie und die gnadenlose Selbstüberschätzung der Zeitungsbranche. Deswegen droht ihnen unweigerlich der Tod (nach langem, qualvollen Siechtum).
In Kürze wird es dieser These zufolge praktisch gar keine Verlage mehr geben. Nach dem Verlagssterben werden Autoren ihre Buchstaben entweder selbst durch die Datenpipe pusten. Oder Jeff “The Devourer” Bezos wird es für sie tun, als erster, einziger und letzter volldigitaler Verleger des Planeten.
Glaub’ ich nicht.
Was sicherlich stimmt, ist, dass Buchverlage so pfadabhängig sind, dass es jedem technologieaffinen Menschen weh tun muss. Als das Ebook noch nicht da war (aber man schon ahnte, das es bald kommen würde), da sagten sie: “Niemand will Mankell auf einem Bildschirm lesen.”
Als Amazon mehr Ebooks als Papierbücher verkaufte, erwiderten sie: “Na und? Ob wir unsere Bücher auf Papier verkaufen oder digital, das ist doch gehupft wie gesprungen.”
Als Amazon eigene Verlage gründete, erklärten sie: “Die köcheln auch bloß mit Wasser.”
All diesen Paraphrasen ist gemein, dass sie als Stichtagsbetrachtungen absolut zutreffen, jedoch von geringer Halbwertzeit sind. Denn wenn einen das Internet eines lehrt, dann ist es das: Das Web ermöglicht es, eine Dienstleistung oder ein Produkt zu niedrigeren Grenzkosten anzubieten als zuvor im Meatspace. Es reißt außerdem stets die Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer nieder. Die Erfahrung lehrt, dass deshalb plötzlich ganz neue Spieler auftauchen. Und die begnügen sich nie damit, das vorhandene, vordigitale Geschäftsmodell zu digitalisieren. Sie erfinden es neu, from the ground up.
Für die etablierten Verlage mag das eine schlechte Nachricht sein, siehe Zeitungsbranche. Aber für die Buchbranche, diese kulturell enorm wichtige Branche, ist es eine großartige. Denn es werden, glaube ich, bald viele neue Verlage entstehen. Sascha Lobo hat sehr richtig erkannt, dass Autoren meist nur schreiben wollen und überhaupt keinen Bock auf den ganzen anderen Kladderadatsch haben, der für ein Buch notwendig ist (mal abgesehen davon, dass sie das meiste davon auch gar nicht könnten, selbst wenn sie es wollten). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man ist als Autor schon allein genug, und einen guten Verlag zu haben, der einen unterstützt und an einen glaubt, ist Gold wert.
Michael Arrington hat bei Techcrunch einst darüber sinniert, wie die Kostenstrukturen der NYT aussähen, gründete man sie heute komplett neu. Man kann das gleiche Gedankenspiel für Verlage anstellen. Sobald der Vertrieb volldigital ist (das dauert ja nicht mehr soo lange), dann ändert sich das Spiel völlig: Jeder motivierte junge Verleger kann dann einen geilen kleinen Verlag auf die Beine stellen. Er braucht nur ein paar gute Gehirne und DSL. Er muss sich nicht mehr mit Buchhandelsvertretern oder Druckereien herumschlagen. Er kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Guten Autoren helfen, hervorragende Bücher zu machen und diese dann an den Mann zu bringen.
Ich bin mir sicher, dass es da draußen eine Menge frustrierte Großverlagslektoren gibt, die genau darüber nachdenken. Genauso wie sich Nachrichtenbereich mit Politico, Techcrunch oder Huffpost komplett neue Spieler etabliert haben, wird es auch bei den Bücher laufen. Mit dem Ergebnis, dass es vielleicht in zehn Jahren mehr Verlage geben wird als heute. Was ziemlich cool wäre. Also bitte nicht zu sehr über Jeff Bezos aufregen. Der hat ja mal gesagt: “Heutzutage is das Internet so was, wie die Explosion im Kambrium vor 550 Millionen Jahren.” Vielleicht gibt es ja bald ein Kambrium für Bücher. Am besten gleich einen geilen Verlag gründen. Es gab nämlich nie eine bessere Zeit, Verleger zu werden als heute.
Journalistenpreise: Wichtige Ehrungen, die den Fortbestand des deutschen Qualitätsjournalismus sichern – oder institutionalisierte Scrotumschaukelei selbstverliebter Medienfuzzis?
Weiß ich jetzt auch nicht. Ich finde sie aber auf jeden Fall unterhaltsam, vor allem ihre Teilnahmebedingungen. Damit Ihr auch etwas davon habt, kommen hier zwölf Fakten über Journalistenpreise, die Ihr bisher nicht kanntet (und ohne die Ihr bisher ganz gut ausgekommen seid):
Beim Marion-Dönhoff-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung dürfen sich Onlinejournalisten nur dann bewerben, wenn ihr Portal auch ein Offline-Pendant besitzt.
Der vom Industrieverband Friseurbedarf ausgelobte Journalistenpreis heißt Bob.
Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten akzeptierte bis 2010 Onlineartikel nur dann, wenn diese kostenlos zugänglich waren.
Der Preis des Zahnmedizinerverbands Prodente heißt Abdruck.
Beim Arrabiata-Preis wird der beste erste Satz prämiert. Der Gewinner bekommt drei Teller Penne all’arrabbiata in Hamburg sowie als Nachspeise eine Crème Brûlée in Paris.
Beim Henri-Nannen-Preis dürfen Journalisten maximal zwei Beiträge einreichen. Ausnahme: Wenn es sich um lustige Texte handelt, sind fünf erlaubt.
Beim Wahrheit-Preis der taz geht es darum, einen vorgegebenen Satz in ein Qualitätsmedium zu schmuggeln. 2010 hieß der Satz: “”Der Tango macht den Gaucho heiß, wie jedes Rind der Pampa weiß.”
Autorenteams müssen beim Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik stets zwei Arbeitsproben einreichen. An beiden muss exakt die gleiche Autorenkonstellation beteiligt sein.
Das wohl spitzeste Thema hat der Journalistenpreis Fit for Food: Den inhaltlichen Schwerpunkt der Texte “sollte, neben Laktose- oder Fructose-Unverträglichkeit, die Oligosaccharid-Intoleranz bilden.”
Der von den IHK ausgelobte Ernst-Schneider-Preis hat eine Innovationskategorie, die neue Vermittlungsformen von Wirtschaft prämiert. Onlineformate sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Der Dr. Georg Schreiber-Medienpreis der AOK Bayern akzeptiert in seiner Hauptkategorie keine Onlineartikel.
Der Deutsche Journalistenpreis Wirtschaft | Börse | Finanzen (djp) akzeptiert sehr wohl Onlineartikel, aber keine aus TV oder Radio.
Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.
Im Bild: Verleihung des Journalistenpreis der Österr. Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels (2011)
Disclaimer: Der Autor hat noch nie einen der o.g. Preise gewonnen, sich aber bei dem einen oder anderen redlich bemüht.
Gerade beim Aufräumen gefunden: Dieses schöne Promo-T-Shirt. Zu Zeiten des letzten Börsenbooms gab es ein Anlegermagazin namens “Die Telebörse”, bei dem ich mein Volontariat verbracht habe – und dieser Claim war das Heilsversprechen. Tja.
Vor einigen Wochen habe ich zum Verkaufsstart meines Krimis “Teufelsfrucht” ein kleines Social Media-Gewinnspiel losgetreten (siehe auch diesen Artikel im Buchreport). Denn obwohl Bücher immer noch vornehmlich in Buchläden verkauft werden glaube ich als Webjunkie, dass bei der Vermarktung von Literatur übers Internet noch viel mehr geht.
Nun wollte ich Interessierten ein kleines Update geben, wie sich das Ganze entwickelt. Zunächst ein paar Worte zur Funktionsweise des Gewinnspiels, dass ich mittels des (großartigen) Webtools Launchrock erstellt habe:
Jeder, der sich unter teufelsfrucht.eu anmeldet, erhält via Email einen unique link, den er im Web teilen kann. Der Text der Mail:
Danke fürs Mitmachen!
Bitte teilen Sie Ihren Link via Twitter, Facebook oder Email mit Bekannten – das erhöht Ihre Chance auf ein vom Autor signiertes Freiexemplar: http://teufelsfrucht.eu/xm7lw).
Wenn Sie Ihre Email erneut eingeben, können Sie sehen, wie viele Ihrer Freunde sich bereits angemeldet haben.
Viel Glück! Ihr Tom Hillenbrand
Die Analyse-Software von Launchrock wertet für mich aus, wer die meisten Leute auf mein Buch aufmerksam gemacht hat. Wie genau geht das? Launchrock zählt die Menschen, die über einen bestimmten unique link (z.B. teufelsfrucht.eu/23erds4) auf die Seite gekommen sind und sich angemeldet haben.
Die fünf Top-Sharer bekommen von mir dann signiertes Buch zugeschickt.
Getrommelt habe ich für diese Aktion über meinen Twitter-Account und meine Autorenpage bei Facebook; auch auf der Facebook-Seite meines Verlags Kiepenheuer & Witsch wurde das Gewinnspiel beworben.
Bis zum 1. Mai 2011 hatten 3435 Personen teufelsfrucht.eu aufgerufen; gut 10 Prozent (356 Personen) haben sich für das Gewinnspiel angemeldet und ihre Email-Adresse hinterlegt. Launchrock erlaubt es mir, die Mailadressen der angemeldeten User zu sehen; ferner das Datum, die generierten Clicks und die Anzahl der Menschen, die über einen bestimmten dazugekommen sind.
Die überwiegende Zahl der User (258) hat demnach niemand neues in das Spiel hereingezogen. Das heißt entweder, dass diese User das Prinzip nicht verstanden haben (unwahrscheinlich) oder aber dass keiner ihrer Freunde/Follower den unique link geklickt hat.
Auf der anderen Seite gibt es ein paar Megabotschafter. Über den Topsharer sind 56 Leute auf das Buch aufmerksam gemacht worden, 22 von ihnen haben sich angemeldet. Die Top-10-Sharer haben 70 Menschen reingeholt und sind für 191 PIs verantwortlich.
Ich habe zudem Google Analytics über die Seite laufen lassen (allerdings wegen technischer Probleme nicht vom ersten Tag an, sodass die Zahlen nicht ganz perfekt sind). Das Interessanteste sind die Zugriffsquellen:
Twitter spielte offenbar als Verbreitungsquelle kaum keine Rolle – die Leute kommen über Facebook (25%) oder über den direkten Link (55%), was darauf hindeutet, dass viele das Gewinnspiel über die gute alte Email geteilt haben. Easywin ist übrigens eine Gewinnspielplattform (die ich nicht angeschrieben hatte).
Ist das jetzt ein Erfolg? Angesichts des minimalen Aufwands von ca. 3 Stunden, um die kostenlose Launchrock-Seite einzurichten, zumindest ein kleiner, finde ich. Das Experiment zeigt zudem, dass Buchleser nicht “irgendwie offline” sind, wie es manche Leute in der Verlagsbranche immer noch zu glauben scheinen.
Man muss sich mal,überlegen, wie so eine Aktion liefe wenn man:
Ich werde die Launchrock-Aktion noch bis zum 15.5. laufen lassen, dann wird das Gewinnspiel geschlossen.
Trotz E-Book und Amazon werden Bücher auch heutzutage vornehmlich im Buchladen verkauft – als Social-Media-Junkie glaube ich aber, dass die Vermarktung von Literatur hierzulande noch allzu traditionell läuft.
Deshalb versuche ich für meinen demnächst bei Kiepenheuer & Wirtsch erscheinenden Roman etwas Neues: Ich verschenke signierte Exemplare meines Buches. Und zwar an jene “Botschafter”, die meinen Krimi “Teufelsfrucht” via Social Media am tatkräftigsten bewerben.
Das funktioniert folgendermaßen: Jeder, der sich unter teufelsfrucht.eu anmeldet, erhält einen individuellen Link, den er im Web teilen kann. Eine Software von Launchrock wertet für mich aus, wer die meisten Leute auf mein Buch aufmerksam macht (i.e. Launchrock zählt die Menschen, die sich über einen bestimmten unique link angemeldet haben).
Die Top-Sharer bekommen dann ein von mir signiertes Exemplar von “Teufelsfrucht: Ein kulinarischer Krimi” zugeschickt.
Mit der Aktion will ich zum einen Werbung für mein Buch machen; zum anderen interessiert mich, ob überhaupt genügend Krimileser auf Social-Media-Plattformen aktiv sind, um die Aktion zu einem Erfolg zu machen. Daten & Ergebnisse des Experiments werde ich nach dem Ende der Aktion auf meiner Webseite präsentieren.
Über Feedback freue ich mich!
Die Deutsche Post hat gerade eine Plattform für Textverkäufe eröffnet. Sie heißt DieRedaktion.de und ist laut Pressemitteilung ein “Online-Marktplatz für Qualitätsjournalismus”. Seltsam erscheint mir, dass gerade die Post solch ein Portal aufzieht.
Noch seltsamer finde ich, dass in der PM auch davon die Rede ist, Corporate Publishing-Dienstleister, also von Unternehmen für ihre Schalmeien bezahlte Agenturen, würden auf der Plattform ebenfalls Texte einstellen. (Das fiel zuerst Freischreiber.de auf)
Wenn DieRedaktion wirklich eine Plattform für Qualitätsjournalismus wäre, müsste sie eigentlich darauf achten, dass es nicht zu einer Vermischung von PR und Journalimus kommt. Wie unsensibel der Konzern bei diesem Thema jedoch zu sein scheint, zeigt das Testimonial, mit dem DieRedaktion seit Tagen auf ihrer Seite und in Mediendiensten wie Turi2 wirbt:
Der hier abgebildete Herr ist laut Bildtext” Journalist”. Er heißt Sven Hansel und ist laut seinem Xing-Profil tatsächlich Journalist – und außerdem PR-Berater. Er bietet u.a. “Krisen -PR” und “PR-Strategien” an.
Jetzt darf ja jeder machen, was er will, und vielleicht kann man seine PR-Tätigkeit von seiner journalistischen abgrenzen (wobei ich da persönlich skeptisch bin). Hansel muss man zugute halten, dass er sich vollkommen transparent verhält. “Ob man das in der Anzeige hätte kenntlich machen müssen, weiß ich nicht. Ich mache jedenfalls aus meinem Portfolio kein Geheimnis, wie Sie (und jeder, den es interessiert) es ja auch meinem XING-Profil entnehmen können”, schrieb er auf meine Anfrage.
Aber was Herr Hansel tut oder nicht tut, ist ja eigentlich auch wurscht. Der Punkt ist: Wenn sich die Post gerade so jemanden als Testimonial aussucht, dann spricht das Bände über ihr Qualitätsverständnis. Die Deutsche Post hat bisher noch nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.
Die Post hat mir inzwischen eine Stellungnahme geschickt.
Die Redaktion sei “eine Plattform im Internet für Inhalte, die Journalisten erstellen. Die Deutsche Post hat dies in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) entwickelt. Auch Unternehmen und Verbänden bietet sie Zugang zu professionellen Beiträgen für die interne und externe Kommunikation sowie die Gelegenheit, Aufträge für Artikel individuell einzustellen. Die Deutsche Post bietet den Zielgruppen der Plattform lediglich die technische Infrastruktur in Gestalt eines virtuellen Marktplatzes. Eine Einflussnahme im Zusammenhang mit angebotenen Beiträgen und ausgeschriebenen Aufträgen findet nicht statt. Da Sven Hansel auch als freiberuflicher Journalist tätig ist, sehen wir in der Veröffentlichung seines Testimonials auf der Plattform keinen Widerspruch.
Nachtrag: Der DJV erklärt auf Anfrage, er sei kein Koop-Partner der Post. Tester des DJV hätten DieRedaktion.de jedoch vorab geprüft (und offenbar für gut befunden). Die Vermischung von Journalismus und PR liege jedoch im Verantwortungsbereich des Betreibers, also der Post.
Neulich war ich auf der Internetkonferenz next10. Die Qualität der Vorträge war durchwachsen, einer lässt mir jedoch keine Ruhe: Der von Ben Hammersley. Der Brite ist Editor at Large bei “Wired” und arbeitet für eine Kreativagentur. Er erzählte von seinen Eindrücken in Sachen iPad.
Allen, die glauben, das iPad werde die Printmedien retten sagt Hammersley: Das Ding macht alles erst einmal noch schlimmer. Warum? Weil es den Konkurrenzdruck massiv erhöht. Schon jetzt ist es ja so, dass der “Kleckersdorfer Anzeiger” wegen des Internet mit der “New York Times”, der BBC sowie Blogs, Youtube, Suchmaschinen etc. konkurrieren muss.
Demnächst, prohezeit Hammersley, werde das iPad dafür sorgen, dass der Wettbewerbsdruck weiter steigt. Dank des Formfaktors und des hervorragenden Displays konvergierten darauf alle Medien. Dann werde noch stärker als bisher gelten, dass Printmedien auch mit TV & Co. im Wettbewerb stehen.
Das tun sie natürlich schon heute. Aber mit dem iPad verhält es sich meiner Ansicht nach ein bisschen wie mit einem Jahrmarkt mit Dutzenden Attraktionen: Jedes mal, wenn der Konsument sein Tablet in die Hand nimmt, wird er sich die Frage stellen, ob er jetzt wirklich Zeitung lesen soll. Oder ob er nicht lieber Comics anschaut, Fernsehen guckt oder Baseballstatistiken wälzt. Das ist nämlich möglicherweise viel kurzweiliger, und nur einen Fingerwisch weit entfernt.
Von der “FAZ” zu RTL umzuswitchen, stellte bisher einen Medienbruch dar. Jetzt funktioniert der Wechsel ohne Unterbrechung. Hammersley formuliert es so:
“You have to make your content really really beautiful. Otherwise you are screwed.”
Wenn er recht hat (ich würde glauben: er hat), muss man sich als Printheini ein bisschen fürchten. Denn Zeitungen oder Newssites sind im besten Fall: klug, originell, überraschend, intellektuell stimulierend, informativ. Aber schön?
Die Nutzer nach Vorstellung der Verlage zudem nicht nur einen Teil ihrer begrenzten iPad-Facetime für digitale Zeitungen reservieren – sie sollen dafür auch noch ordentlich latzen. Wenn man bei gestiegener Konkurrenz also den gleichen bzw. einen noch höheren Preis durchdrücken will, was muss man dann machen?
Eigentlich einfach: Als Tablet-Content kommt nur richtig dicke Suppe in Frage. Denn für Maggi-Fix zahlt erstens keiner und zweitens will die dünne Suppe auch umsonst niemand, wenn der Tisch so opulent gedeckt ist.
Das ist interessant, den zumindest bei Onlinepublikationen ging der Trend in den vergangenen Jahren ganz klar in Richtung immer mehr Geschichten und damit immer mehr Klicks/Visits. Das war für den Nutzer erfreulich, denn er bekam ein umfassenderes, bunteres Nachrichtenangebot. Und “All the news that’s fit to print” ist darüber hinaus ja auch ein hehrer journalistischer Ansatz.
Aber in erster Linie standen hinter dieser Mehr-Logik natürlich steigende Anzeigenerlöse. Klicks ließen sich nach einer jahrelangen Durststrecke plötzlich monetarisieren. Das Phänomen ist aus dem
Printbereich bestens bekannt. Im Jahr 1999 hatte etwa die “Wirtschaftswoche” bis zu 400 Seiten. Die IT-Bibel “The Industry Standard” war damals so dick wie ein Telefonbuch.
Das hatte nichts damit zu tun, dass die Informationsnachfrage oder das Nachrichtenaufkommen gestiegen waren. Sondern schlichtweg damit, dass man irgendwie all die Anzeigen unterbringen musste, mit denen die Kunden die Verlage zupflasterten (ach, damals!).
Nach der gleichen Logik verfuhrendie meisten Onlineseiten während des Werbebooms der Jahre 2005-2008. Mehr Stories; mehr Bildergalerien; mehr mehr.
Wenn die Inhalte aber jetzt “beautiful” werden sollen, wenn die Suppe dicker werden muss, dann kann das ja eigentlich nicht so weiter gehen. Man darf vermuten, dass kaum ein Verlag wegen des iPad 50 zusätzliche Leute einstellt. Die einzige andere Möglichkeit wäre folglich, dass die bestehenden Redaktionen mit der gleich großen Mannschaft weniger, aber dafür schönere Geschichten produzieren. Die man wirklich lesen will. Für die man zu zahlen bereit ist.
Ob das passiert? Ob Weniger das neue Mehr ist? Das wird auf jeden Fall interessant.
I. If you are a bestselling star novelist, you do not need a publishing company between you and and your readers.
II. If you are brand new, arrogant and avantgarde, you do not want a a publishing company between you and and your readers.
III. Receiving thirty percent of a digital book’s cover price from Amazon feels like theft if you are a publisher.
IV. Receiving thirty percent of a book’s cover price from Amazon feels like a bonanza if you are an author.
V. If you are a reader, you do not care about authors and publishers, analog and digital. You care about good stories.
VI. The first print bastion to fall will not be book, but comic publishers.
VII. Agents und publisher’s long monopoly has convinced them they know what people want to read.
VIII. Agents and publishers do not have an inkling what people want to read.
IX. The length of books does not have anything to do with artistic decisions; it is merely a function of production logic.
X. The second golden age of pulp fiction short stories is upon us.
XI. Newspapers have a size advantage over computer screens; the only advantage books have over e-readers is battery life.
XII. When you can reduce the weight of “War & Peace” by 80 percent, you have got a winner.
XIII. When you can enable people to read “The Adventures Of A Slut” unnoticed in public, you have got a winner.
Note: Okay, I know that the internet is full of manifestos these days. While the idea of adressing issues about the future of media, journalism or the internet through apodictic Moses-style prose seems to be very popular, it also can be extremely preposterous and leaves a lot to be desired; but when you think about what e-readers will do to books (as I have been frequently in the last couple of months) you realize that apart from specific business-model and technology considerations, there are quite a few very fundamental truths (okay, probably too big a word) about the impending book revolution that one might consider to be axiomatic – manifestoish stuff, sort of.
That is to say we do know a few constituting elements of the revolution to come, but not the ramifications – they are known unknowns and unknown knowns in the Rumsfeldian sense. Flatly predicting that the book as we know it will be dead in 10, 20 or 50 years is lacking in humility in my opinion, as is telling publishers precisely what they ought to do. I all sounds too much like another swankypants manifesto to me. So let’s call the above statements observations, not commandments or truths. I hope you have fun with them.
Keiner weiß es – aber der schwedische Verlag Bonnier und die Designer von BERG haben sich einige Gedanken gemacht und dazu ein Video erstellt.
Via paidContent
Journalisten haben eine hehre Aufgabe. Sie sollen Politikern auf den Zahn fühlen und beherzt bohren. Sie sollen Licht ins Dunkel bringen, auch in die Zwischenräume schauen, damit bisher unentdeckte Fälle von Fäulnis ans Licht kommen. Aber dabei sollen sie stets konstruktiv arbeiten und auch Brücken schlagen.
Wer das alles leistet, der hat fürwahr Anerkennung verdient. Zum Glück gibt dafür jetzt den passenden Journalistenpreis: Den “Abdruck 2010″.
Hier der zugehörige Pressetext:
ProDente Journalistenpreis “Abdruck 2010″: Zähne im Blickpunkt der Öffentlichkeit
proDente zeichnet Pressebeiträge zur Zahnmedizin und Zahntechnik aus
Bereits zum fünften Mal schreibt die Initiative proDente e.V. in 2010 den Journalistenpreis „Abdruck“ für besonderes Engagement in den Themen Zahnmedizin, bzw. Zahntechnik aus. Herausragende journalistische Arbeiten, die in 2009 zahnmedizinische und zahntechnische Themen einer breiten Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich machen sollen hier geehrt werden.
Zugelassen sind alle journalistischen Stilformen wie Reportage, Feature, Hintergrundbericht.
Hmmm, ein schönes Feature über Prämolare, so etwas wollte ich schon immer mal schreiben. Oder vielleicht doch lieber eine Strähnchenreportage, mit der ich beim “Bob”, dem Journalistenpreis für die anspruchsvolle Berichterstattung über Friseurdienstleistungen abräumen kann? Schwierige Entscheidung.






