Skip to content

Posts from the ‘Journalismus’ Category

“Abendzeitung” veranstaltet Gewinnspiel für Contentproduzenten

Mai 14th, 2013

Tom

Dass Journalismus in Zeiten immer weiter schrumpfender Budgets und immer lachhafterer Zeilenhonorare immer weniger Spaß macht, hat sich bereits herumgesprochen. Immer wieder überraschend ist hingegen, auf welche bizarre Art vor allem Lokalzeitungen inzwischen an kostenlosen Content zu kommen versuchen.

Neulich fielen die “Ruhr Nachrichten” unangenehm auf, als sie über einen Aufruf Amateurschreiber suchten, die “sich ein paar Euro dazu verdienen“ wollten. Fachliche Kenntnisse oder Erfahrung, so hieß es weiter, seien Nebensache – es zähle vor allem das “journalistische Interesse“.

Das Modell “Amateure für einen Hungerlohn ausbeuten“ klingt endmies, aber natürlich kann man auch dieses Niveau problemlos untertunneln. Das probiert gerade die Münchener “Abendzeitung”, die auf ihren Verkaufsboxen mit folgender Anzeige um Texte und Fotos bittet:

IMG_6530

Wenn ich das richtig verstehe möchte die „Abenzeitung“ Texte über lokale Geschehnisse in Schwabing oder Haidhausen von den jeweiligen Urhebern für umme haben. Man kann sich hier also, anders als bei der Qualitätspublikation von der Ruhr, nicht einmal mehr “ein paar Euro dazuverdienen”. Damit der AZ niemand Abzocke vorwerfen kann, lobt sie dieses Gewinnsspiel aus – eine Journalismus-Lotterie gewissermaßen.

 

flattr this!

Das hast Du davon, Bundestagspräsident

Dezember 6th, 2012

Tom

 

Ich bin gegen das Leistungsschutzrecht und glaube, dass die wirksamste Methode, es noch zu kippen, das Aufbauen massiven Drucks auf die Abgeordneten des eigenen Wahlkreises ist. In den USA oder Großbritannien ist so etwas üblich, in Deutschland machen wir das viel zu selten.

Den Anstoß, meinen Abgeordneten einen Brief zu schreiben war nicht, dass Google hier eine Liste der Anschriften aller MdBs nach Wahlkreis aufgelistet hat; sondern der Umstand, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert eben diesen Schritt in einem Interview als “dreist” bezeichnet hat.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der Vorsteher unseres Parlaments, der Mann, der das zweithöchste Amt im Staate inne hat, regt sich darüber auf, dass jetzt möglicherweise ganz viele Wähler ihren Abgeordneten die Meinung sagen, weil sie jemand (Google) darauf hingewiesen hat, dass dies erstens erlaubt und zweitens einfach möglich ist.

Diese Haltung offenbart eine ganze Menge, unter anderem wunderliches Demokratieveständnis, Nichtqualifikation für das ausgeübte Amt und den Umstand, dass Herr Lammert dringend einen  Kommunikationsberater braucht.

Jetzt also erst Recht. Sie, Herr Parlamentspräsident, schreiben mir nicht vor, ob und wie ich mit meinen gewählten Vertretern reden darf. Hier der Brief, den ich heute an die MdBs Uhl und Volk (München-West) geschrieben habe:

——————
From: Tom Hillenbrand
Date: 2012/12/6

Subject: Bitte stimmen Sie gegen Leistungsschutzrecht

To: daniel.volk@bundestag.de, hans-peter.uhl@bundestag.de

 

Sehr geehrter Herr Dr. Uhl, sehr geehrter Herr Dr. Volk,

als Bundestagsabgeordnete meines Wahlkreises wende ich mich an Sie, um Sie dringend zu bitten, gegen das von der Koalition geplante Leistungsschutzrecht (LSR) zu stimmen. Das LSR in der geplanten Form würde meines Erachtens die Informationsvielfalt und -freiheit im Netz erheblich einschränken.

Das Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht urteilt über das LSR in einer Stellungnahme folgendermaßen:

“Gesamthaft betrachtet scheint der Regierungsentwurf nicht durchdacht. Er lässt sich auch durch kein sachliches Argument rechtfertigen. Dass er überhaupt vorgelegt wurde, erstaunt schon aufgrund der Tatsache, dass bereits in einer Anhörung des Bundesministeriums der Justiz vom 28. Juni 2010 ein solches Schutzrecht praktisch einhellig abgelehnt wurde.”

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Als vom Bürger gewählte Abgeordnete sind Sie allein Ihrem Gewissen und Ihren politischen Überzeugungen verpflichtet – und nicht der Koalitionsdisziplin. Können Sie wirklich reinen Herzens für ein Gesetz stimmen, dass

  •  nach Meinung der Mehrheit der Fachleute schlecht gemacht ist und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkkeit vor dem BVerfG landen wird;
  •  gravierende Eingriffe in die Meinungs- und Informationsfreiheit zufolge hätte
  •  durch De-Facto-Verlinkungsverbote das Netz und damit den Standort Deutschland schädigt
  •  ausschließlich auf Druck einer Interessengruppe zustande gekommen ist.

Bei mir als Wähler entsteht, wie in der Vergangenheit bereits bei der Energiepolitik, der Hotelbesteuerung und weiteren Politikbereichen der Eindruck, dass die Koalition erschreckend empfänglich für die Einflüsterungen einzelner Interessengruppen ist.

In diesem speziellen Fall steht zudem der ungeheuerliche, aber leider nicht ganz unplausibel erscheinende Vorwurf des Nepotismus im Raum: Dass der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Eckart von Klaeden, ganz zufällig der Bruder von Dietrich von Klaeden ist, der beim Axel-Springer-Verlag den Bereich Public Affairs (vulgo Regierungslobbying) betreut, hat ein ziemliches Geschmäckle.

Aus all diese Gründen bitte ich Sie, das LSR abzulehnen und Ihren Einfluss in Ihren Fraktionen geltend zu machen, damit auch andere Abgeordnete gegen das LSR stimmen. Ich werde nach der Abstimmung überprüfen, wie sie gestimmt haben und meine Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl 2013 entsprechend treffen.

Freundliche Grüße,

Tom Hillenbrand

flattr this!

Kopf 101

April 6th, 2012

Tom

Das “Handelsblatt hatte, wie zu lesen ist, diese Woche Was-mit-Medien-Typen zu Gastkommentaren aufgefordert. Zitat aus der HB-Email:

“Unter der Überschrift “Mein Kopf gehört mir” startet das Handelsblatt eine Aktion mit dem Ziel, das geistige Eigentum gegen die umsonst-Kultur und ihre Fürsprecher zu verteidigen. Wobei verteidigen vor allem Aufklären bedeutet. Wenn Sie mögen können Sie sich daran beteiligen. Ihr Wort hat Gewicht. Ihr Statement kann zwischen 2 und 10 Saetzen umfassen.”

Können wir machen. Also bitteschön:

Meine Kolumnen, Essays und Krimis sind das Ergebnis harter Arbeit – meiner Arbeit. Ich will nicht enteignet werden! Nicht von gierigen Medienkonzernen, die für eine Handvoll Euro sämtliche Verwertungsrechte von mir fordern und freie Autoren bis aufs Mark auspressen. Nicht von Buchhandelsketten, die Literatur als risikolose Kommissionsware betrachten und dennoch die Hälfte des Verkaufspreises für sich beanspruchen.

Die Nutzer sollen das Problem sein? So ein Unsinn. Sicher gibt es ein paar Konsumenten, die vorsätzlich und böswillig geschützte Inhalte klauen – und ein paar wirre Politiker, die so etwas verteidigen. Solche Knalltüten gibt es überall, doch die meisten Nutzer sind ehrlich und zahlen für Inhalte (wenn man es ihnen nicht zu schwer macht).

Dass nicht mehr Menschen für digitalen Content zahlen, ist nicht Nutzerversagen, sondern vor allem Verlagsmanagerversagen. Der Nutzer ist der Freund des Künstlers. Diejenigen, vor denen wir uns hüten müssen, das sind die Raffzähne bei den großen Medienkonzernen. Denen sind Kunst, Qualität, Urheber und Nutzer gleichermaßen egal, die interessiert nur ihr Profit.

P.S. Überschrift müsste besser heißen: Kopf 27. Der Titel der Aktion “Mein Kopf gehört mir” legt nahe, dass das Vorbild der berühmte Stern-Titel “Mein Bauch gehört mir ist”, auf dem §218-Gegnerinnen abgebildet waren. Der Umstand, dass das HB keinen Titel mit dieser Optik hat, spricht Bände.

flattr this!

Leistungsschutzrecht: The Candlemakers Reloaded

März 7th, 2012

Tom

Angesichts der Debatte um das unlogische, inkohärente und von völlig falschen Voraussetzungen ausgehende Leistungsschutzrecht, mit dem einige Verlage ihr eigenes ökonomisches Versagen zu kaschieren versuchen, würde ich gerne an einen Text erinnern, der schon recht alt ist, aber alles zu dem Thema sagt, was gesagt werden muss.

Es handelt sich um die “Petition der Kerzenmacher” des französichen Ökonomen Frédéric Bastiat von 1845. In ihr fordern die Produzenten von Lampen und Lichterzeugnissen die Regierung auf, ihnen ihren ärgsten Konkurrenten vom Halse zu schaffen – nämlich die Sonne:

Wir fordern, Sie mögen ein Gesetz erlassen, das das Schließen aller Fenster, Bodenluken, Dachfenster, Fensterläden, Läden, Vorhänge, Schiebefenster, Bullaugen, Markisen vorschreibt – mit einem Wort, aller Öffnungen, Löcher, Spalten und Ritzen durch die das Licht der Sonne üblicherweise in die Häuser dringt, zum Nachteil der schönen Industrien, mit denen wir uns schmeicheln, das Land beschenkt zu haben, das doch undankbar wäre, wenn es uns heute in einem so ungleichen Kampf im Stich lassen wollte.

Dies, so argumentieren sie, sei schließlich zu aller Vorteil:

Welche Industrie Frankreichs würde nicht nach und nach dadurch gefördert werden? Wenn mehr Talg verbraucht wird, braucht man mehr Rinder und Schafe, und in Folge wird man künstliche Weiden, Fleisch, Wolle und vor allem Getreide, diese Basis alles landwirtschaftlichen Reichtums, sich vermehren sehen. Wenn mehr Öl verbraucht wird, sieht man sich Anbau von Mohn, Oliven, Raps ausbreiten. Diese reichhaltigen und anspruchsvollen Pflanzen werden mit der Zeit die Fruchtbarkeit des Bodens, die die Aufzucht von Tieren mit sich bringt, nutzbar machen.

Ähnlichkeiten zu Medienkonzernen, die das Internet aussperren möchten, sind nicht zufällig. Den gesamten Text in Deutsch gibt es hier. Und zum Anhören (Englisch) gibt es ihn hier.

flattr this!

Leistungsschutzrecht: Ich bin reich. Reich!

März 5th, 2012

Tom

Heute ist ein guter Tag. Warum? Weil ich stinkend reich werde. Nicht durch meine Krimis, auch nicht durch meine journalistische Arbeit – beides brotlose Kunst. Sondern wegen diesem neuen Leistungsschutzrecht.

Diesem Post entnehme ich mit großer Genugtuung, dass in dem Koalitionsbeschluss dazu folgendes steht:

“Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen.”

Ein Presserzeugnis ist, davon darf man ausgehen, ein von Pressevertretern erstellter Inhalt. Pressevertreter? Das bin ja ich! Ergo sind netzfundbuero.de, beratersprech.de, medienzeitmaschine.de sowie meine anderen Seiten klar als Presseerzeugnisse zu werten. Ergo müssen mir “Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren” fortan Geld zahlen, für die “Verbreitung” meiner Inhalte.

Jahrelang erfrechte sich Google, mir Zehntausende Klicks auf den Server zu spülen, ohne dafür zu latzen. Damit ist jetzt Gottseidank Schluss.

Blogpost erscheint bei Google News (News-Aggregator)? Kaching!

Oder ist bei Bing auffindbar (Suchmaschine)? Kaching!

Beratersprech-Quote bei Twitter oder Facebook (zweifelsohne News-Aggregatoren)? Kaching!

Meine Hände sind vom vielen Aneinanderreiben schon ganz heiß. Jetzt mag man einwenden, da stünde, das Geld werde nur an Verlage gezahlt und nicht an Autoren. Aber wenn es für Verlage Kohle gibt, dann bin ich übermorgen einer. Die Netzfundbuero Verlags GmbH wirft schon ihren Schatten voraus.

Kennt jemand einen guten Medienanwalt? Ich glaube, das wird ein Riesenspaß.

 

 

flattr this!

Steve Jobs’ Wertesystem: Der i-Philosoph

Oktober 8th, 2011

Tom

Er hat geniale Geräte gebaut, Design-Ikonen geschaffen, die Musikindustrie umgekrempelt – ja, sicher. Doch Steve Jobs’ wahres Vermächtnis liegt woanders: Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph unserer Zeit.

Vor allem seine Stanford-Rede ist ein Manifest, sie enthält so ziemlich alles, was man über das Leben wissen muss. Wer sich manchmal fragt, ob er eigentlich in die richtige Richtung läuft, der sollte sie sich anhören. 15 Minuten geballte praktische Philosophie sind das, die gesamte Lebensweisheit des Steve Jobs. Erklärt in jener einfachen und eindringlichen Sprache, die eine seiner größten Gaben war.

Zum Artikel bei SPON.

flattr this!

Zwölf wunderliche Fakten über Journalistenpreise

Juli 27th, 2011

Tom

Journalistenpreise: Wichtige Ehrungen, die den Fortbestand des deutschen Qualitätsjournalismus sichern – oder institutionalisierte Scrotumschaukelei selbstverliebter Medienfuzzis?

Weiß ich jetzt auch nicht. Ich finde sie aber auf jeden Fall unterhaltsam, vor allem ihre Teilnahmebedingungen. Damit Ihr auch etwas davon habt, kommen hier zwölf Fakten über Journalistenpreise, die Ihr bisher nicht kanntet (und ohne die Ihr bisher ganz gut ausgekommen seid):

Beim Marion-Dönhoff-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung dürfen sich Onlinejournalisten nur dann bewerben, wenn ihr Portal auch ein Offline-Pendant besitzt.

Der vom Industrieverband Friseurbedarf ausgelobte Journalistenpreis heißt Bob.

Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten akzeptierte bis 2010 Onlineartikel nur dann, wenn diese kostenlos zugänglich waren.

Der Preis des Zahnmedizinerverbands Prodente heißt Abdruck.

Beim Arrabiata-Preis wird der beste erste Satz prämiert. Der Gewinner bekommt drei Teller Penne all’arrabbiata in Hamburg sowie als Nachspeise eine Crème Brûlée in Paris.

Beim Henri-Nannen-Preis dürfen Journalisten maximal zwei Beiträge einreichen. Ausnahme: Wenn es sich um lustige Texte  handelt, sind fünf erlaubt.

Beim Wahrheit-Preis der taz geht es darum, einen vorgegebenen Satz in ein Qualitätsmedium zu schmuggeln. 2010 hieß der Satz: “”Der Tango macht den Gaucho heiß, wie jedes Rind der Pampa weiß.”

Autorenteams müssen beim Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik stets zwei Arbeitsproben einreichen. An beiden muss exakt die gleiche Autorenkonstellation beteiligt sein.

Das wohl spitzeste Thema hat der Journalistenpreis Fit for Food: Den inhaltlichen Schwerpunkt der Texte “sollte, neben Laktose- oder Fructose-Unverträglichkeit, die Oligosaccharid-Intoleranz bilden.”

Der von den IHK ausgelobte Ernst-Schneider-Preis hat eine Innovationskategorie, die neue Vermittlungsformen von Wirtschaft prämiert. Onlineformate sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Der Dr. Georg Schreiber-Medienpreis der AOK Bayern akzeptiert in seiner Hauptkategorie keine Onlineartikel.

Der Deutsche Journalistenpreis Wirtschaft | Börse | Finanzen (djp) akzeptiert sehr wohl Onlineartikel, aber keine aus TV oder Radio.

Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.

Im Bild: Verleihung des Journalistenpreis der Österr. Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels (2011)

Disclaimer: Der Autor hat noch nie einen der o.g. Preise gewonnen, sich aber bei dem einen oder anderen redlich bemüht.

flattr this!

DieRedaktion.de wirbt mit PR-Berater

März 11th, 2011

Tom

Die Deutsche Post hat gerade eine Plattform für Textverkäufe eröffnet. Sie heißt DieRedaktion.de und ist laut Pressemitteilung ein “Online-Marktplatz für Qualitätsjournalismus”. Seltsam erscheint mir, dass gerade die Post solch ein Portal aufzieht.

Noch seltsamer finde ich, dass in der PM auch davon die Rede ist, Corporate Publishing-Dienstleister, also von Unternehmen für ihre Schalmeien bezahlte Agenturen, würden auf der Plattform ebenfalls Texte einstellen. (Das fiel zuerst Freischreiber.de auf)

Wenn DieRedaktion wirklich eine Plattform für Qualitätsjournalismus wäre, müsste sie eigentlich darauf achten, dass es nicht zu einer Vermischung von PR und Journalimus kommt. Wie unsensibel der Konzern bei diesem Thema jedoch zu sein scheint, zeigt das Testimonial, mit dem DieRedaktion seit Tagen auf ihrer Seite und in Mediendiensten wie Turi2 wirbt:

Der hier abgebildete Herr ist laut Bildtext” Journalist”. Er heißt Sven Hansel und ist laut seinem Xing-Profil tatsächlich Journalist – und außerdem PR-Berater. Er bietet u.a. “Krisen -PR” und “PR-Strategien” an.

Jetzt darf ja jeder machen, was er will, und vielleicht kann man seine PR-Tätigkeit von seiner journalistischen abgrenzen (wobei ich da persönlich skeptisch bin). Hansel muss man zugute halten, dass er sich vollkommen transparent verhält. “Ob man das in der Anzeige hätte kenntlich machen müssen, weiß ich nicht. Ich mache jedenfalls aus meinem Portfolio kein Geheimnis, wie Sie (und jeder, den es interessiert) es ja auch meinem XING-Profil entnehmen können”, schrieb er auf meine Anfrage.

Aber was Herr Hansel tut oder nicht tut, ist ja eigentlich auch wurscht. Der Punkt ist: Wenn sich die Post gerade so jemanden als Testimonial aussucht, dann spricht das Bände über ihr Qualitätsverständnis. Die Deutsche Post hat bisher noch nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

Die Post hat mir inzwischen eine Stellungnahme geschickt.

Die Redaktion sei “eine Plattform im Internet für Inhalte, die Journalisten erstellen. Die Deutsche Post hat dies in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) entwickelt. Auch Unternehmen und Verbänden bietet sie Zugang zu professionellen Beiträgen für die interne und externe Kommunikation sowie die Gelegenheit, Aufträge für Artikel individuell einzustellen. Die Deutsche Post bietet den Zielgruppen der Plattform lediglich die technische Infrastruktur in Gestalt eines virtuellen Marktplatzes. Eine Einflussnahme im Zusammenhang mit angebotenen Beiträgen und ausgeschriebenen Aufträgen findet nicht statt. Da Sven Hansel auch als freiberuflicher Journalist tätig ist, sehen wir in der Veröffentlichung seines Testimonials auf der Plattform keinen Widerspruch.

Nachtrag: Der DJV erklärt auf Anfrage, er sei kein Koop-Partner der Post. Tester des DJV hätten DieRedaktion.de jedoch vorab geprüft (und offenbar für gut befunden). Die Vermischung von Journalismus und PR liege jedoch im Verantwortungsbereich des Betreibers, also der Post.

flattr this!

Wie Facebook meinen Firmennamen kaperte

Dezember 1st, 2010

Tom

Gestern hatte ich einen Facebook-Moment. Ich mag das Netzwerk, eigentlich, aber mit Facebook-Moment meine ich nichts Positives. Sondern jene Augenblicke, in denen man merkt, dass einem die Kontrolle über die eigenen Informationen wieder ein bisschen mehr entgleitet. In denen man etwas tut, das man eigentlich gar nicht tun wollte. Wegen Facebook.

In diesem Fall geht es um meine in Gründung befindliche kleine Artikelschmiede, das Textfundbüro. Weil ich bereits viel zu viele Webseiten, Twitter-Accounts und Facebook Pages unterhalte oder administriere, hatte ich mich ganz bewusst dafür entschieden, dass es diesen ganzen Quatsch beim Textfundbüro vorerst nicht geben wird.

Kein Social Media, kein SEO, keine Statusupdates. Stattdessen Visitenkarten aus Papier, eine Telefonnummer und (hoffentlich) ausgeschlafene, schöne Artikel. Sei mal kontrazyklisch, dachte ich mir. Focus on the product. Dieser ganze Quatsch, das lenkt dich nur ab.

Dann beging ich den dämlichen Fehler, Mark Zuckerberg von der Sache zu erzählen.

Das meine ich natürlich im übertragenen Sinne. Ich trug in meinem Facebook-Profil den Namen meiner neuen Firma ein. Ich dachte nicht groß darüber nach, ich tat es einfach, doofer Formularausfüllzombie, der ich manchmal bin.

Zwei Stunden später sah ich, dass mein Freund O. das Textfundbüro auf Facebook geliked hatte. Ich klickte auf den Link. Der führte zu einer Facebook-Page. Ich war verdutzt. Wieso hat mein Journalistenbüro eine Facebook-Page? Habe ich die angelegt?

Jein. Die wird bei der Eingabe eines neuen “Arbeitgebers” im Facebook-Profil offenbar automatisch generiert, sofern die Firma noch nicht in der Datenbank ist.

Facebook-Admin

Da schwirrte sie also plötzlich durchs Netz, die ungewollte Fanseite meiner neuen Marke – hässlich, herrenlos, leer, unadministriert. Rasch beantragte ich die Adminrechte für das Textfundbüro – bevor es jemand anders tut.

Dafür musste ich ein Formular ausfüllen und Facebook gegenüber erklären, dass ich, der Inhaber des Textfundbüros, dazu autorisiert bin, das Textfundbüro zu vertreten. An Eides Statt.

Das ist doch Scheiße. Wieso sitze ich hier vor meinem Rechner und muss irgendwelchen Typen in Kalifornien darlegen, dass ich die Seite meiner eigenen Firma, die ohne meine Wissen (oder meinetwegen: aufgrund meines Unwissens) automatisch angelegt wurde, verwalten und hoffentlich bald wieder löschen darf (so wahr mir Gott helfe)?

Facebook-Admin
Facebook-Admin

Dienstag, 02.12.10, 16.15 Uhr – Nach der abgeschlossenen Eingabe beim Amt für soziale Vernetzung (i.e. Facebook) warte ich darauf, dass Facebook mir die Adminrechte für das Textfundbüro gnädigerweise gestattet.

Dienstag, 02.12.10, 16.28 Uhr – Ich habe nun ein Email erhalten, via enthaltenem Link meine Emailadresse bestätigt und harre fürderhin der weiteren Prüfung meines Antrags.

Dienstag, 29.03.11 – The Zucks Mühlen mahlen langsam, aber: Heute, vier Monate nach meiner Anfrage, hat Facebook mir eine Antwort auf meine Admin-Anfrage geschickt. Am Wording kann man erahnen, dass sich da jemand sehr gründlich mit der Sache befasst hat:

Unfortunately, after further review, you did not meet the requirements to take over the Page in question. At this time we will not be able to provide you admin rights to this Page. We apologize for any inconvenience this may cause.

For more information about this feature, as well as answers to frequently asked questions, please visit Facebook’s Help Center by clicking the link below:

http://www.facebook.com/help/?page=175

flattr this!

Dokumentation “Nur ein Spiel”

November 19th, 2010

Tom

Ausnahmsweise mal kein Sensationsbericht, keine Killerspielanalogien, keine Okkultismusvorwürfe – stattdessen eine sehr nüchterne, gut gemachte Dokumentation zur Frage, was Fantasy-Rollenspiele sind – untergliedert in LARP, Tischrollenspiel, Computerrollenspiel und MMO.

flattr this!

  • RSS
  • Newsletter
  • Twitter
  • Google+
  • Facebook
  • LinkedIn
  • Goodreads
  • Tumblr