Er hat geniale Geräte gebaut, Design-Ikonen geschaffen, die Musikindustrie umgekrempelt – ja, sicher. Doch Steve Jobs’ wahres Vermächtnis liegt woanders: Der Kalifornier war der größte praktische Philosoph unserer Zeit.
Vor allem seine Stanford-Rede ist ein Manifest, sie enthält so ziemlich alles, was man über das Leben wissen muss. Wer sich manchmal fragt, ob er eigentlich in die richtige Richtung läuft, der sollte sie sich anhören. 15 Minuten geballte praktische Philosophie sind das, die gesamte Lebensweisheit des Steve Jobs. Erklärt in jener einfachen und eindringlichen Sprache, die eine seiner größten Gaben war.
Journalistenpreise: Wichtige Ehrungen, die den Fortbestand des deutschen Qualitätsjournalismus sichern – oder institutionalisierte Scrotumschaukelei selbstverliebter Medienfuzzis?
Weiß ich jetzt auch nicht. Ich finde sie aber auf jeden Fall unterhaltsam, vor allem ihre Teilnahmebedingungen. Damit Ihr auch etwas davon habt, kommen hier zwölf Fakten über Journalistenpreise, die Ihr bisher nicht kanntet (und ohne die Ihr bisher ganz gut ausgekommen seid):
Beim Marion-Dönhoff-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung dürfen sich Onlinejournalisten nur dann bewerben, wenn ihr Portal auch ein Offline-Pendant besitzt.
Der vom Industrieverband Friseurbedarf ausgelobte Journalistenpreis heißt Bob.
Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten akzeptierte bis 2010 Onlineartikel nur dann, wenn diese kostenlos zugänglich waren.
Der Preis des Zahnmedizinerverbands Prodente heißt Abdruck.
Beim Arrabiata-Preis wird der beste erste Satz prämiert. Der Gewinner bekommt drei Teller Penne all’arrabbiata in Hamburg sowie als Nachspeise eine Crème Brûlée in Paris.
Beim Henri-Nannen-Preis dürfen Journalisten maximal zwei Beiträge einreichen. Ausnahme: Wenn es sich um lustige Texte handelt, sind fünf erlaubt.
Beim Wahrheit-Preis der taz geht es darum, einen vorgegebenen Satz in ein Qualitätsmedium zu schmuggeln. 2010 hieß der Satz: “”Der Tango macht den Gaucho heiß, wie jedes Rind der Pampa weiß.”
Autorenteams müssen beim Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik stets zwei Arbeitsproben einreichen. An beiden muss exakt die gleiche Autorenkonstellation beteiligt sein.
Das wohl spitzeste Thema hat der Journalistenpreis Fit for Food: Den inhaltlichen Schwerpunkt der Texte “sollte, neben Laktose- oder Fructose-Unverträglichkeit, die Oligosaccharid-Intoleranz bilden.”
Der von den IHK ausgelobte Ernst-Schneider-Preis hat eine Innovationskategorie, die neue Vermittlungsformen von Wirtschaft prämiert. Onlineformate sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Der Dr. Georg Schreiber-Medienpreis der AOK Bayern akzeptiert in seiner Hauptkategorie keine Onlineartikel.
Der Deutsche Journalistenpreis Wirtschaft | Börse | Finanzen (djp) akzeptiert sehr wohl Onlineartikel, aber keine aus TV oder Radio.
Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.
Im Bild: Verleihung des Journalistenpreis der Österr. Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels (2011)
Disclaimer: Der Autor hat noch nie einen der o.g. Preise gewonnen, sich aber bei dem einen oder anderen redlich bemüht.
Die Deutsche Post hat gerade eine Plattform für Textverkäufe eröffnet. Sie heißt DieRedaktion.de und ist laut Pressemitteilung ein “Online-Marktplatz für Qualitätsjournalismus”. Seltsam erscheint mir, dass gerade die Post solch ein Portal aufzieht.
Noch seltsamer finde ich, dass in der PM auch davon die Rede ist, Corporate Publishing-Dienstleister, also von Unternehmen für ihre Schalmeien bezahlte Agenturen, würden auf der Plattform ebenfalls Texte einstellen. (Das fiel zuerst Freischreiber.de auf)
Wenn DieRedaktion wirklich eine Plattform für Qualitätsjournalismus wäre, müsste sie eigentlich darauf achten, dass es nicht zu einer Vermischung von PR und Journalimus kommt. Wie unsensibel der Konzern bei diesem Thema jedoch zu sein scheint, zeigt das Testimonial, mit dem DieRedaktion seit Tagen auf ihrer Seite und in Mediendiensten wie Turi2 wirbt:
Der hier abgebildete Herr ist laut Bildtext” Journalist”. Er heißt Sven Hansel und ist laut seinem Xing-Profil tatsächlich Journalist – und außerdem PR-Berater. Er bietet u.a. “Krisen -PR” und “PR-Strategien” an.
Jetzt darf ja jeder machen, was er will, und vielleicht kann man seine PR-Tätigkeit von seiner journalistischen abgrenzen (wobei ich da persönlich skeptisch bin). Hansel muss man zugute halten, dass er sich vollkommen transparent verhält. “Ob man das in der Anzeige hätte kenntlich machen müssen, weiß ich nicht. Ich mache jedenfalls aus meinem Portfolio kein Geheimnis, wie Sie (und jeder, den es interessiert) es ja auch meinem XING-Profil entnehmen können”, schrieb er auf meine Anfrage.
Aber was Herr Hansel tut oder nicht tut, ist ja eigentlich auch wurscht. Der Punkt ist: Wenn sich die Post gerade so jemanden als Testimonial aussucht, dann spricht das Bände über ihr Qualitätsverständnis. Die Deutsche Post hat bisher noch nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.
Die Post hat mir inzwischen eine Stellungnahme geschickt.
Die Redaktion sei “eine Plattform im Internet für Inhalte, die Journalisten erstellen. Die Deutsche Post hat dies in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) entwickelt. Auch Unternehmen und Verbänden bietet sie Zugang zu professionellen Beiträgen für die interne und externe Kommunikation sowie die Gelegenheit, Aufträge für Artikel individuell einzustellen. Die Deutsche Post bietet den Zielgruppen der Plattform lediglich die technische Infrastruktur in Gestalt eines virtuellen Marktplatzes. Eine Einflussnahme im Zusammenhang mit angebotenen Beiträgen und ausgeschriebenen Aufträgen findet nicht statt. Da Sven Hansel auch als freiberuflicher Journalist tätig ist, sehen wir in der Veröffentlichung seines Testimonials auf der Plattform keinen Widerspruch.
Nachtrag: Der DJV erklärt auf Anfrage, er sei kein Koop-Partner der Post. Tester des DJV hätten DieRedaktion.de jedoch vorab geprüft (und offenbar für gut befunden). Die Vermischung von Journalismus und PR liege jedoch im Verantwortungsbereich des Betreibers, also der Post.

Gestern hatte ich einen Facebook-Moment. Ich mag das Netzwerk, eigentlich, aber mit Facebook-Moment meine ich nichts Positives. Sondern jene Augenblicke, in denen man merkt, dass einem die Kontrolle über die eigenen Informationen wieder ein bisschen mehr entgleitet. In denen man etwas tut, das man eigentlich gar nicht tun wollte. Wegen Facebook.
In diesem Fall geht es um meine in Gründung befindliche kleine Artikelschmiede, das Textfundbüro. Weil ich bereits viel zu viele Webseiten, Twitter-Accounts und Facebook Pages unterhalte oder administriere, hatte ich mich ganz bewusst dafür entschieden, dass es diesen ganzen Quatsch beim Textfundbüro vorerst nicht geben wird.
Kein Social Media, kein SEO, keine Statusupdates. Stattdessen Visitenkarten aus Papier, eine Telefonnummer und (hoffentlich) ausgeschlafene, schöne Artikel. Sei mal kontrazyklisch, dachte ich mir. Focus on the product. Dieser ganze Quatsch, das lenkt dich nur ab.
Dann beging ich den dämlichen Fehler, Mark Zuckerberg von der Sache zu erzählen.
Das meine ich natürlich im übertragenen Sinne. Ich trug in meinem Facebook-Profil den Namen meiner neuen Firma ein. Ich dachte nicht groß darüber nach, ich tat es einfach, doofer Formularausfüllzombie, der ich manchmal bin.
Zwei Stunden später sah ich, dass mein Freund O. das Textfundbüro auf Facebook geliked hatte. Ich klickte auf den Link. Der führte zu einer Facebook-Page. Ich war verdutzt. Wieso hat mein Journalistenbüro eine Facebook-Page? Habe ich die angelegt?
Jein. Die wird bei der Eingabe eines neuen “Arbeitgebers” im Facebook-Profil offenbar automatisch generiert, sofern die Firma noch nicht in der Datenbank ist.
Da schwirrte sie also plötzlich durchs Netz, die ungewollte Fanseite meiner neuen Marke – hässlich, herrenlos, leer, unadministriert. Rasch beantragte ich die Adminrechte für das Textfundbüro – bevor es jemand anders tut.
Dafür musste ich ein Formular ausfüllen und Facebook gegenüber erklären, dass ich, der Inhaber des Textfundbüros, dazu autorisiert bin, das Textfundbüro zu vertreten. An Eides Statt.
Das ist doch Scheiße. Wieso sitze ich hier vor meinem Rechner und muss irgendwelchen Typen in Kalifornien darlegen, dass ich die Seite meiner eigenen Firma, die ohne meine Wissen (oder meinetwegen: aufgrund meines Unwissens) automatisch angelegt wurde, verwalten und hoffentlich bald wieder löschen darf (so wahr mir Gott helfe)?
Dienstag, 02.12.10, 16.15 Uhr – Nach der abgeschlossenen Eingabe beim Amt für soziale Vernetzung (i.e. Facebook) warte ich darauf, dass Facebook mir die Adminrechte für das Textfundbüro gnädigerweise gestattet.
Dienstag, 02.12.10, 16.28 Uhr – Ich habe nun ein Email erhalten, via enthaltenem Link meine Emailadresse bestätigt und harre fürderhin der weiteren Prüfung meines Antrags.
Dienstag, 29.03.11 – The Zucks Mühlen mahlen langsam, aber: Heute, vier Monate nach meiner Anfrage, hat Facebook mir eine Antwort auf meine Admin-Anfrage geschickt. Am Wording kann man erahnen, dass sich da jemand sehr gründlich mit der Sache befasst hat:
Unfortunately, after further review, you did not meet the requirements to take over the Page in question. At this time we will not be able to provide you admin rights to this Page. We apologize for any inconvenience this may cause.
For more information about this feature, as well as answers to frequently asked questions, please visit Facebook’s Help Center by clicking the link below:
http://www.facebook.com/help/?page=175
Ausnahmsweise mal kein Sensationsbericht, keine Killerspielanalogien, keine Okkultismusvorwürfe – stattdessen eine sehr nüchterne, gut gemachte Dokumentation zur Frage, was Fantasy-Rollenspiele sind – untergliedert in LARP, Tischrollenspiel, Computerrollenspiel und MMO.
Für die iPad-App des SPIEGEL werden jede Woche zahlreiche exklusive Features produziert – eines davon war die Infografik “Die Griechenland -Krise” von Roman Höfner, Jens Radü und mir (Ausgabe Nr. 24).
Vorbild für das Video war diese meines Erachtens geniale animierte Infografik zur US-Finanzkrise:
Als ich mir unser Video dann auf dem Apple iPad angeschaut habe, habe ich mich allerdings gefragt: Müssen wir in Zukunft Infografiken anbieten, die sich nicht nur bewegen, sondern die sich vielleicht sogar bewegen lassen? Würde der Leser den Griechen und die Investoren vielleicht gerne selber auf dem Touchscreen herumschubsen?
Technisch ist das (mit erheblichem Aufwand) machbar, journalistisch erscheint es mir reizvoll – aber ist das vielleicht zuviel Involvement für den Leser? Vielleicht will der sich ja auch lieber ein kurzes Video angucken und nicht so viel “selber arbeiten”. Wie beim Fernsehen, wo die interaktiven Features auch kaum jemand nutzt.
Man weiß es (noch) nicht. Die Sache steht noch ganz am Anfang, man muss einfach experimentieren und schauen, was der User goutiert.
Neulich war ich auf der Internetkonferenz next10. Die Qualität der Vorträge war durchwachsen, einer lässt mir jedoch keine Ruhe: Der von Ben Hammersley. Der Brite ist Editor at Large bei “Wired” und arbeitet für eine Kreativagentur. Er erzählte von seinen Eindrücken in Sachen iPad.
Allen, die glauben, das iPad werde die Printmedien retten sagt Hammersley: Das Ding macht alles erst einmal noch schlimmer. Warum? Weil es den Konkurrenzdruck massiv erhöht. Schon jetzt ist es ja so, dass der “Kleckersdorfer Anzeiger” wegen des Internet mit der “New York Times”, der BBC sowie Blogs, Youtube, Suchmaschinen etc. konkurrieren muss.
Demnächst, prohezeit Hammersley, werde das iPad dafür sorgen, dass der Wettbewerbsdruck weiter steigt. Dank des Formfaktors und des hervorragenden Displays konvergierten darauf alle Medien. Dann werde noch stärker als bisher gelten, dass Printmedien auch mit TV & Co. im Wettbewerb stehen.
Das tun sie natürlich schon heute. Aber mit dem iPad verhält es sich meiner Ansicht nach ein bisschen wie mit einem Jahrmarkt mit Dutzenden Attraktionen: Jedes mal, wenn der Konsument sein Tablet in die Hand nimmt, wird er sich die Frage stellen, ob er jetzt wirklich Zeitung lesen soll. Oder ob er nicht lieber Comics anschaut, Fernsehen guckt oder Baseballstatistiken wälzt. Das ist nämlich möglicherweise viel kurzweiliger, und nur einen Fingerwisch weit entfernt.
Von der “FAZ” zu RTL umzuswitchen, stellte bisher einen Medienbruch dar. Jetzt funktioniert der Wechsel ohne Unterbrechung. Hammersley formuliert es so:
“You have to make your content really really beautiful. Otherwise you are screwed.”
Wenn er recht hat (ich würde glauben: er hat), muss man sich als Printheini ein bisschen fürchten. Denn Zeitungen oder Newssites sind im besten Fall: klug, originell, überraschend, intellektuell stimulierend, informativ. Aber schön?
Die Nutzer nach Vorstellung der Verlage zudem nicht nur einen Teil ihrer begrenzten iPad-Facetime für digitale Zeitungen reservieren – sie sollen dafür auch noch ordentlich latzen. Wenn man bei gestiegener Konkurrenz also den gleichen bzw. einen noch höheren Preis durchdrücken will, was muss man dann machen?
Eigentlich einfach: Als Tablet-Content kommt nur richtig dicke Suppe in Frage. Denn für Maggi-Fix zahlt erstens keiner und zweitens will die dünne Suppe auch umsonst niemand, wenn der Tisch so opulent gedeckt ist.
Das ist interessant, den zumindest bei Onlinepublikationen ging der Trend in den vergangenen Jahren ganz klar in Richtung immer mehr Geschichten und damit immer mehr Klicks/Visits. Das war für den Nutzer erfreulich, denn er bekam ein umfassenderes, bunteres Nachrichtenangebot. Und “All the news that’s fit to print” ist darüber hinaus ja auch ein hehrer journalistischer Ansatz.
Aber in erster Linie standen hinter dieser Mehr-Logik natürlich steigende Anzeigenerlöse. Klicks ließen sich nach einer jahrelangen Durststrecke plötzlich monetarisieren. Das Phänomen ist aus dem
Printbereich bestens bekannt. Im Jahr 1999 hatte etwa die “Wirtschaftswoche” bis zu 400 Seiten. Die IT-Bibel “The Industry Standard” war damals so dick wie ein Telefonbuch.
Das hatte nichts damit zu tun, dass die Informationsnachfrage oder das Nachrichtenaufkommen gestiegen waren. Sondern schlichtweg damit, dass man irgendwie all die Anzeigen unterbringen musste, mit denen die Kunden die Verlage zupflasterten (ach, damals!).
Nach der gleichen Logik verfuhrendie meisten Onlineseiten während des Werbebooms der Jahre 2005-2008. Mehr Stories; mehr Bildergalerien; mehr mehr.
Wenn die Inhalte aber jetzt “beautiful” werden sollen, wenn die Suppe dicker werden muss, dann kann das ja eigentlich nicht so weiter gehen. Man darf vermuten, dass kaum ein Verlag wegen des iPad 50 zusätzliche Leute einstellt. Die einzige andere Möglichkeit wäre folglich, dass die bestehenden Redaktionen mit der gleich großen Mannschaft weniger, aber dafür schönere Geschichten produzieren. Die man wirklich lesen will. Für die man zu zahlen bereit ist.
Ob das passiert? Ob Weniger das neue Mehr ist? Das wird auf jeden Fall interessant.






