Tom Hillenbrand’s Netzfundbüro

Fünf Dinge, die am Kindle nerven

4 January 2010 — Tests, Medienmassaker, Hardware, Supergeek, E-Book / E-Reader

Nach einigen Monaten mit dem Amazon Kindle fallen mir immer mehr nervige Macken auf. Am Anfang ist so ein neues Spielzeug ja ganz toll, aber nun ist die rosarote Wölkchen-Phase vorbei und ich merke, was das Lesegerät alles nicht kann.

Das Gute vorweg: Als Buch funktioniert der Kindle sehr ordentlich. Der Store von Amazon bietet zwar nur eine relativ klägliche Auswahl, aber Kauf und Download funktionieren reibungslos. Ich habe bereits geschätzte 1000 Seiten auf dem Kindle verzehrt, zurzeit gerade die “Nebel von Avalon”, eine fette Schwarte, die dank Kindle coole 1,5 Kilo leichter wird.

Vieles nervt aber. Hier die schlimmsten Punkte.

Zeitungen & Magazine auf dem Kindle sind unfassbar mies formatiert, inaktuell und schlecht navigierbar (eine ausführliche Kritik steht hier).

Dokumente laden kostet Geld: Jeder Kindle-Besitzer bekommt eine eigene Email-Adresse im Format benutzer@kindle.com. Das ist eigentlich eine fantastische Idee, denn man kann z.B. ein längeres Dokument, das man während der Zugfahrt lesen möchte, per Email auf das Gerät pushen (lassen). Nur: Pro gepushtem Megabyte will Amazon dafür 1 Dollar haben, was die Funktion ad absurdum führt.

PDFs lesen: Meine große Hoffnung, ich könnte die ganzen kiloschweren Ausdrucke von Analystenberichten, Studien und Recherchen künftig vor eine Reise auf den Kindle laden, sind ebenfalls enttäuscht worden. Der Kindle kann zwar PDF, aber er zeigt die Dokumente einfach auf einem Screen an, der um ca. 70 Prozent kleiner ist als ein A4-Blatt - da sieht man rein gar nichts. Vergrößern ist nicht möglich.

Screen und Knöpfe: Der Bildschirm reflektiert das Leselicht ein wenig. Schlimmer ist, dass er schlichtweg zu klein ist, kleiner als ein Paperback. Der Kindle hat einen breiten Rand und eine Tastatur, die in dieser Größe kein Mensch braucht - ich benutze sie fast nie, denn meine eBücher ordere ich lieber über meinen Laptop auf Amazon.com, weil: schnellere Ladezeiten, komfortablere Suche, Farbe. Für das Keyboard wurde viel Platz verschwendet, den man für den Screen hätte gebrauchen können. Suboptimal ist zudem die Umblättern-Taste, die man jedes Mal sehr fest drücken muss. Touch wäre besser gewesen.

Kindle iPhone-App: Dieses Programm ermöglicht es, auch auf dem Telefon zu lesen. Nimmt man später wieder den Kindle in die Hand, geht es an der zuletzt gelesenen Stelle weiter. Toll, aber: Warum funktioniert das nur mit Amazon.com-Downloads? Warum nicht mit dem “Graf von Monte Christo”, den ich ganz legal als Textfile geladen und auf den Kindle übertragen habe?

Nick Bilton hat neulich die Ratings der Kindle-Reviews auf Amazon.com analysiert und kam zu dem Schluss: “Amazon’s Kindle customers aren’t getting any happier about the end product.” Man ahnt, warum das so ist.

EIne Ode an die Gebrauchsanleitung

10 March 2009 — Medienmassaker, Kultur, Hardware

“”Herzlichst Gluckwuensch zu gemutlicher Weihnachtzkerze Kauf. Mit sensazionell Modell GWK 90191 (ein beleuchtbarer Anstecker). Sie bekomen nicht teutonische Gemutlichkeit fuer trautes Heim nur, auch Erfolg als moderner Mensch bei anderes Gesleckt nach Weihnachtsganz aufgegessen und laenger, weil Batterie viel Zeit gut lange. Zu erreischen Gluckseligkeit unter finsterem Tann”.

Mehr davon gibt es hier.

Und wer wissen möchte, wie sich eine japanische Gebrauchsanleitung für Barack Obama liest, der klickt hier.

Sind IT-Freaks Umweltschweine?

10 February 2009 — Debatte, Greentech, Autos, Energie, Wirtschaft, Hardware

Unternehmen reden viel über Green IT. Doch in der Praxis passiert offenbar wenig. Das hat diese Studie des BPM Forums ergeben. Zwar halten es 97 Prozent der IT-Profis für wichtig, den enormen CO2-Ausstoß von PCs und Servern zu reduzieren. Doch weil häufig konkrete Richtlinien und Aktionspläne fehlen, wird der Energieverbrauch nur von wenigen Firmen tatsächlich gesenkt. 86 Prozent der CTOs kennen ihren eigenen CO2-Footprint nicht.

Interessant ist auch, dass es zum CO2-Ausstoß von IT-Firmen zudem kaum nachvollziehbare, aggregierte Zahlen gibt - anders als etwa zur Autoindustrie. Und wenn einen sogar die Pkw-Herstwller ökologisch überholen, dann muss man sich vielleicht mal ernsthafte Gedanken machen.