Als Foodie und Autor kulinarischer Krimis hat mich schon immer interessiert, wo unser Essen eigentlich herkommt. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach den Wurzeln unserer Nahrungsmittel begeben. Das Ergebnis könnt Ihr in meinem neuen eBook nachlesen: “Die Erfindung des Essens. Warum Karotten orange sind und wieso Napoleon Konservendosen liebte.”
Worum geht es? Alles, was wir heute essen, haben wir irgendwann erfunden – nicht nur die Fertigpizza und den Kunstkäse, sondern auch die orange Karotte und den Mais. Selbst die Kartoffel, wie wir sie heute kennen und verspeisen, wäre ohne ihren “Erfinder”, den französischen Pharmazeuten Antoine Parmentier und seinen Marketinginstinkt – er überredete König Louis XVI. zum ersten Testimonial der Wirtschaftsgeschichte – nicht denkbar.
Bei Erfindungen und Innovationen denkt heute jeder an iPhones, das Internet und vielleicht noch die Dampfmaschine. Wie aber kamen eigentlich die Nahrungsmittel auf unseren Tisch?
In einem dreißigseitigen Essay untersuche ich bahnbrechende Erfindungen rund ums Essen. Ich erkläre, warum uns erst das Grillen zu Menschen gemacht hat und wieso die Innovationsgeschichte des iPhones der von Milchschokolade verblüffend ähnlich ist.
“Die Erfindung des Essens” ist als eBook bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 0,99 Euro. Kaufen kann man das Essay bei Amazon, bei iTunes und in allen anderen Online-Buchshops.
Auch in Produkten der Nestlé-Marke Buitoni ist jetzt Pferdefleisch aufgetaucht. Das für mich Erstaunliche daran: Ein Konzern mit 83,6 Milliarden Schweizer Franken Umsatz und mehr als 300.000 Angestellten ist anscheinend nicht nicht in der Lage, zu gewährleisten, dass in seinen Tortelloni ausschließlich Rindfleisch enthalten ist.
Nestlé ist der größte Nahrungsmittelhersteller des Planeten, er beschäftigt Legionen von Chemikern, und unterhält etliche Testlabors, die zu den bestausgestattesten der Welt zählen dürften. Wenn eine Organisation dieser Größe nicht in der Lage ist, die Reinheit ihrer Inhaltsstoffe zu garantieren, kann man unterstellen dass ihr entweder der Wille zu ausreichenden Qualitätskontrollen fehlt oder einige der mit der Qualitätskontrolle beauftragten Mitarbeiter ihren Job nicht richtig machen.
Denn die dritte Möglichkeit, dass nämlich einige große, lebensmittelverarbeitende Betriebe derlei Verunreinigungen (es gibt ja ähnliche Fälle z.B. bei Olivenöl oder Fisch) biligend in Kauf nehmen oder sogar bewusst beimischen, die will man lieber gar nicht in Betracht ziehen.
Dass einem bei einem Premium-Massenprodukt, und als solches würde Nestlé Buitoni ja wohl bezeichnen, so etwas durchgeht, ist meines Erachtens ebenso unverständlich wie unentschuldbar. Umso mehr, als Nestlé, ähnlich wie Unilever bei seiner Italotraditionswohlfühlmarke Bertolli, Werbeschalmeien wie diese in Welt bläst:
“At Buitoni we believe that everything that leaves our kitchen has to be extraordinary. We are committed to the artisanal philosophy of food: taking the simplest, more (sic!) healthful ingredients and artfully combining them for an extraordinary meal.”
Was kann man dazu sagen außer: Artisanal philosophy my ass.
Bildquelle: Nestlé
Kleine Activity Tracker sind ja gerade der heißeste Scheiß. Diese Geräte registrieren, wie viel man sich im Laufe eines Tages bewegt – wie viele Schritte man macht, wie lange man bewegungslos vor seinem Rechner verharrt und wie energiezehrend diese Aktivitäten sind.
Das bekannteste dieser Geräte ist Fitbit. Ich habe mir bereits vor einigen Monaten eines bestellt, denn das Produktversprechen klang nicht nur verlockend, sondern auch äußerst logisch: Wenn man abnehmen will, muss man nicht nur seine Kalorienzufuhr kontrollieren, sondern parallel auch dafür sorgen, dass man ausreichend Kalorien verbrennt.
Fitbit ist ein kleiner Clip, den man sich an den Gürtel klemmen kann. Er errechnet die Burnrate und synchronisiert die gewonnenen Daten mit einem Server. Über ein Webinterface oder eine iPhone App kann man außerdem festhalten, was man den Tag über so alles in sich hineinstopft. Ferner ermöglicht die Software es dem Nutzer, ein Wunschgewicht anzugeben und festzulegen, wie schnell dieses erreicht werden soll.
Zunächst die erfreulichen Dinge: Sowohl das Webinterface als auch das Gerät sind schön designt, benutzerfreundlicher geht es kaum. Das Setup war ein Traum und dauerte nur wenige Minuten. Die Synchronisation funktioniert makellos. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Nahrungsmitteldatenbank, die Fitbit benutzt, ist Amerikanisch. Nicht nur muss man “carrot” statt Karotte eingeben – die Software kennt auch keinerlei europäische Markenprodukte, wie das ansonsten jeder zweitklassige Kalorienzähler fürs Mobiltelefon kann.
Das Design ist wie gesagt super; aber leider, und damit kommen wir zu dem, was die Überschrift dieses Posts ja bereits andeutet, funktioniert das Produkt meines Erachtens überhaupt nicht.
Ich habe den Fitbit Ultra im Frühjahr 2012 gut sechs Wochen lang durchgehend getestet. Ich habe eingestellt, dass meine Kalorienzufuhr um einige hundert Kalorien pro Tag gedrosselt werden soll, weil ich von etwa 81 Kilo auf 77 Kilo runter wollte. In der Theorie ist mit dem Fitibit-System die totale Kontrolle möglich: Mehrfach täglich checkte ich in dem Userinterface, wie viele Kalorien ich bereits zu mir genommen hatte und wie viele ich noch essen durfte.
Abends kontrollierte ich dann, ob ich mich in Relation zu meiner Kalorienaufnahme auch ausreichend bewegt hatte. Wenn mir Fitbit anzeigte, dass ich beispielsweise nicht das von mir eingestellte Ziel von 8000 Schritten pro Tag erreicht hatte, konnte ich nach der Arbeit eben noch ein oder zwei Kilometer durch den Stadtpark spazieren. Fitibit schickt einem zudem regelmäßige Progress Reports:
Das Ergebnis war, dass ich im Schnitt 2000 Kalorien am Tag zu mir nahm. Da dies nicht mein erster Versuch ist, mein Gewicht zu reduzieren, weiß ich, dass ich bei diesem Konsum normalerweise von selbst abnehme (der Richtwert für einem männlichen Erwachsenen mit mittlerer Aktivität liegt bei etwa 2500 Kalorien).
Laut Fitbit habe ich aber nicht nur gehungert, ich habe zudem täglich über viele Wochen ziemlich konstant 2700 Kalorien am Tag verbrannt. Ich habe also 700 Kalorien am Tag verfeuert, die ich mir nicht wieder durch Nahrungsmittel zugeführt habe. Diese Grafik illustriert das:
Das ist ein riesiger Betrag. Allerdings habe ich kein einziges Gramm abgenommen – sondern in dem fraglichen Zeitraum fast ein Kilo zugelegt. Ein Nutzerfehler? Sicherlich vergisst man ab und zu, etwas in die Essensliste einzutragen (darin, sich selbst zu belügen, sind Menschen erfahrungsgemäß sehr gut.). Aber selbst wenn ich mich täglich um 200 oder 300 Kalorien am Tag beschissen hätte, was ich für unwahrscheinlich halte, dann blieben immer noch Abertausende Kalorien, die mir zur Deckung meines Tagesbedarfs fehlten.
Die plausibelste Erklärung ist meiner Ansicht, dass irgendetwas mit der Aktivitätsberechnung nicht stimmt. Das Gerät bietet natürlich trotzdem einen Benefit – es hilft dem Nutzer, sich insgesamt mehr zu bewegen. Oder genauer gesagt hilft es ihm, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass er sich zu wenig bewegt. Dazu verwendet Fitbit sehr schön gestaltete Gamification-Elemente:
Aber mir erscheint das letztlich alles sekundär, wenn die erhobenen Daten nicht stimmen. Und selbst wenn es sich letztlich um einen Nutzerfehler handeln sollte: Ich habe mich wirklich stundenlang eingehend mit diesem Ding beschäftigt. Und ich bin sicher in die Kategorie Power User / Digerati einzuordnen. Ergo stimmt irgendwas mit dem Produkt nicht.
Nachdem das Gerät einige Monate in der Schublade lag, habe ich es nun noch einmal ausprobiert und muss leider über zwei weitere Probleme berichten.
Die Verschalung des Fitbit Ultra ist nicht sehr stabil. Da das Gerät an die Hose geclippt wird, ist es fast unvermeidlich, dass man Türrahmen oder Möbelstücke touchiert. Mein Clip ist bereits mehrmals auseinandergefallen, ich konnte ihn nur nach einigem Gefrickel wieder zusammenflicken. Ich habe via Twitter beim Hersteller nachgefragt, ob das nicht ein Garantiefall ist. Aber die sind leider nicht sehr gesprächig.
Das mit dem Garantiefall hat sich inzwischen erledigt, denn – und damit komme ich zu dem zweiten Problem – der Clip sitzt nicht sehr fest an der Hose. Bei rauen Oberflächen wie Jeans ist das kein Problem. Bei einer Anzughose hingegen rutscht der Fitbit dauernd raus. Meiner ist irgendwo auf dem Weg von Berlin nach München verloren gegangen. Ist aber nicht so schlimm. Denn das Gerät war aus meiner Sicht letztlich so überflüssig wie Trennkost.
Als Münchner mit Migrationshintergrund habe ich Gefallen am hiesigen Essen gefunden, insbesondere an der Brezel Breze, speziell der Butterbreze. Der Hamburger oder Frankfurter kann diese weder vernünftig backen, noch ist ihm beizubringen, dass man sie nicht mit Butter beschmieren und dann drei Stunden in der Auslage liegen lassen kann.
Innen matschige und außen bockelharte Brezen von Allwörden oder Kamps sind jedoch harmlos im Vergleich zu jenem Exemplar, dass meine Freundin Steffi unlängst in Berlin bei Kaisers/Tengelmann entdeckt hat.
Als sie begann, ihre Breze Brezel zu verzehren, bemerkte sie, dass diese im Abgang stark buttrig war – wider Erwarten, denn es handelte sich um ein unaufgeschnittenes Exemplar. Die Verkäuferin erklärte ihr auf die Frage, wie denn in die trockene Brezel Butter hineinkomme:
“Is’ einjespritzt.”
Und zwar mit insgesamt zehn Injektionen. Innovation, auch kulinarische, findet man eben immer dort, wo man sie überhaupt nicht vermutet. Man kann darüber die Nase rümpfen, aber in die Berliner (ich glaube, in Berlin sagt man: Pfannkuchen) wird die Marmelade schließlich ooch einjespritzt.
Diese Einbringnung schmackhafter Kondimente in Festprodukte, die ich einfach mal als “Berliner Methode” bezeichnen würde, ist extrem ausbaubar. Wieviel Zeit, Geld und Waschmittel könnten die Menschen sparen, wenn sie endlich aufhörten zu dippen, zu schmieren und zu tunken – und stattdessen einspritzten?
In Weißwürste könnte man süßen Senf injizieren, in Wienerle scharfen. Pommes Frites ließen sich mit Ketchup füllen – am besten händisch. Wegen des Manufakturcharakters. Handjespritzt, wa.
Für mein neues Buch “Rotes Gold” habe ich mich eingehend mit Sushi befasst. Dabei sind mir auch ein paar unerfreuliche Dinge bezüglich der Qualität von Sushi aufgefallen, die ich hier zusammengestellt habe. Alle sind oishikunai – das ist Japanisch und heißt “nicht lecker”.
Wasabi: Japanischer Verwandter des Meerrettichs. Sehr selten und sehr teuer – sein Blatt zierte nicht umsonst das Wappen des japanischen Shogun. Kostet etwa 150 € das Kilo. Haben Sie noch nie gegessen. Das Zeug, das mit ihrem Bento serviert wird, ist gar kein Wasabi, sondern Senfpulver, versetzt mit Farbstoffen. Bei den Farbstoffen handelt es sich in der Regel um E133 (Brillantblau) und E102 (Zitronengelb). Die Mischung wird den Restaurants als Pulver geliefert und dort mit Wasser vermischt.
Gari: Hauchdünn geschnittener, eingelegter Ingwer. Der Einlegevorgang ist ebenso mühselig wie langwierig – weswegen der Gari in Ihrer Sushiya mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus der Tüte kommt. Die gängige Großhandelsmarke High Grade Sushi Gari wird laut Packungsangabe mit neun E-Zusätzen angereichert.
Sushireis: Wird traditionell im Zedernholzbottich mit Essig und Sake mariniert. Verwendet wird der sehr teure Koshihikari. Haltbarkeit liegt bei maximal sechs Stunden. Verwendet man billigeren Reis oder möchte man eine längere Haltbarkeit, muss man chemisch nachhelfen. Um den Reis schmackhafter zu machen, verwendet man Miora. Das weiße Pulver besteht aus Kartoffelstärke, Amylase, Protease und Geschmacksverstärkern. Es sorgt dafür, dass der Reis während des Gärungsprozesses mehr Stärke in Zucker und mehr Eiweiß in Aminosäuren umwandelt. Der Reis wird dadurch geschmackvoller, süßer und kalorienreicher.
Takuan: Eingelegter japanischer Rettich, der sich beispielsweise in vegetarischen Maki findet. Ihn auf die traditionelle Weise zu marinieren, dauert in etwa drei Wochen. Der Takuan, den Sie verspeist haben, stammt aus industrieller Produktion. Er enthält neben Glutamat bis zu neun weitere Zusatzstoffe, darunter auch Tartrazin, einen Azorfarbstoff, der für die knallgelbe Farbe des Rettichs verantwortlich ist. Das ist das gleiche Gelb, das auch im Wasabi steckt. Tartrazin ist in der Europäischen Union in der Tierfütterung verboten. In der Menschenfütterung ist es hingegen zulässig.
Maguro: Blauflossenthun. Beliebtester Sushi-Fisch. Enthält weder Farbstoffe noch Glutamat – wurde aber durch Überfischung beinahe ausgerottet. Experten gehen davon aus, dass es in wenigen Jahren im Mittelmeer keinen Bluefin mehr geben könnte.
Unagi: Süßwasseraal, kommt vorgegrillt, mariniert und portioniert im Zwanzigerpack, wird im Restaurant nur noch aufgewärmt. Der Fisch wird in einer Soße aus Maissirup und Natriumglutamat gebadet, bevor man ihn einschweißt. Der meist in chinesischen Aquafarmen gezüchtete Aal ist nach Angaben von Umweltschützern häufig mit PCB oder anderen Giften belastet.
Tane: Toppings, also die Fischhäppchen, die oben auf die Reisbällchen kommen. Traditionell werden diese aus vorbereiteten Fischfilets (Neta) geschnitten. Das macht man heute kaum noch, stattdessen werden die einzelnen Tane eingeschweißt in Plastikpackungen angeliefert. Häufig wird der Fisch mit Stickstoff begast, damit er nicht oxidiert.
Nigiri: Sushi-Variante, bei der ein Fischstück auf einem Reisbällchen liegt. Dieses mit einer Hand so zu formen, dass es zusammenhält, gleichzeitig aber im Mund fast von selbst zerfällt, ist eine große Kunst. Viele Sushiya verwenden heute statt der Hand einen Roboter, der jede Stunde Hunderte Nigiri ausspeien kann.
Tamago: Japanisches Omelett. Es besteht aus Dutzenden hauchdünnen Lagen gestockten Eis, die Herstellung erfordert viel Geschick und eine spezielle Tamago-Pfanne. Manche Leute sagen, man erkenne ein gutes Sushi-Restaurant zuerst an der Qualität seines Tamago. Kommt heute in den meisten Sushibars eingeschweißt und gekühlt vom Großhandel.
Supermarkt-Bento: Der größte Hersteller von Sushi-Lunchboxen für die Tiefkühltheke heißt Natsu Asian Foods und sitzt in Neuss. Sein Sushi wurde, wie auch alle anderen Supermarktsushis, in einem großangelegten Test des WDR als geschmacklich als mangelhaft erachtet.
Mehr zu dem Thema in diesem Zeit-Artikel. “Rotes Gold” erscheint am 19. April 2012. Foto: Sushi aus dem Kamakura in Luxemburg, dessen Chef Akira Yasuoka von Benelux Gault Millau zum “Chef de l’année 2011″ gewählt wurde.
Update: Kathrin Aue und Björn Eichstädt testen hier regelmäßig japanische Restaurants.
Wenn man mich fragt, was ich gerne esse, dann ist meine Antwort immer: Französische Brasseriegerichte. Es gibt für mich nicht Besseres als Brassien, deshalb kommen sie in meinen Büchern vor. Ihr Essen ist gleichzeitig klassisch und modern. Man bekommt seine Essen schnell, aber es ist dennoch raffiniert. Brasserien sind zudem stets beeindruckende gasteonomische Maschinen, die o oeufs Benedict und entrecotes Bercy in irrwitziger Geschwindigkeit rauskloppen können. Gleichzeitig sind sie gemütlich, ein Stück Heimat, ein Third Place.
Das haben auch Nichtfranzosen kapiert. Die (nicht nur) meiner Meinung nach beste Brasserie der Welt befinde sich, Globalisierung sei dank, nicht mehr in Paris,sondern in New York: Das Balthazar hat alles, was eine Brasserie ausmacht. Hierzulande gibt es so etwas leider nicht, das Café Paris in Hamburg ist nahe dran, aber eben nur fast. Jetzt will Gastronom Christian Mook in Frankfurt eine Brasserie mit allem Pipapo aufziehen. Name: „Mon Amie Maxi“.
Vorschusslorbeeren gibt es nicht, aber was bisher durchgesickert ist, macht mir schon mächtig den Mund wässerig. Küchenchef wird Alexander Roisch aus dem Zweisterner Tantris, ein Mann mit klassischer französischer Ausbildung. Und was laut PM so auf der Karte stehen soll, sind echte Klassiker, ohne Kompromisse für den krüschen Teutonen:
“Grenouille, Pied de Cochon, Croque Monsieur, Escargots, Foie Gras, Tête de Veau, Bœuf Bourguignon, Steak Frites, Sole Meunière, Boudin Noire, Soupe à l’oignon etc. Kernstück des Restaurants wird eine riesige Austern- und Meeresfrüchtetheke bilden. Die offene Raw-Bar wird sich inmitten des Gastraumes befinden und opulent bestückt sein mit allem, was das Meer zu bieten hat: Hummer, Taschenkrebse, Muscheln, Garnelen und natürlich Austern. Die Gäste können sich dort imposante mehrstöckige „Plateaux de Fruits de Mer“ nach Wahl zusammenstellen lassen.”
Location wird die Halle der Villa May. Und einen richtigen Zinc wird es auch geben.Könnte die beste Brasserie weit und breit werden. Ich hab schon Hunger.
Bild: Flickr
Die breite Masse der deutschen Sushibars setzt inzwischen auf vorgefertigte Zutaten. Sushi ist zu einem Convenience-Food geworden, zu einer Art buntem Fisch-Lego, das sich aus industriell hergestellten Bestandteilen ganz nach Belieben zusammenbauen lässt. Nur noch das Aussehen erinnert an das ursprüngliche japanische Gericht.
Für die Zeit habe ich dazu unerfreuliche Details recherchiert. Hier kann man das Ergebnis lesen.
»Tom Hillenbrand lässt ruhmsüchtige Fernsehköche auftreten, Foodhunter, Nahrungsmittelindustrielle, gemütliche Feinschmecker. Spannend, unterhaltsam, und, fürchten wir, gar nicht so unrealistisch.«
Der Feinschmecker
»In Tom Hillenbrands Krimi Teufelsfrucht wird gemordet, gebrandschatzt, verfolgt und intrigiert.[...] Sein Erstling ist deshalb gleichermaßen amüsant wie interessant: Kenntnisreich verbreitet sich Hillenbrand über die regionale Küche Luxemburgs, wirft einen erhellenden und spaßigen Blick hinter die Kulissen der Eventgastronomie und zeigt die oft erschreckenden Mechanismen der Nahrungsmittelindustrie auf.«
Süddeutsche Zeitung
»Dem Leser läuft das Wasser im Mund zusammen. Und der Fall ist spannend, originell und raffiniert.«
DRS 3
»Mit Teufelsfrucht hat Autor Tom Hillenbrand einen Krimi im Gastronomie-Milieu geschrieben- und zugleich einen exakt recherchierten, kulinarischen Reiseführer zu Luxenburg verfasst.[...] Ein spannender Roman zum Anbeißen.«
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
»Tom Hillenbrand regt genussvoll den Appetit der Krimileser an.«
Die Welt
»Hillenbrand [...] überzeugt vor allem durch seine detailreiche Recherche, sowohl, was die Hintergründe in der Sterneküche, als auch, was die Macht von Lebensmittelkonzernen angeht.«
Trierischer Volksfreund
»Die kulinarische Antwort auf Doktor Schiwago«
woxx
»Mit Teufelsfrucht ist dem freien Journalisten [...] ein zugleich spannender, lehrreicher und folkloristischer Roman über das Streben des Menschen nach Perfektion, nach Reichtum und Anerkennung und nach einem glücklichen Leben ohne Stress gelungen.«
Revue (Luxemburg)
»Dem Wirtschaftsjournalisten und Hobbykoch Tom Hillenbrand ist ein überzeugendes, angenehm zu lesendes Krimidebüt gelungen. [...] Der Krimi ist außerdem reich an lebendigen Beschreibungen der Luxemburger Altstadt, die zum Reisen verleitet. [...] alles in allem ein lesenswerter und spannender Krimi«
htr hotelrevue
» [...] vergnüglich-spannender kulinarischer Krimi [...]«
Luxemburger Wort
»Ein spannender kulinarischer Krimi mit Seitenhieben auf Lebensmittelkonzerne und so manche Fernsehköche.«
buchmedia magazin
»Dieser Krimi liest sich wie man eine gute Bouneschlupp schlürft – am liebsten gleich alles auf einmal.«
Lea Linster
»Witz und Luxemburger Lokalkolorit machen diesen Krimi so schön speziell.«
Laviva
Essensfälschung, Massentierhaltung, Dioxinskandal – moderne Lebensmittelproduktion ist entsetzlich. Zum Glück gibt es die gastronomische Parallelwelt der Fernsehköche – als Gegengewicht zur unappetitlichen Realität. Deren Kochshows machen uns nicht zu Besseressern, beruhigen aber unsere nervösen Mägen.
Mit dem Huhn hat Jamie Oliver Aufsehenerregendes vor. Er schmort es in Milch, ein “echt cooles italienisches Gericht”. Das Resultat sieht gut aus. Aber schmeckt es auch? Keine Ahnung. Mehrfach habe ich mir auf DVD angeschaut, wie der Brite den Broiler in der Milch versenkt. Ich besitze das Buch zur Sendung, und eine Jamie-Oliver-Pfanne habe ich auch. Nur gekocht, gekocht habe ich das Milchhuhn noch nie. Es ist schon seltsam: In der übersättigten Postmoderne muss zwar keiner mehr kochen – aber alle möchten andauernd zugucken, wie irgendwo irgendwas gebrutzelt wird. Es gibt derart viele Kochshows, dass man theoretisch den ganzen Tag Küchenpersonal beim Arbeiten zusehen könte.
Nicht selber machen, zuschauen. Man kann das als kulinarischen Voyeurismus geißeln, wie der US-Starkoch Anthony Bourdain. Kochshows hält er für Pornografie: “Man guckt zu, wie Leute im Fernsehen Dinge machen, die man selbst zu Hause nie tun würde.”
Alles nur Ersatzbefriedigung? Gucken wir uns die Olivers und Schuhbecks deshalb so gerne an? Wahrscheinlicher ist: Wir schauen so konzentriert hin, damit wir woanders wegschauen können. Wir wollen uns selbst von etwas Unerfreulichem ablenken.
Dieses Etwas ist unsere Nahrungsmittelindustrie. Sie ist zu einem Monster geworden, verachtenswert und unmoralisch. Der gastronomisch-industrielle Komplex foltert und quält millionenfach Hühner und Schweine, damit wir billiges, abgepacktes Fleisch kaufen können. Er rodet indonesische Regenwälder, weil er für seine Schokoriegel neue Palmölplantagen braucht. Möderisch und zerstörerisch, das ist unsere Lebensmittelproduktion.
Gleichzeitig sind Foodkonzerne die kunstvollsten Fälscher unserer Zeit. Das mit Käse gratinierte Buttercroissant von der Bäckerkette enthält weder Käse noch Butter, sondern Rindertalg und Bakterieneiweiß. Und jeder Lebensmittelchemiker weiß, dass der wichtigste Grundstoff für Erdbeerjoghurt nicht Erdbeeren sind. Sondern jene Holzspäne, aus denen das Aroma gewonnen wird.
Es gibt wohl, vielleicht mit Ausnahme der Banken, keine andere Branche, die ihre Kunden im Namen des größtmöglichen Profits dermaßen schamlos betrügt und belügt. Das alles wissen wir, wissen es seit Jahren. Doch wir kauen stoisch weiter. Der Mensch muss ja essen.
Dabei ist uns in unserem Inneren bewusst, dass wir das Monster erst großgemacht haben, mit unserem unstillbaren Hunger nach Tiefkühl-Quattro-Stagione und abgepacktem Leberkäs, das Pfund zu 1,99. Unsere Starköche wissen das auch. Aber sie wollen uns helfen. Nicht, indem sie uns wirklich zu Besseressern erziehen. Sondern indem sie uns mit immer ausgefalleneren kulinarischen Darbietungen erfreuen.
Ihre Kunststückchen haben zwar weder etwas mit der Realität der Verbraucher noch mit jener echter Profiköche zu tun. Aber sie beruhigen unsere nervösen Mägen.
TV-Köche sind unsere gastronomischen Therapeuten. Zur degoutanten Wirklichkeit liefern sie eine delikate Parallelwelt. Vor 65 Jahren, nach dem Krieg, da war die Realität so trist, dass die Menschen im Kino am liebsten Heile-Welt-Schmonzetten mit Heinz Rühmann anschauten. Heute ist unsere Essenswirklichkeit so entsetzlich, dass wir als Ausgleich Jamie Olivers Milchhühnchen brauchen.
Zumindest für eine halbe Stunde, bevor wir uns das nächste Tiefkühl-Backhendl reinziehen.
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Dieser Text erschien zuerst in der Wochenendausgabe der österreichischen Zeitung “Der Standard”.












