Der schwedische Airportshuttle-Betreiber Flyggbussarna wollte seinen Kunden klarmachen, das Coachbusse viel umweltfreundlicher sind als Pkw und ließ deshalb von der Werbeagentur Acne Advertising eine aus 50 gestapelten Pkw bestehenden Coachbus auf dem Mittelstreifen der Stockholmer Flughafenautobahn aufstellen – mit dem Resultat, dass es wochenlang Staus am Airport gab. Eine ziemlich gelungene Kampagne, die Acne in diesem Film dokumentiert hat (als bitte mit ein bisschen Salz konsumieren).
50 cars or 1 coach? from acneadvertising on Vimeo.
Via Autobloggreen
Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.
Gefunden in der SZ vom 7. Dezember 2009
Unternehmen reden viel über Green IT. Doch in der Praxis passiert offenbar wenig. Das hat diese Studie des BPM Forums ergeben. Zwar halten es 97 Prozent der IT-Profis für wichtig, den enormen CO2-Ausstoß von PCs und Servern zu reduzieren. Doch weil häufig konkrete Richtlinien und Aktionspläne fehlen, wird der Energieverbrauch nur von wenigen Firmen tatsächlich gesenkt. 86 Prozent der CTOs kennen ihren eigenen CO2-Footprint nicht.
Interessant ist auch, dass es zum CO2-Ausstoß von IT-Firmen zudem kaum nachvollziehbare, aggregierte Zahlen gibt – anders als etwa zur Autoindustrie. Und wenn einen sogar die Pkw-Herstwller ökologisch überholen, dann muss man sich vielleicht mal ernsthafte Gedanken machen.
Erinnert sich noch jemand an den Film “Who killed the electric car?” Der behauptete, eine Allianz aus Ölmultis und Lobbyisten habe GMs Elektroauto EV1 gekillt. Inzwischen sieht es ja eher so aus,als ob alle E-Autos supi finden: Politiker, Autofirmen, Stomversorger, Pressefuzzis. Alle sind ganz sicher, dass die Elekteomobilität kommt.
Das sollte einen misstrauisch machen.
So allmählich muss man sich meines Erachtens mit der Gegenthese beschäftigen. Möglicherweise wird das auch diesmal alles nichts.
Beweisstück 1: Der fallende Ölpreis. Er liegt jetzt unter 40 Dollar, und es ist durchaus denkbar, dass er unter 20 rutscht, wenn die Rezession anhält. Selbst wenn das nur eine kurzfrisitige Delle sein mag – möglicherweise hat Barack Obama recht mit seiner Befürchtung: “Dann fallen die Preise – und als ob nichts gewesen wäre, betanken wir wieder unsere SUV.”
Beweisstück 2: Die EU hat gerade eine ziemlich laue CO2-Regelung verabschiedet, die die Autohersteller wohl auch mit herkömmlicher Technologie erfüllen können. Da senkt den Innovationsdruck erheblich.
Beweistück 3: Fast alle Autofirmen haben E-autos angekündigt, viele schon für 2010. Aber jetzt haben fast alle Liquiditätsprobleme – da wird der eine oder andere sicherlich zurückrudern. Wahrscheinlich mit Verweis auf die Finanzkrise, die man ja nicht habe ahnen können.
Beweistück 4: Noch ärger ist es bei den Zulieferern, die gerade reihenweise Pleite gehen. Nur wenige Autohersteller bauen eigene Akkus und elektrische Powertrains – die meisten haben darauf gesetzt, dass sie die Elektroauto-Innereien von ihren Zulieferern bekommen. Auch hier sind Zweifel angebracht, ob all die angekündigten Komponenten pünktlich da sind. Einen kompletten powertrain zu entwickeln kostet millionen, und bringt mehrere Jahre lang wenig ein.
Update 1: GM hat übrigens gerade die Eröffnung einer Motorenfabrik in Flint verschoben. Dort sollte der Range-Extender-Motor des Chevy Volt gebaut werden. Wann die Arbeiten an der Fabrik wieder aufgenommen werden, will das Unternehmen derzeit nicht sagen.
Update 2: Conti hat angeblich Probleme, das Geld für die Entwicklung neuer E-Auto-Batterien zusammenzubringen, schreibt der Tagesspiegel”.

Die Autoindustrie wollte ihre CO2-Emissionen freiwillig auf 140 g/km senken, hat diese Zusage jedoch total versemmelt konnte sie wegen unüberwindbarer technologischer Hürden leider nicht einhalten.
Deshalb wollte Umweltkommissar Dimas den ganz harten Regulierungshammer rausholen und 120g bis 2012 festschreiben, ohne Ausnahmen. Das ist auch dem EU-Parlament ein Herzenswusch, ebenso wie den Autonationen Deutschland, Frankreich und Italien.
Aber bitte erst ab 2015. Und die CO2-Reduktion durch Klimaanlagen oder Leichtlaufreifen bekommen die Autohersteller gesondert angerechnet. Die sind im ECE-Verbrauch aber schon inkludiert? Egal. Dann zählen sie eben jetzt doppelt. Strafzahlungen gibt es auch, aber in maximaler Höhe erst 2019.
Der CO2-Grenzwert liegt jetzt über dem, was die Autolobby freiwillig angeboten hatte. Und außerdem gibt es eine Revisionsklausel, falls das dann alles doch zu hart wird.
Wenn ich richtig gerechnet habe, planen die USA inzwischen eine CO2-Reduktion, die der Europas prozentual in nichts nachsteht (bis 2020). Ja genau, die Amis.
Nachrichtliches zum Brüsseler CO2-Debakel hat Bloomberg. Mein ausführlicher Kommentar bei SPIEGEL ONLINE steht hier.
BMW hat heute angekündigt eine Elektroversion seines Kleinwagens Mini zu testen. In den kommenden Monaten werde BMW im Mini-Werk im englischen Oxford mehrere hundert Fahrzeuge bauen, die anschließend in München mit elektrischen Antrieben ausgerüstet
werden, erklärte das Unternehmen.
Täglich grüßt der Stromer – bei BMW, Mercedes, Renault-Nissan oder GM. Interessanter wird allmählich die Frage, wer kein reines Elektroauto in der Pipeline hat. Viele sind es nicht. Unter den Top-Ten-Herstellern haben sich inzwischen nach meiner Rechnung alle irgendwie committed, außer: Chrysler und Ford (die aber zumindest einen klassischen Hybrid im Programm haben). Alle anderen wollen vollelektrisch oder mit PHEVs antreten. Ist das jetzt Strategie oder Versäumnis?
Keiner will der letzte sein: Es gibt inzwischen kaum noch einen namhaften Autohersteller, der nicht auf die Elektroautonummer einsteigt. Fast noch bemerkenswerter ist, wie sich die Zulieferer (Conti, Bosch etc.) auf das Thema schmeißen. Die ganze Branche ist in Bewegung, ganz interessant ist aber auch die Gegenthese. Möglich wäre ja, dass der Ölpreis mittelfristig wieder auf 60 oder 70 Dollar oder sogar weniger durchrutscht. Vielleicht setzt sich an den Märkten irgendwann ja die Wahrnehmung durch, dass demnächst niemand mehr Benzin braucht. Und dann rutscht der Barrelpreis ins Bodenlose. Und dann entfiele die Grundlage für den E-Auto-Boom. Gute Frage, was dann passiert. Und ob dann die ganzen schönen Projekte dann wieder eingemottet werden.


