Für die iPad-App des SPIEGEL werden jede Woche zahlreiche exklusive Features produziert – eines davon war die Infografik “Die Griechenland -Krise” von Roman Höfner, Jens Radü und mir (Ausgabe Nr. 24).
Vorbild für das Video war diese meines Erachtens geniale animierte Infografik zur US-Finanzkrise:
Als ich mir unser Video dann auf dem Apple iPad angeschaut habe, habe ich mich allerdings gefragt: Müssen wir in Zukunft Infografiken anbieten, die sich nicht nur bewegen, sondern die sich vielleicht sogar bewegen lassen? Würde der Leser den Griechen und die Investoren vielleicht gerne selber auf dem Touchscreen herumschubsen?
Technisch ist das (mit erheblichem Aufwand) machbar, journalistisch erscheint es mir reizvoll – aber ist das vielleicht zuviel Involvement für den Leser? Vielleicht will der sich ja auch lieber ein kurzes Video angucken und nicht so viel “selber arbeiten”. Wie beim Fernsehen, wo die interaktiven Features auch kaum jemand nutzt.
Man weiß es (noch) nicht. Die Sache steht noch ganz am Anfang, man muss einfach experimentieren und schauen, was der User goutiert.
Viele von uns knipsen mit ihrem Handy unterwegs Sachen und twittern diese dann mit Hilfe von Twitpic, einer auf den Microbloggingdienst zugeschnittenen Fotoplattform. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was mit den Bildern im weiteren passiert. Im Web geht immer wieder das Gerücht um, wer Bilder bei Twitpic hochlade, der trete alle Rechte an seinen Aufnahmen ab.
Das ist Quatsch; Twitpics AGB erscheinen vielmehr äußerst fair, soweit ich das als juristischer Laie beurteilen kann. Dort heißt es:
By uploading your photos to Twitpic you give Twitpic permission to use or distribute your photos on Twitpic.com or affiliated sites. All images uploaded are copyright © their respective owners. For clarity, you retain all of your ownership rights in your Content.
Klingt sauber. Aber seit heute weiß ich, dass diese Regelung nicht so weitgehend ist, wie man als Nutzer vielleicht vermutet.
Der Blogdienst Posterous hat am Mittwoch eine Importaktion für Twitpic-Bilder gestartet. Das USP von Posterous ist es, eine sehr einfach handhabbare Blogplattform bereit zu stellen, die den dort geposteten Content automatisch an Twitter. Facebook, Flickr etc. weiterzuverteilt.
Posterous’ neuer, aggressiver Marketingdreh besteht darin, Importtools für Seiten wie Ning oder Twitpic anzubieten. Das ganze ist Teil einer großangelegten “Switch to Posterous”-Kampagne. Den Switchern verspricht das Unternehmen, alle relevanten Bilder, Texte oder Videos aus ihrem jeweiligen digitalen Altbestand (geplant sind 15 Dienste) zu migrieren.
Da ich ohnehin seit längerem ein Posterous-Blog unterhalte, habe ich versucht, meine derzeit knapp 50 Twitpic-Bilder zu importieren. Sollte kein Problem sein, dachte ich. Sind ja meine Bilder.
Das geht jedoch nicht mehr, denn Twitpic hat den Anwalt von der Leine gelassen und es Posterous untersagt, über die (offene?) API Bilder abzusaugen.
Jetzt könnte ich die Fotos, die sich irgendwo auf meinem Mac befinden, natürlich auch einzeln migrieren, was freilich mühsam ist. Ich würde aber lieber ungehindert meine Eigentumsrechte ausüben, die Twitpic ja bisher nicht bestritten hatte (“you retain all of your ownership rights”).
Posterous fertigt ja nur digitale Kopien an und löscht die Bilddateien, die ich Twitpic zur Verfügung gestellt habe, nicht. Zudem ist Posterous ja von mir mandatiert.
Schon klar, dass Twitpic Angst hat, dass ihnen die User weglaufen. Ist aber ja wohl nicht mein Problem. Ich habe deshalb um Stellungnahme gebeten:
Hey @TwitPic, why won’t you let me move my photos wherever I want? Seems to me this contradicts IP rights & your fine print, too!
Der Fall ist interessant, weil er ein grundsätzliches Dilemma aufzeigt: Jeder dieser Dienste, ob Facebook, Twitpic oder Posterous, hat ein großes Interesse daran, wie ein Schwamm usergenerierten Content aufzusaugen, es dem Nutzer dann aber möglichst schwer (am besten unmöglich) zu machen, diesen wieder zu exportieren. Ich bin gespannt, wie der Fall ausgeht.
Das Ganze ist ein bisschen so, wie wenn ein Self-Storage-Anbieter mir offerierte, meine Bücher und mein Kellergerümpel abzuholen und umsonst feinsäuberlich einzulagern. Und mir später, wenn ich meinen Krempel wieder abholen will, verbietet, mit der Sackkarre in seine Lagerhalle zu fahren oder gar fremde Möbelpacker zu beauftragen.
Neulich war ich auf der Internetkonferenz next10. Die Qualität der Vorträge war durchwachsen, einer lässt mir jedoch keine Ruhe: Der von Ben Hammersley. Der Brite ist Editor at Large bei “Wired” und arbeitet für eine Kreativagentur. Er erzählte von seinen Eindrücken in Sachen iPad.
Allen, die glauben, das iPad werde die Printmedien retten sagt Hammersley: Das Ding macht alles erst einmal noch schlimmer. Warum? Weil es den Konkurrenzdruck massiv erhöht. Schon jetzt ist es ja so, dass der “Kleckersdorfer Anzeiger” wegen des Internet mit der “New York Times”, der BBC sowie Blogs, Youtube, Suchmaschinen etc. konkurrieren muss.
Demnächst, prohezeit Hammersley, werde das iPad dafür sorgen, dass der Wettbewerbsdruck weiter steigt. Dank des Formfaktors und des hervorragenden Displays konvergierten darauf alle Medien. Dann werde noch stärker als bisher gelten, dass Printmedien auch mit TV & Co. im Wettbewerb stehen.
Das tun sie natürlich schon heute. Aber mit dem iPad verhält es sich meiner Ansicht nach ein bisschen wie mit einem Jahrmarkt mit Dutzenden Attraktionen: Jedes mal, wenn der Konsument sein Tablet in die Hand nimmt, wird er sich die Frage stellen, ob er jetzt wirklich Zeitung lesen soll. Oder ob er nicht lieber Comics anschaut, Fernsehen guckt oder Baseballstatistiken wälzt. Das ist nämlich möglicherweise viel kurzweiliger, und nur einen Fingerwisch weit entfernt.
Von der “FAZ” zu RTL umzuswitchen, stellte bisher einen Medienbruch dar. Jetzt funktioniert der Wechsel ohne Unterbrechung. Hammersley formuliert es so:
“You have to make your content really really beautiful. Otherwise you are screwed.”
Wenn er recht hat (ich würde glauben: er hat), muss man sich als Printheini ein bisschen fürchten. Denn Zeitungen oder Newssites sind im besten Fall: klug, originell, überraschend, intellektuell stimulierend, informativ. Aber schön?
Die Nutzer nach Vorstellung der Verlage zudem nicht nur einen Teil ihrer begrenzten iPad-Facetime für digitale Zeitungen reservieren – sie sollen dafür auch noch ordentlich latzen. Wenn man bei gestiegener Konkurrenz also den gleichen bzw. einen noch höheren Preis durchdrücken will, was muss man dann machen?
Eigentlich einfach: Als Tablet-Content kommt nur richtig dicke Suppe in Frage. Denn für Maggi-Fix zahlt erstens keiner und zweitens will die dünne Suppe auch umsonst niemand, wenn der Tisch so opulent gedeckt ist.
Das ist interessant, den zumindest bei Onlinepublikationen ging der Trend in den vergangenen Jahren ganz klar in Richtung immer mehr Geschichten und damit immer mehr Klicks/Visits. Das war für den Nutzer erfreulich, denn er bekam ein umfassenderes, bunteres Nachrichtenangebot. Und “All the news that’s fit to print” ist darüber hinaus ja auch ein hehrer journalistischer Ansatz.
Aber in erster Linie standen hinter dieser Mehr-Logik natürlich steigende Anzeigenerlöse. Klicks ließen sich nach einer jahrelangen Durststrecke plötzlich monetarisieren. Das Phänomen ist aus dem
Printbereich bestens bekannt. Im Jahr 1999 hatte etwa die “Wirtschaftswoche” bis zu 400 Seiten. Die IT-Bibel “The Industry Standard” war damals so dick wie ein Telefonbuch.
Das hatte nichts damit zu tun, dass die Informationsnachfrage oder das Nachrichtenaufkommen gestiegen waren. Sondern schlichtweg damit, dass man irgendwie all die Anzeigen unterbringen musste, mit denen die Kunden die Verlage zupflasterten (ach, damals!).
Nach der gleichen Logik verfuhrendie meisten Onlineseiten während des Werbebooms der Jahre 2005-2008. Mehr Stories; mehr Bildergalerien; mehr mehr.
Wenn die Inhalte aber jetzt “beautiful” werden sollen, wenn die Suppe dicker werden muss, dann kann das ja eigentlich nicht so weiter gehen. Man darf vermuten, dass kaum ein Verlag wegen des iPad 50 zusätzliche Leute einstellt. Die einzige andere Möglichkeit wäre folglich, dass die bestehenden Redaktionen mit der gleich großen Mannschaft weniger, aber dafür schönere Geschichten produzieren. Die man wirklich lesen will. Für die man zu zahlen bereit ist.
Ob das passiert? Ob Weniger das neue Mehr ist? Das wird auf jeden Fall interessant.
Heute bestand Facebook sehr hartnäckig darauf, mein Profil mit neuen “Gemeinschaftsseiten” zu Arbeitgeber, Wohnort und Ausbildungsstätte (SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Uni-Duisburg-Essen) zu verknüpfen.
“Dein Profil besteht jetzt aus Kategorien und ist direkt mit offiziellen sowie Gemeinschaftsseiten über deine Interessen verlinkt. Jetzt kannst du dich in deinem Profil besser ausdrücken und deine Freunde können mehr über dich erfahren, indem sie einfach auf deine Interessen klicken.”
Da geht natürlich gleich wieder die Alarmglocke an – was genau bedeutet das? Laut Facebook werden die verlinkten Informationen irgendwie öffentlich angezeigt, wobei die Formulierung etwas schwammig ist:
“Duch (sic!) das Verlinken deines Profils mit Seiten werden diese Verbindungen öffentlich gemacht.”
Das Prompt-Popup, das mir Facebook dazu vorsetzt, lässt sich nicht wegklicken. Ich muss entweder zustimmen oder die Häkchen wegmachen und abspeichern. Dann erhalte ich allerdings folgende bedrohliche Nachricht:
“Wenn du dein Profil mit keinen Seiten verlinkst, bleiben diese Abschnitte in deinem Profil leer.”
Man kann den Browser schließen, der Prompt verschwindet dann. Langfristig kommt man an der Verlinkung mit Gemeinschaftsseiten aber offenbar nicht vorbei: Wenn ich in meinem Profil (zum Beispiel nach einem Umzug) den Wohnort ändern will, dann muss ich in Zukunft anscheinend einer Verknüfpung zur entsprechenden Gemeinschaftsseite zustimmen – Ausnahmen sind offenbar nicht vorgesehen.
Die Sache mit den Gemeinschaftsseiten habe ich noch nicht völlig überrisssen – es scheint aber so zu sein, dass dort eine automatisierte Suche einläuft, die aus dem Facebook-Gesamtstream passende Posts von Mitgliedern herausfischt und diese für alle Nutzer sichtbar publiziert.
Das heißt wohl im Klartext: Wer z.B. bei Siemens arbeitet und mit der Siemens-Gemeinschaftsseite verknüpft ist, der erscheint dort mit Posts, in denen er sich über Siemens auslässt oder in denen er zu Siemens verlinkt. Alle Facebook-Mitglieder können das dann sehen, nicht nur die eigenen Freunde.
Update (26/05/10): Offenbar sind die Einträge nur dann sichtbar, wenn man seine Pinnwand auf “öffentlich gestellt hat (siehe Kommentare).
Ja, man hat dem irgendwie zugestimmt. Nein, das wird den meisten Menschen nicht klar sein.
Das ist mal wieder typisch Facebook: Unverständlicher Prompt, den man nicht wegklicken kann und der zur umfassenden Freigabe von Infos führt, die man eigentlich nicht mit allen teilen will – ohne wirkliche Alternativen, ohne Erklärung, verbunden mit einer ominösen Löschungsandrohung.
Jeden Tag klicke ich zigfach auf Retweet-, Facebook- sowie diverse andere Rating- und Sharingbuttons – und neuerdings auf den notorischen Like-Button. Zusätzlich lade ich Bilder hoch und verteile sie über Flickr, Posterous und Tumblr. Vielen Seiten habe ich eine Freigabe erteilt, sodass sie meine Aktionen automatisch in meine sozialen Netzwerke posten – Favoriten auf Youtube landen zum Beispiel automatisch in meinem Facebook-Newsfeed.
Das war schon immer kompliziert. Aber nun, das muss ich gestehen, habe ich endgültig den Überblick verloren.
Vielleicht bin ich zu dämlich für Social Media? Oder zu alt? Glaube ich nicht. Seit es Akustikkoppler gibt, hänge ich im Netz, ich blogge, seit zehn Jahren arbeite ich unter anderem für SPIEGEL ONLINE. Ich studiere das Kleingedruckte in den Privatsphäre-Einstellungen, lese täglich Fachpublikationen wie Mashable, schreibe manchmal über Social Media und betreue über zehn Facebook-Pages.
Es gibt bestimmt viele Leute, die bei dem Thema mehr Durchblick haben. Aber, und das soll jetzt nicht großkotzig klingen: Wenn ein Profi wie ich das alles nicht mehr versteht, wie sollen es dann normale User überreißen?
Das Problem wurde mir schlagartig bewusst, als ich Likebutton.me bewunderte, eine Aggregator-Seite, die aus den Handlungen meiner Bekannten im erweiterten sozialen Netz (was inzwischen fast gleichbedeutend ist mit dem Web) eine Übersicht relevanter Inhalte erstellt.
Weiß meine Kollegin, dass ich jetzt weiß, dass sie eine Geschicnte über Pornographie auf Mobiltelefonen gefaved hat? Und was, verdammt nochmal, sehen die Leute dort über meine Aktivitäten im Netz?
Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Ich kann schlichtweg nicht mehr nachvollziehen, welche Implikationen meine Handlungen im Netz haben. Mashables Chefredakteur Peter Cashmore kommentiert ironisch, niemand könne Facebook stoppen, weil niemand mehr verstehe, was Facebook eigentlich tue.
Da hat er wohl recht. Herr Zuckerberg, ich kapituliere! Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob man als User alles verstehen muss. Ich weiß schließlich auch nicht genau, wie meine Mikrowelle funktioniert. Aber die sendet, so hoffe ich, auch keine Daten durch die Gegend.
Bei Google Buzz patzte ich zum ersten Mal und gab, wie Tausende andere auch, kurzfristig die Namen von Menschen preis, mit denen ich in häufigem privaten Mailkontakt stehe; im Falle von Open Graph, Facebooks neuem Personalisierungtool (wenn es das trifft), wird mir möglicherweise ähnliches passieren. Oder vielleicht auch nicht. Ich kann das schlichtweg nicht genau sagen, weil ich die Implikationen des Dienstes bislang noch nicht ausreichend verstehe (obwohl ich ein Dutzend Artikel darüber gelesen habe).
Am Wochenende werde ich mich hinsetzen und die Dokumentation von vorne bis hinten durchlesen. Dann werde ich entscheiden, ob ich das neue Facebook-Tool komplett ausknipse – was übrigens ein grotesk schwieriges Unterfangen ist, siehe diese Anleitung.
Bah! Jetzt muss man für Social Media schon ellenlange Gebrauchsanleitungen studieren – so etwas gab es bislang nur bei Videorekordern und Herz-Kreislauf-Medikamenten. Da liest das Zeug in der Regel keiner. Vermutlich ist genau das auch hier die Intention.
Die Flatrate ist nicht nur ein Tarif – sie ist ein zivilisatorische Errungenschaft. Wem das zu zu sehr nach argumentativer Überhöhung klingt, der erinnere sich an das Pleistozän des Internet. Um 1997 herum saßen wir vor unseren Rechnern und gafften staunend durch ein Fenster namens Netscape in diese interessante neue Welt, oft mit halboffenem Mund und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls. Letzteres kam den frühen Infonauten teuer zu stehen – weil die Verweildauer im Netz damals noch in Telekom-Gesprächseinheiten abgerechnet wurde.
Weil es noch keine Flatrate gab.
In den USA verbreitete sich das Internet damals viel rasanter als in Europa, und einer der Gründe, den Experten immer wieder anführten, war die Flatrate. Amerikaner mussten sich zwar ebenfalls über ein 56K-Modem bei AOL oder Compuserve einnödeln – das Tarifsystem der meisten Baby Bells sah jedoch free unlimited local calls vor, sodass es in den USA von Anfang an egal war, wie lange man im Netz hing und was man herunterlud.
Den Siegeszug des stationären Internets Mitte der nuller Jahre, als jedes Jahr mehr als eine Million Breitbandanschlüsse in Deutschland hinzukamen, begründete wieder die Flatrate. Rückblickend kann man sagen, dass das moderne Web, dieses Ich-hab-Skype-LastFM-und-Youtube-offen-und-saug-derweil-Spielfilme-Internet ohne Flatrate unvorstellbar wäre. Es ist undenkbar, dass die Glotze irgendwann ausgeht, weil man zuviel TV geschaut hat. Und es ist inzwischen genauso undenkbar, dass man mit dem Internet nicht jederzeit soviel Daten austauschen kann, wie für die persönlichen Bedürfnisse erforderlich ist.
Mit dem stationären Internet, wohlgemerkt.
Inzwischen ist das Internet mobil. Millionen von Menschen nutzen es, über iPhone, Blackberry oder Palm. Und der Ausgangspunkt war wieder einmal die Flatrate. Apple hat ein sehr gutes Smartphone entwickelt, aber wichtiger war vielleicht, dass Steve Jobs bei den großen Netzbetreibern erstmalig eine Art Datenflat durchsetzte. Seitdem explodiert die Nutzung des mobilen Internets. Davor war die Sache nicht so richtig in die Gänge gekommen, trotz flächendeckend verfügbarem UMTS-Netz.
Aber diese erfreuliche Entwicklung droht ausgebremst zu werden.
Jahrelang haben sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 gegen das Flatratemodell gesträubt, und sie sträuben sich immer noch. Kaum einer der heute angebotenen Datentarife ist wirklich All-You-Can-Eat; wer zuviel saugt, wird ausgebremst. Derzeit sind die Obergrenzen – zumindest bei T-Mobile und Vodafone – noch so bemessen, dass die Mehrzahl der Nutzer nichts merkt. Nur Hardcore-User bekommen mitunter eine Betreiber-SMS, die sie informiert, dass sie den Rest des Monats mit angezogener Handbremse unterwegs sein werden.
Das wird sich ändern, und zwar schon bald. Denn wir werden in Zukunft viel mehr Daten durch das Handynetz pusten, und unser Kilobyte-Kontingent wird immer öfter schon vor Monatsende aufgebraucht sein. Wir werden unterwegs dauernd Daten saugen. Googles Nexus One zum Beispiel führt wichtige Software Updates über das UMTS-Netz durch – so etwas kostet Bandbreite. Und demnächst kommen Geräte wie Apples iPad auf den Markt, die Dank größerer, besserer Screens in der Lage sind, opulentere Grafiken oder gar HD-Filme anzuzeigen.
Dann wird auf dem mobilen Gerät das gleiche gelten wie bei Rechnern mit DSL: Nämlich, dass ein Datenvolumen von 1000 MB im Monat Killefitz ist. Das reicht nicht einmal für eine einzige “Lost”-Folge aus iTunes (die in HD 1,2 Gigabyte hat). Hinzu kommt, dass Uploads immer wichtiger werden. Mein iPhone wurde von T-Mobile im Dezember erstmalig ausgebremst, und ich vermute, dass es an den zahllosen Facebook- und Posterous-Updates lag, die ich vor Weihnachten hochgeladen habe.
Wenn sich das mobile Internet ungehemmt entwickeln soll, dann brauchen wir echte Flatrates. Das Argument, dass 1000, 1500 oder vielleicht demnächst 2000 MB nun wirklich jedem reichen müssen, zählt nicht. Jede Bremse, jeder Plafond behindert den Fortschritt.
Auszug aus den Tarifen deutscher Mobilfunkbetreiber:
“Ab einem Datenvolumen von 300 MB (Complete S, Complete 120), 1 GB (Complete M, Complete 240) oder 5 GB (Complete L und Complete 1200) wird die Bandbreite im jew. Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.”
“Sie surfen mit der Vodafone SuperFlat Internet unbegrenzt … übers deutsche Vodafone-Netz im Internet. Dafür steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 1 GB pro Abrechnungszeitraum eine Bandbreite von bis zu 7,2 MBit/s zur Verfügung. Ab 1 GB stehen Ihnen höchstens 64 KBit/s zur Verfügung.”
O2 Internet-Pack-M
“Ab einer Datennutzung von über 200 MB pro Abrechnungsmonat steht nur noch GPRS-Bandbreite zur Verfügung.”
E-Plus Handy Internet Flat Option
“Ab einem Datenvolumen von 250 MB im jeweiligen Kalendermonat steht GPRS-Bandbreite (max. 56 kbit/s) zur Verfügung.”
I. If you are a bestselling star novelist, you do not need a publishing company between you and and your readers.
II. If you are brand new, arrogant and avantgarde, you do not want a a publishing company between you and and your readers.
III. Receiving thirty percent of a digital book’s cover price from Amazon feels like theft if you are a publisher.
IV. Receiving thirty percent of a book’s cover price from Amazon feels like a bonanza if you are an author.
V. If you are a reader, you do not care about authors and publishers, analog and digital. You care about good stories.
VI. The first print bastion to fall will not be book, but comic publishers.
VII. Agents und publisher’s long monopoly has convinced them they know what people want to read.
VIII. Agents and publishers do not have an inkling what people want to read.
IX. The length of books does not have anything to do with artistic decisions; it is merely a function of production logic.
X. The second golden age of pulp fiction short stories is upon us.
XI. Newspapers have a size advantage over computer screens; the only advantage books have over e-readers is battery life.
XII. When you can reduce the weight of “War & Peace” by 80 percent, you have got a winner.
XIII. When you can enable people to read “The Adventures Of A Slut” unnoticed in public, you have got a winner.
Note: Okay, I know that the internet is full of manifestos these days. While the idea of adressing issues about the future of media, journalism or the internet through apodictic Moses-style prose seems to be very popular, it also can be extremely preposterous and leaves a lot to be desired; but when you think about what e-readers will do to books (as I have been frequently in the last couple of months) you realize that apart from specific business-model and technology considerations, there are quite a few very fundamental truths (okay, probably too big a word) about the impending book revolution that one might consider to be axiomatic – manifestoish stuff, sort of.
That is to say we do know a few constituting elements of the revolution to come, but not the ramifications – they are known unknowns and unknown knowns in the Rumsfeldian sense. Flatly predicting that the book as we know it will be dead in 10, 20 or 50 years is lacking in humility in my opinion, as is telling publishers precisely what they ought to do. I all sounds too much like another swankypants manifesto to me. So let’s call the above statements observations, not commandments or truths. I hope you have fun with them.
Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.
Gefunden in der SZ vom 7. Dezember 2009
Das ist super. Meine Meinung: Regt Euch nicht so auf, Leute – das Freien-Blog des DJV ist doch einfach großartig!
Warum? Es ist wunderbar Gaga, hat stets viele niedliche Rechtschreibfehler (“möglicherweise ist gut so”) und tolle Metaphern (twittern, “bis das iPhone kracht”) in seinen Texten parat, ventiliert eine Menge megarandseitige Positionen und lässt sich auch durch Maulschellen im Dutzend nicht davon abhalten, weiter zu bloggen.
So viel Standhaftigkeit, soviel Entertainment, und das alles ganz umsonst.
Mir hat die Diskussion auf jeden Fall mal wieder den Tag versüßt. Wenn jetzt der Konken noch etwas Altkluges sagen würde, kurz vor Feierabend, das wäre das Sahnehäubchen.






