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	<title>Tom Hillenbrand &#187; Debatte</title>
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		<title>Buchsponsoring durch Industrielle: Ein Insider packt aus</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 14:26:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als mehrfacher Buchautor möchte ich im Fall &#8220;Maschmeyer bewirbt Wulff&#8221; gerne ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Denn hier wird...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als mehrfacher Buchautor möchte ich im Fall &#8220;Maschmeyer bewirbt Wulff&#8221; gerne ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Denn hier wird etwas hochgekocht, was eigentlich schon lange kalter Kaffee ist. Worum geht es? Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD hat für Wulffs Buch &#8220;Besser die Wahrheit&#8221; Werbung für rund 42.700 Euro spendiert. Manfred Bissinger, Geschäftsführer Corporate Publishing bei Wulffs Verlag Hoffmann und Campe <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,804857,00.html">sagt dazu</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir haben damals verschiedene Unternehmer, unter anderem Carsten Maschmeyer angesprochen, ob sie sich an der Vermarktung des Buchs beteiligen würden. Das ist in der Verlagsbranche üblich und ein absolut normaler Vorgang.&#8221;</p></blockquote>
<p>Und jetzt regen sich da manche auf, das sei ja ungewöhnlich, hanebüchen gar. So etwas sei überhaupt nicht normal, vielmehr habe es ein Geschmäckle. Diesen ahnungslos aufgeregten Leuten rufe ich entgegen: Ihr habt ja überhaupt keine Ahnung, wie die Buchbranche funktioniert.</p>
<p>Es läuft folgendermaßen: Die Verlage haben kein Geld, weil sie jeden Cent an ihre Autoren weitergeben. Es ist folglich völlig logisch, dass sich Verleger oder Lektoren vor Buchveröffentlichungen um Sponsoren bemühen. Fundraising ist deren <em>second nature</em>. Auch das Beuteschema dieser literarischen Mendikanten ist einleuchtend. Es sind nun halt einmal vor allem russische Oligarchen, Kölner Betonbarone und ex-schnauzbärtige niedersächsische Versicherungsmilliardäre, die sich für Literatur interessieren. Das sind Schöngeister, Menschen, die sich daran erfreuen, wenn zarte Prosa ungehemmt erblühen kann.</p>
<p>Vor dem Erscheinen meines ersten Buchs rief der Verlag sieben saudische Scheichs an, neun Dax-Chefs sowie den Sultan von Brunei. Ferner Warren Buffett und Carlos Slim. Dadurch kam genug Geld zusammen, um insgesamt zwölf Mal vor der Tagesschau einen Einminüter schalten zu können. </p>
<p>Und das Tollste daran: Keiner dieser großzügigen Kulturfreunde wollte eine Gegenleistung &#8211; keine Widmung im zweiten Buch, keinen Assistenten des Kommissars mit seinem Namen. Nicht mal ein signiertes Exemplar wollten die haben.</p>
<p>Der Maschmeyer hat übrigens, so kann man <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,804857,00.html">hier</a> nachlesen, bereits andere wesentliche Kulturgüter unterstützt. So hat er angeblich die Rechte an der Biografie Gerhard Schröders erworben. Auch das finden manche jetzt seltsam, doch auch hier kann ich als alter Medienhase Entwarnung geben. Völlig normal. Nur eine Politikerbiografie besitzt der? Lächerlich. Friedrich Karl Flick hatte mindestens zwanzig in der Tasche.</p>
<p><em>Anmerkung: Dieses Blog hat keine Share-Buttons. Wenn Ihnen dieser Text gefällt, können Sie ihn aber gerne ausdrucken und vor dem Hauptbahnhof verteilen. Vielen Dank.</em></p>
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		<title>Fünf Dinge, die man aus den Patzern von Google+ lernen kann</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 07:56:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anfangs war ich, wie die meisten Techies, von Google+ verzaubert. Das Design schien so clean, Facebook wirkte dagegen wie Myspace...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfangs war ich, wie die meisten Techies, von Google+ verzaubert. Das Design schien so clean, Facebook wirkte dagegen wie Myspace anno 2008. Die Idee mit den Circles war hübsch. Und der Umstand, dass meine <a href="http://tom.hn/tomplus">Followerzahl</a> (unergründlicherweise) schneller stieg als der Dax nach einer Leitzinssenkung, bediente meine Eitelkeit.</p>
<p>Inzwischen bin ich eher genervt. Bald ein halbes Jahr gibt es Google+ jetzt. Seitdem warte ich auf jene Features und Upgrades, die das noch etwas unausgegorene Social Network (SN) voll nutzbar machen würden. Hallo Mountain View, kommt da noch was?</p>
<p>Slate hat kürzlich schon einen <a href="http://www.slate.com/articles/technology/technology/2011/11/google_had_a_chance_to_compete_with_facebook_not_anymore_.html">Nachruf auf Google+</a> geschrieben. Halte ich für leicht übertrieben. Ich glaube, es zuckt noch. Aber möglicherweise nicht mehr allzu lange, wenn Google in der Weiterentwicklung dieser guten Idee weiter so uninspiriert und schildkrötenartig vorgeht. Vielleicht wird&#8217;s ja noch. Auf jeden Fall kann man aus den Patzern von Google+ meines Erachtens ein paar Sachen lernen:</p>
<p><strong>1. Beta ist tot:</strong> Alles als Beta zu bezeichnen, das war so eine nerdige Web-2.0-Sache. Auch Google+ wurde als Beta deklariert &#8211; also als mit Fehlern behaftetes Produkt, nicht ausgereift, ohne sämtliche eigentlich notwendigen Feeatures. Irgendjemand bei Google hat da wohl nicht mitgekriegt, dass webbasierte Anwendungen inzwischen ein Massenphänomen sind &#8211; ein Consumer Product. Die Erwartungshaltung des Massenpublikums ist aber, dass ein Produkt von Anfang an perfekt zu sein hat. War es aber nicht. Wer in den Massenmarkt will, muss statt Beta <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsstadium_(Software)#Release_Candidate.2FPrerelease">RTM</a> anbieten. Mindestens.</p>
<p><strong>2. APIs sind Pflicht, nicht Kür:</strong> Die Schnittstellen sollten bei Google+ später kommen. Nach bald einem halben Jahr fehlen sie immer noch. Damit ist die Software ein bisschen wie ein Auto, das man ohne Lenkrad geliefert bekommt &#8211; mit dem Versprechen, das werde irgendwann nachgeliefert. Man kann sich reinsetzen, aber nicht fahren. Und so darf man auf Google+ rumhängen, die antediluvianische Fülle von Einträgen der Herren Scoble und Kawasaki lesen &#8211; zu Posterous, Instagram oder Twitter crossposten kann man nicht. Im Rückblick war es ziemlich arrogant zu glauben, man könne ein neues SN etablieren, dass nicht von Anfang an mit den wichtigsten existierenden Diensten verzahnt ist.</p>
<p><strong>3. Nicht unter dem Industriestandard bleiben:</strong> Man muss nicht der erste sein, sondern nur der beste. Selbst wenn einem das zu phrasenhaft erscheint &#8211; als Angreifer darf Google Plus zumindest nicht unter dem Standard (i.e., Facebook) bleiben. Tut es aber. Die neuen <a href="http://www.google.com/+/business/">Pages</a> sind das beste Beispiel. Es handelt sich um standardisierte Seiten, nach deren Ansicht man sich fragen muss, warum Mountain View für diese lahme Kopie von Facebook Pages über vier Monate gebraucht hat. Offenbar kann man nicht einmal mehrere Admins ernennen, eigenes HTML ist auch nicht.</p>
<p><strong>4. Nicht trödeln:</strong> Apropos Kopieren &#8211; Facebook brauchte nur zehn Wochen, um das Circle-Feature von Google+ zu stibitzen und zu implementieren. Bei Google+ ist über vier Monate nach dem Start featuremäßig noch nichts Wesentliches passiert.</p>
<p><strong>5. Lasst 1000 Blumen blühen:</strong> Wenn man ein komplexes technisches System bereitstellt, ist man oft überrascht, was die User damit anstellen. Das gilt für das gesamte Internet, aber auch für SNs. Als G+-User Accounts mit Pseudonymen oder Firmenseiten anlegten, ging Google sofort dazwischen. Ein Riesenfehler: All jenen,die geglaubt hatten, Google+ sei eine große neue Spielwiese mit dem anarchistischen Potenzial von Twitter, wurde so signalisiert, dass es sich vielmehr um einen Englischen Rasen mit Stiefmütterchen-Rabatten handelt. Eine &#8220;Macht doch,was Ihr wollt&#8221;-Philosophie wäre dem Projekt vermutlich dienlicher gewesen.</p>
<p>Update: Ein sehr guter Artikel über die UI-Probleme von G+ findet sich <a href="http://lemontreepresse.de/google/">hier</a>.</p>
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		<title>Kambrium oder Kollaps?</title>
		<link>http://www.netzfundbuero.de/2011/10/27/kambrium-oder-kollaps/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 10:20:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die gerade viel diskutierte These in Sachen Buchmarkt ist, leicht überspitzt, folgende: Die vordigitalen Verlage vereinen in sich die pathologische...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die gerade viel diskutierte These in Sachen Buchmarkt ist, leicht überspitzt, folgende:</p>
<p><strong><em>Die vordigitalen Verlage vereinen in sich die pathologische Realitätsverweigerung der Musikindustrie und die gnadenlose Selbstüberschätzung der Zeitungsbranche. Deswegen droht ihnen unweigerlich der Tod (nach langem, qualvollen Siechtum).</em></strong></p>
<p>In Kürze wird es dieser These zufolge praktisch gar keine Verlage mehr geben. Nach dem Verlagssterben werden Autoren ihre Buchstaben entweder selbst durch die Datenpipe pusten. Oder Jeff &#8220;The Devourer&#8221; Bezos wird es für sie tun, als erster, einziger und letzter volldigitaler Verleger des Planeten.</p>
<p>Glaub&#8217; ich nicht.</p>
<p>Was sicherlich stimmt, ist, dass Buchverlage so pfadabhängig sind, dass es jedem technologieaffinen Menschen weh tun muss. Als das Ebook noch nicht da war (aber man schon ahnte, das es bald kommen würde), da sagten sie: &#8220;Niemand will Mankell auf einem Bildschirm lesen.&#8221;</p>
<p>Als Amazon <a href="http://venturebeat.com/2011/05/19/kindle-books-surpass-print/ ">mehr Ebooks als Papierbücher verkaufte</a>, erwiderten sie: &#8220;Na und? Ob wir unsere Bücher auf Papier verkaufen oder digital, das ist doch gehupft wie gesprungen.&#8221;</p>
<p>Als Amazon eigene Verlage gründete, erklärten sie: &#8220;Die köcheln auch bloß mit Wasser.&#8221;</p>
<p>All diesen Paraphrasen ist gemein, dass sie als Stichtagsbetrachtungen absolut zutreffen, jedoch von geringer Halbwertzeit sind. Denn wenn einen das Internet eines lehrt, dann ist es das: Das Web ermöglicht es, eine Dienstleistung oder ein Produkt zu niedrigeren Grenzkosten anzubieten als zuvor im Meatspace. Es reißt außerdem stets die Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer nieder. Die Erfahrung lehrt, dass deshalb plötzlich ganz neue Spieler auftauchen. Und die begnügen sich nie damit, das vorhandene, vordigitale Geschäftsmodell zu digitalisieren. Sie erfinden es neu, from the ground up.</p>
<p>Für die etablierten Verlage mag das eine schlechte Nachricht sein, siehe Zeitungsbranche. Aber für die Buchbranche, diese kulturell enorm wichtige Branche, ist es eine großartige. Denn es werden, glaube ich, bald viele neue Verlage entstehen. Sascha Lobo hat sehr richtig erkannt, dass Autoren meist nur schreiben wollen und <a href="http://saschalobo.com/2011/10/25/allgemeine-feststellungen-zur-buchsituation/ ">überhaupt keinen Bock auf den ganzen anderen Kladderadatsch haben</a>, der für ein Buch notwendig ist (mal abgesehen davon, dass sie das meiste davon auch gar nicht könnten, selbst wenn sie es wollten). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man ist als Autor schon allein genug, und einen guten Verlag zu haben, der einen unterstützt und an einen glaubt, ist Gold wert.</p>
<p>Michael Arrington hat bei Techcrunch einst darüber sinniert, <a href="http://techcrunch.com/2009/07/30/what-if-the-new-new-york-times/ ">wie die Kostenstrukturen der NYT aussähen, gründete man sie heute komplett neu</a>. Man kann das gleiche Gedankenspiel für Verlage anstellen. Sobald der Vertrieb volldigital ist (das dauert ja nicht mehr soo lange), dann ändert sich das Spiel völlig: Jeder motivierte junge Verleger kann dann einen geilen kleinen Verlag auf die Beine stellen. Er braucht nur ein paar gute Gehirne und DSL. Er muss sich nicht mehr mit Buchhandelsvertretern oder Druckereien herumschlagen. Er kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Guten Autoren helfen, hervorragende Bücher zu machen und diese dann an den Mann zu bringen.</p>
<p>Ich bin mir sicher, dass es da draußen eine Menge frustrierte Großverlagslektoren  gibt, die genau darüber nachdenken. Genauso wie sich Nachrichtenbereich mit Politico, Techcrunch oder Huffpost komplett neue Spieler etabliert haben, wird es auch bei den Bücher laufen. Mit dem Ergebnis, dass es vielleicht in zehn Jahren mehr Verlage geben wird als heute. Was ziemlich cool wäre. Also bitte nicht zu sehr über Jeff Bezos aufregen. Der hat ja mal gesagt: &#8220;Heutzutage is das Internet so was, wie die Explosion im Kambrium vor 550 Millionen Jahren.&#8221; Vielleicht gibt es ja bald ein Kambrium für Bücher. Am besten gleich einen geilen Verlag gründen. Es gab nämlich nie eine bessere Zeit, Verleger zu werden als heute.</p>
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		<title>Essay: Unsere kulinarischen Therapeuten</title>
		<link>http://www.netzfundbuero.de/2011/04/17/essay-unsere-kulinarischen-therapeuten/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 18:13:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökofood]]></category>
		<category><![CDATA[Cuisine]]></category>
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		<category><![CDATA[Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittelindustrie]]></category>
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		<description><![CDATA[Essensfälschung, Massentierhaltung, Dioxinskandal &#8211; moderne Lebensmittelproduktion ist entsetzlich. Zum Glück gibt es die gastronomische Parallelwelt der Fernsehköche &#8211; als Gegengewicht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/mooshimooshisan/4887946438/" title="What Would Jamie Do? by mooosh ♥ miso funky, on Flickr"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4143/4887946438_5d4cb4bbcc.jpg" width="500" height="375" alt="What Would Jamie Do?" /></a></p>
<p><strong><em>Essensfälschung, Massentierhaltung, Dioxinskandal &#8211; moderne Lebensmittelproduktion ist entsetzlich. Zum Glück gibt es die gastronomische Parallelwelt der Fernsehköche &#8211; als Gegengewicht zur unappetitlichen Realität. Deren Kochshows machen uns nicht zu Besseressern, beruhigen aber unsere nervösen Mägen.</em><br />
</strong></p>
<p>Mit dem Huhn hat Jamie Oliver Aufsehenerregendes vor. Er schmort es in Milch, ein &#8220;echt cooles italienisches Gericht&#8221;. Das Resultat sieht gut aus. Aber schmeckt es auch? Keine Ahnung. Mehrfach habe ich mir auf DVD angeschaut, wie der Brite den Broiler in der Milch versenkt. Ich besitze das Buch zur Sendung, und eine Jamie-Oliver-Pfanne habe ich auch. Nur gekocht, gekocht habe ich das Milchhuhn noch nie. Es ist schon seltsam: In der übersättigten Postmoderne muss zwar keiner mehr kochen &#8211; aber alle möchten andauernd zugucken, wie irgendwo irgendwas gebrutzelt wird. Es gibt derart viele Kochshows, dass man theoretisch den ganzen Tag Küchenpersonal beim Arbeiten zusehen könte.</p>
<p>Nicht selber machen, zuschauen. Man kann das als kulinarischen Voyeurismus geißeln, wie der US-Starkoch Anthony Bourdain. Kochshows hält er für Pornografie: &#8220;Man guckt zu, wie Leute im Fernsehen Dinge machen, die man selbst zu Hause nie tun würde.&#8221;</p>
<p>Alles nur Ersatzbefriedigung? Gucken wir uns die Olivers und Schuhbecks deshalb so gerne an? Wahrscheinlicher ist: Wir schauen so konzentriert hin, damit wir woanders wegschauen können. Wir wollen uns selbst von etwas Unerfreulichem ablenken.</p>
<p>Dieses Etwas ist unsere Nahrungsmittelindustrie. Sie ist zu einem Monster geworden, verachtenswert und unmoralisch. Der gastronomisch-industrielle Komplex foltert und quält millionenfach Hühner und Schweine, damit wir billiges, abgepacktes Fleisch kaufen können. Er rodet indonesische Regenwälder, weil er für seine Schokoriegel neue Palmölplantagen braucht. Möderisch und zerstörerisch, das ist unsere Lebensmittelproduktion. </p>
<p>Gleichzeitig sind Foodkonzerne die kunstvollsten Fälscher unserer Zeit. Das mit Käse gratinierte Buttercroissant von der Bäckerkette enthält weder Käse noch Butter, sondern Rindertalg und Bakterieneiweiß. Und jeder Lebensmittelchemiker weiß, dass der wichtigste Grundstoff für Erdbeerjoghurt nicht Erdbeeren sind. Sondern jene Holzspäne, aus denen das Aroma gewonnen wird.</p>
<p>Es gibt wohl, vielleicht mit Ausnahme der Banken, keine andere Branche, die ihre Kunden im Namen des größtmöglichen Profits dermaßen schamlos betrügt und belügt. Das alles wissen wir, wissen es seit Jahren. Doch wir kauen stoisch weiter. Der Mensch muss ja essen.</p>
<p>Dabei ist uns in unserem Inneren bewusst, dass wir das Monster erst großgemacht haben, mit unserem unstillbaren Hunger nach Tiefkühl-Quattro-Stagione und abgepacktem Leberkäs, das Pfund zu 1,99. Unsere Starköche wissen das auch. Aber sie wollen uns helfen. Nicht, indem sie uns wirklich zu Besseressern erziehen. Sondern indem sie uns mit immer ausgefalleneren kulinarischen Darbietungen erfreuen.</p>
<p>Ihre Kunststückchen haben zwar weder etwas mit der Realität der Verbraucher noch mit jener echter Profiköche zu tun. Aber sie beruhigen unsere nervösen Mägen.</p>
<p>TV-Köche sind unsere gastronomischen Therapeuten. Zur degoutanten Wirklichkeit liefern sie eine delikate Parallelwelt. Vor 65 Jahren, nach dem Krieg, da war die Realität so trist, dass die Menschen im Kino am liebsten Heile-Welt-Schmonzetten mit Heinz Rühmann anschauten. Heute ist unsere Essenswirklichkeit so entsetzlich, dass wir als Ausgleich Jamie Olivers Milchhühnchen brauchen.</p>
<p>Zumindest für eine halbe Stunde, bevor wir uns das nächste Tiefkühl-Backhendl reinziehen.</p>
<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
Dieser Text erschien zuerst in der Wochenendausgabe der österreichischen Zeitung &#8220;Der Standard&#8221;.<br />
</em></p>
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		<title>Die kleine Dotcom-Bubble-Checkliste</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 12:02:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[PaidContent hat einen hübschen kleinen Artikel darüber, wie man einen Dotcom-Blase erkennt. Nun, da Twitter ohne EBIT angeblich 10 Mrd.USD...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>PaidContent hat einen <a href="http://paidcontent.org/article/419-is-the-second-dotcom-bubble-underway-ten-telltale-signs/">hübschen kleinen Artikel</a> darüber, wie man einen Dotcom-Blase erkennt. Nun,<br />
da Twitter ohne EBIT angeblich 10 Mrd.USD wert ist, lohnt es sich, das mal anzuschauen:</p>
<p>»</p>
<blockquote><p>   1. The arrival of a “New Thing” that cannot be valued in the old way. Dumb-money companies start paying over the odds for New Thing acquisitions.</p>
<p>»   2. Smart people identify the start of a bubble; New Thing apostles make ever more glowing claims.</p>
<p>»  3. Startups with founders deemed to have “pedigree” (for example, former employees of New Thing companies) get funded at eye-watering valuations for next to no reason.</p>
<p>»   4. There is a flurry of new investment funds catering for startups.</p>
<p>»  5. Companies start getting funded “off the slide deck” (that is, purely on the basis of their PowerPoint presentations) without actually having a product.</p>
<p>»   6. MBAs leave banks to start up firms.</p>
<p>»   7. The “big flotation” happens.</p>
<p>»  8. Banks make a market in the New Thing, investing pension money.</p>
<p>»   9. Taxi drivers start giving you advice on what stock to buy.</p>
<p>»  10. A New Thing darling buys an old-world company for stupid money. The end is nigh. </p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie Facebook meinen Firmennamen kaperte</title>
		<link>http://www.netzfundbuero.de/2010/12/01/wie-facebook-meinen-firmennamen-kaperte/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 09:31:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cyberspace]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern hatte ich einen Facebook-Moment. Ich mag das Netzwerk, eigentlich, aber mit Facebook-Moment meine ich nichts Positives. Sondern jene Augenblicke,...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="" src="http://comm350.files.wordpress.com/2010/04/facebook-torrent-the-pirate-bay.jpg" class="alignnone" width="570" height="266" /></p>
<p>Gestern hatte ich einen Facebook-Moment. Ich mag das Netzwerk, eigentlich, aber mit Facebook-Moment meine ich nichts Positives. Sondern jene Augenblicke, in denen man merkt, dass einem die Kontrolle über die eigenen Informationen wieder ein bisschen mehr entgleitet. In denen man etwas tut, das man eigentlich gar nicht tun wollte. Wegen Facebook.</p>
<p>In diesem Fall geht es um meine in Gründung befindliche kleine Artikelschmiede, das Textfundbüro. Weil ich bereits viel zu viele Webseiten, Twitter-Accounts und Facebook Pages unterhalte oder administriere, hatte ich mich ganz bewusst dafür entschieden, dass es diesen ganzen Quatsch beim Textfundbüro vorerst nicht geben wird. </p>
<p>Kein Social Media, kein SEO, keine Statusupdates. Stattdessen Visitenkarten aus Papier, eine Telefonnummer und (hoffentlich) ausgeschlafene, schöne Artikel. Sei mal kontrazyklisch, dachte ich mir. <em>Focus on the product.</em> Dieser ganze Quatsch, das lenkt dich nur ab.</p>
<p>Dann beging ich den dämlichen Fehler, Mark Zuckerberg von der Sache zu erzählen. </p>
<p>Das meine ich natürlich im übertragenen Sinne. Ich trug in meinem Facebook-Profil den Namen meiner neuen Firma ein. Ich dachte nicht groß darüber nach, ich tat es einfach, doofer Formularausfüllzombie, der ich manchmal bin. </p>
<p>Zwei Stunden später sah ich, dass mein Freund O. das Textfundbüro auf Facebook geliked hatte. Ich klickte auf den Link. Der führte zu einer Facebook-Page. Ich war verdutzt. Wieso hat mein Journalistenbüro eine Facebook-Page? Habe ich die angelegt? </p>
<p>Jein. Die wird bei der Eingabe eines neuen &#8220;Arbeitgebers&#8221; im Facebook-Profil offenbar automatisch generiert, sofern die Firma noch nicht in der Datenbank ist.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/hilli/5220715639/" title="Facebook-Admin by netzfundbuero, on Flickr"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4138/5220715639_808e11bf14.jpg" width="500" height="314" alt="Facebook-Admin" /></a></p>
<p>Da schwirrte sie also plötzlich durchs Netz, die ungewollte Fanseite meiner neuen Marke &#8211; hässlich, herrenlos, leer, unadministriert. Rasch beantragte ich die Adminrechte für das Textfundbüro &#8211; bevor es jemand anders tut.</p>
<p>Dafür musste ich ein Formular ausfüllen und Facebook gegenüber erklären, dass ich, der Inhaber des Textfundbüros, dazu autorisiert bin, das Textfundbüro zu vertreten. An Eides Statt.</p>
<p>Das ist doch Scheiße. Wieso sitze ich hier vor meinem Rechner und muss irgendwelchen Typen in Kalifornien darlegen, dass ich die Seite meiner eigenen Firma, die ohne meine Wissen (oder meinetwegen: aufgrund meines Unwissens) automatisch angelegt wurde, verwalten und hoffentlich bald wieder löschen darf (so wahr mir Gott helfe)?</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/hilli/5221314140/" title="Facebook-Admin by netzfundbuero, on Flickr"><img src="http://farm6.static.flickr.com/5166/5221314140_5000fb947e.jpg" width="500" height="408" alt="Facebook-Admin" /></a><br />
<a href="http://www.flickr.com/photos/hilli/5221314240/" title="Facebook-Admin by netzfundbuero, on Flickr"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4148/5221314240_9830d53770.jpg" width="500" height="358" alt="Facebook-Admin" /></a></p>
<p>Dienstag, 02.12.10, 16.15 Uhr &#8211; Nach der abgeschlossenen Eingabe beim Amt für soziale Vernetzung (i.e. Facebook) warte ich darauf, dass Facebook mir die Adminrechte für das Textfundbüro gnädigerweise gestattet.</p>
<p>Dienstag, 02.12.10, 16.28 Uhr &#8211; Ich habe nun ein Email erhalten, via enthaltenem Link meine Emailadresse bestätigt und harre fürderhin der weiteren Prüfung meines Antrags.</p>
<p>Dienstag, 29.03.11 &#8211; The Zucks Mühlen mahlen langsam, aber: Heute, vier Monate nach meiner Anfrage, hat Facebook mir eine Antwort auf meine Admin-Anfrage geschickt. Am Wording kann man erahnen, dass sich da jemand sehr gründlich mit der Sache befasst hat:</p>
<blockquote><p>Unfortunately, after further review, you did not meet the requirements to take over the Page in question. At this time we will not be able to provide you admin rights to this Page. We apologize for any inconvenience this may cause.</p>
<p>For more information about this feature, as well as answers to frequently asked questions, please visit Facebook&#8217;s Help Center by clicking the link below:</p>
<p>http://www.facebook.com/help/?page=175</p></blockquote>
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		<title>Abschiedsbrief: Hamburg, keine Perle</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 09:19:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
				<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialgeographie]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Du Hamburg, wir müssen mal reden. Jetzt guck nicht so überrascht, Du ahnst doch eh schon, dass dieses Gespräch auf...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/hilli/4416194579/" title="Old School by netzfundbuero, on Flickr"><img src="http://farm3.static.flickr.com/2717/4416194579_fa103f5cb6.jpg" width="500" height="375" alt="Old School" /></a></p>
<p>Du Hamburg, wir müssen mal reden. Jetzt guck nicht so überrascht, Du ahnst doch eh schon, dass dieses Gespräch auf Dich zukommt. Also. Wie soll ich anfangen?</p>
<p>Ich bin hier geboren, der Herbert würde sagen: Ich komm aus Dir. Als ich dann ins Ruhrgebiet musste, zum Studium, da hat das anfangs sehr weh getan. Immer wenn ich am Hauptbahnhof in den Intercity stieg und über Deine Elbbrücken ratterte, einen letzten Blick auf Hafen und Landungsbrücken erhaschend, dann musste ich heulen.</p>
<p>Wenn ich heute in die Bahn steige, lässt mich das kalt. Ich habe keine feuchten Augen. Eher freue ich mich, mal eine von den anderen zu sehen. Berlin etwa, die viel aufregender ist als Du. Essen, die authentischer ist. Oder München, wo die Sonne scheint.</p>
<p>Ja klar, das mit dem Wetter, das findest Du jetzt unfair, aber nun hab ich’s eh schon angeschnitten, also raus damit. Hamburg, Dein Wetter ist zum Kotzen. Es ist unerträglich. Früher hat mir das nicht so viel ausgemacht. Wenn man 20 ist, dann verbringt man ja auch bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Tag drinnen oder verschwendet laue Sommernächte in finsteren, verrauchten Clubs.</p>
<p>Aber wenn man älter wird, weißt Du Hamburg, dann giert man nach Licht, nach dem Blau des Himmels. Jetzt haben wir November, seit Tagen schifft es, der Himmel über Dir ist dicht bewölkt, man kann die Sonne hinter dieser grauen Suppe nicht einmal erahnen. Und ich weiß, das bleibt jetzt so, bis April.</p>
<p>Wie mies Dein Wetter ist, erkennt man auch  daran, wie abgehärtet Deine Bürger sind. Sie halten jeden fahlen Sonnenstrahl für ein Gottesgeschenk. Sobald die Außentemperatur über 8 Grad steigt, drängen sie in die Straßencafés. Und in wohl keiner anderen Stadt der Welt käme man auf die Idee, ein Volksfest im November zu veranstalten. Niemand will mit einer nassen Zuckerwatte in der Hand bei eisigem Wind Achterbahn fahren. Nur die Hamburger, die trotten brav in ihren Öljacken über Deinen Winterdom.</p>
<p>Ein bisschen Schlechtwetter ist kein Trennungsgrund, sagst du? Das stimmt wohl. Aber ich bin auch noch lange nicht fertig. Der Dauerdüsterregen ist ja nur eine von ganz vielen Sachen.</p>
<p>Eine andere ist Deine Großspurigkeit. Es heißt immer, Hamburg und seine Bewohner seien besonders zurückhaltend, sprächen nicht über Ihr vieles Geld, neigten zum Understament. Aber das stimmt nicht. In Wahrheit sind die Hanseaten borniert und größenwahnsinnig</p>
<p>Als ich nach dem Studium wieder herzog, ins randseitige Rahlstedt, da quittierte das eine Bekannte mit süffisantem Lächeln und dem Satz: “Wirklich? Also ich hab’ noch nie außerhalb der Stadt gewohnt.” Nie seinen Hintern aus Eimsbüttel rausbewegt und auch noch stolz darauf. So sind sie, Deine Bürger, provinziell und selbstgerecht. Halten ihre Stadt für den Nabel der Welt. Dabei ist sie nicht einmal der Nabel der Republik.</p>
<p>“Weltstadt an der Elbe”. Glaubst Du diesen Scheiß wirklich? Warst Du schon mal in London, Paris oder New York &#8211; oder einfach nur in Berlin? Dann wäre Dir klar, dass Du kein besonders heißer Feger bist, schon gar keine “Metropole”. Im globalen Maßstab gehst Du als bessere Landpomeranze durch. Aber als Weltstadt? Du bist bestenfalls das Bielefeld unter den Weltstädten.</p>
<p>Wenn man sich einmal zu dieser Erkenntnis durchgerungen hat, dann fängst Du erst so richtig an zu nerven, mit Deinem selbstgefälligen Lokalpatriotismus. Dann wird einem schlecht, wenn irgendeine besoffene Menge bei Dom oder Hafengeburtstag “Hamburg, meine Perle&#8221; gröhlt. Immer wieder muss ich mir von dümmlich verliebt grinsenden Einheimischen erzählen lassen, Du seist “die schööiinste Stadt der Welt”. </p>
<p>Sicher, ein paar Ecken von Dir sind wirklich nett: Das Rathaus, die Außenalster, Planten und Blomen, der Stadtpark.</p>
<p>Aber warum, glaubst du wohl, ist es dort bei gutem Wetter so unfassbar voll? Weil der Rest Deiner 750 Quadratkilometer nicht weiter der Rede wert ist, deshalb. Die Leute ballen sich an jenen wenigen schönen Flecken, denen die raumgreifende Ödnis des unfassbar grauen Hamburger Ostens gegenübersteht. Der Nordwesten, mit Eidelstedt oder Schnelsen, ist ebenfalls total verbaut und nicht viel schöner als Gelsenkirchen oder Bottrop.</p>
<p>Und während man aus München oder Frankfurt, letztere beileibe keine Schönheit, zumindest ins Umland flüchten kann, gibt es für Deine Bewohner kein Entrinnen: Um Dich herum existieren nur Sumpfgebiete wie Pinneberg oder Norderstedt. Dort gibt es absolut nichts.</p>
<p>Jetzt wirst Du sagen, dass man Menschen und auch Städte so nehmen muss, wie sie eben sind. Hast&#8217; einen Punkt. Du kannst ja nichts für den Regen, und für Wandsbek-Ost kannst Du eigentlich auch nichts. Was ich Dir aber wirklich übelnehme ist, dass Du in den letzten Jahren angefangen hast, mich immer schlechter zu behandeln.</p>
<p>Das passiert ja manchmal, wenn man lange zusammen ist und den anderen für selbstverständlich nimmt, aber Du hast es echt zu weit getrieben. Andere Städte geben sich richtig Mühe, es ihren Bürgern nett zu machen. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass man mit dem Fahrrad fahren kann, ohne täglich den Unfalltod zu riskieren. Du nicht. Ich habe gehört, dass Du kommendes Jahr “Green Capital Of The World” wirst. Ist das ein Witz? Mit wem musstest Du dafür ins Bett gehen? Genausogut könnte man Berlin zur “Freundlichsten Metropole der Welt” küren.</p>
<p>Noch ein Beispiel gefällig? Du arbeitest seit längerem daran, zur kinderfeindlichsten Stadt Deutschlands zu werden. Deine Kitaplätze, ohnehin zu dünn gesäht, kosten jetzt über 500 Euro. Du hast das Essensgeld in Kindergärten und Schulen auf einen Schlag um 60 Prozent erhöht. </p>
<p>Deine Spielplätze sind vergammelt. Du würdest gerne die Elternschulen schließen, den schulärztlichen Dienst streichen, die Verkehrserziehung eindampfen und das Altonaer Muesum plätten &#8211; während Du gleichzeitig am Hafen für über 300 Millionen Euro Deine Philharmonie baust. Ja, das passt zu Dir: Das kleine Museum, das keinen Touristen interessiert, das Deine Bürger aber lieben, machst Du dicht. Die Philharmonie, die den Bürgern schnurz ist, bei Besuchern aber für ein großes “Ahh” sorgt, für die hast Du Geld.  </p>
<p>Früher rümpftest Du über Düsseldorf und München die Nase, weil die sich immer so aufgedonnert haben. Heute hast Du selber nichts anderes mehr im Kopf als die Frage, wie Du die Blicke anderer auf Dich ziehen kannst. Protzig bist Du geworden, prunksüchtig und oberflächlich. </p>
<p>Davon verstehe ich nichts? Das nennt man Standortmarketing, sagst Du? Hör mir bloß mit diesem Sermon auf, den hab ich schon so oft von Dir gehört. Ich weiß, Du bist unheimlich stolz auf Deine ganzen Events. Und darauf, dass Deine Hotelübernachtungen um fast 30 Prozent gestiegen sind. Merkt man. Wenn ich im Sommer durch Deine City laufe, dann ist alles voll mit schwäbelnden Rucksackträgern in Funktionswesten. Und später wenn ich schlafen will, kriege ich kein Auge zu, weil aus der Stadt der Feuerwerkslärm herüberschallt und die Schiffshörner vom Fluss heraufdröhnen.</p>
<p>Gratuliere, Hamburg, Du hast es geschafft. Du bist zum Elb-Disneyland geworden, zum Hansepark. Alle Bielefelder besuchen Dich, weil sie das Bielefeld der Weltstädte sehen wollen. Tarzan-Musical, Reeperbahn-Bummel und dann ein kleiner Ausflug ins pittoreske Schanzenviertel &#8211; nebst Abendessen bei Tim Mälzer</p>
<p>Klingt verbittert, meinst Du? Ich bin ja nur neidisch auf Deinen Erfolg? Ach Hamburg, Du hast überhaupt nichts kapiert. Du bist bornierter als eine Pöseldorfer Perlenketten-Elblette.</p>
<p>Touristen kommen und gehen, also freu Dich nicht zu früh. Das einzige, was Du dauerhaft erreicht hast, ist, Deine Bürger zu vergrätzen. Deine Leute! Die Dich immer verteidigt haben. Die immer eine Niederschlagsstatistik zur Hand hatten, wenn die Münchner Dich wegen Deines Wetters verspotteten. Die immer eine Liste namhafter Künstler herunterrattern konnten, wenn mal wieder ein Berliner behauptete. “Hamburg? Da ist doch nichts.”</p>
<p>Für <em>die</em> müsstest Du mal Standortmarketing machen. Mit bezahlbaren Wohnungen. Mit Angeboten für Familien. Ist Dir eigentlich bewusst, dass ein Krippenplatz in Hamburg fast dreieinhalb mal so viel kostet wie in München?</p>
<p>Was ich da mache? Wie sieht es denn aus? Ich packe. Ich ziehe irgendwo hin, wo die Sonne scheint. Ich suche mir eine Stadt, die sich freut, dass ich in ihr wohne. Und ich glaube, ich werde nicht der einzige sein, der abhaut.</p>
<p>Du hattest irgendwann mal diese Idee mit der “Wachsenden Stadt”, wolltest zwei Millionen Einwohner. Was Du allerdings nicht kapiert hast, Hamburg: Man muss nicht nur Neubürger dazugewinnen, sondern auch dafür sorgen, dass die Bestandskunden nicht durchbrennen. Genau das passiert einem aber, wenn man sich so verhält wie Du.</p>
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		<title>Google-Eric, der fiese Eisverkäufer</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 15:32:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein taiwanesisches News-Outlet dämonisierte Google (anders kann man es nicht nennen) kürzlich in diesem Video. Jetzt legen US-Verbraucherschützer noch einen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein taiwanesisches News-Outlet dämonisierte Google (anders kann man es nicht nennen) kürzlich<a href="http://www.netzfundbuero.de/2010/08/18/endlich-mehr-sachlichkeit-streetview-als-video/"> in diesem Video</a>. Jetzt legen US-Verbraucherschützer noch einen drauf.</p>
<p>Consumer Watchdog fordert, dass der Kongress eine &#8220;Do not track me&#8221;-Liste einführt. Mehr bei <a href="http://www.wired.com/threatlevel/2010/09/google-mocked/">Wired</a>.</p>
<p><object width="500" height="306"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/--Ckz_O6oE0?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/--Ckz_O6oE0?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="306"></embed></object></p>
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		<title>Facebook Places? Facebook Things!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 12:23:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren waren RFID-Chips ein großes Thema, und eine Prognose lautete, durch das Taggen von Alltagsgegenständen werde das sogenannte...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,262757,00.html">waren RFID-Chips ein großes Thema</a>, und eine <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,262218,00.html">Prognose </a>lautete, durch das  Taggen von Alltagsgegenständen werde das sogenannte &#8220;internet of things&#8221; entstehen: Kühlschränke, die mit Milchtüten kommunizieren, Fußbälle, die mit Torpfosten Daten austauschen und so weiter.</p>
<p>Der Erfolg von RFID war zwar bislang überschaubar &#8211; aber dieses Experiment im Coca-Cola-Village, einem israelischen Vergnügungspark für Teenager, zeigt, was man mit RFID noch so alles anstellen könnte.</p>
<p>An zahlreichen Objekten des Parks wurden Like-Schilder angebracht &#8211; die Besucher haben RFID-Armbänder, die mit ihrem Facebook-Login verknüft sind und können so Objekte direkt faven, was dann in ihrem Stream abgebildet wird.</p>
<p>Interessantes, sicher ausbaufähiges Konzept. Vielleicht ist Facebook Places nur ein Vorläufer von … Facebook Things?</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="306" src="http://www.youtube.com/embed/e-GLJfGfDT8?hl=de_DE" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Via <a href="http://www.digitalbuzzblog.com/facebook-integration-at-the-coca-cola-village/">Digital Buzz Blog</a></p>
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		<title>Banal, aber genial</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 11:59:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Social-Media-Nutzung als Film: logged in from josh schaub on Vimeo.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Social-Media-Nutzung als Film:</p>
<p><object width="500" height="300"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="movie" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=12176420&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=&amp;fullscreen=1&amp;autoplay=0&amp;loop=0" /><embed src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=12176420&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=&amp;fullscreen=1&amp;autoplay=0&amp;loop=0" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" width="500" height="300"></embed></object>
<p><a href="http://vimeo.com/12176420">logged in</a> from <a href="http://vimeo.com/user2182974">josh schaub</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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