Tom Hillenbrand’s Netzfundbüro

13 Observations about the E-Book Revolution

28 February 2010 — Debatte, Medienmassaker, Wirtschaft, Kultur, Printen, E-Book / E-Reader

I. If you are a bestselling star novelist, you do not need a publishing company between you and and your readers.

II. If you are brand new, arrogant and avantgarde, you do not want a a publishing company between you and and your readers.

III. Receiving thirty percent of a digital book’s cover price from Amazon feels like theft if you are a publisher.

IV. Receiving thirty percent of a book’s cover price from Amazon feels like a bonanza if you are an author.

V. If you are a reader, you do not care about authors and publishers, analog and digital. You care about good stories.

VI. The first print bastion to fall will not be book, but comic publishers.

VII. Agents und publisher’s long monopoly has convinced them they know what people want to read.

VIII. Agents and publishers do not have an inkling what people want to read.

IX. The length of books does not have anything to do with artistic decisions; it is merely a function of production logic.

X. The second golden age of pulp fiction short stories is upon us.

XI. Newspapers have a size advantage over computer screens; the only advantage books have over e-readers is battery life.

XII. When you can reduce the weight of “War & Peace” by 80 percent, you have got a winner.

XIII. When you can enable people to read “The Adventures Of A Slut” unnoticed in public, you have got a winner.

Note: Okay, I know that the internet is full of manifestos these days. While the idea of adressing issues about the future of media, journalism or the internet through apodictic Moses-style prose seems to be very popular, it also can be extremely preposterous and leaves a lot to be desired; but when you think about what e-readers will do to books (as I have been frequently in the last couple of months) you realize that apart from specific business-model and technology considerations, there are quite a few very fundamental truths (okay, probably too big a word) about the impending book revolution that one might consider to be axiomatic - manifestoish stuff, sort of.

That is to say we do know a few constituting elements of the revolution to come, but not the ramifications - they are known unknowns and unknown knowns in the Rumsfeldian sense. Flatly predicting that the book as we know it will be dead in 10, 20 or 50 years is lacking in humility in my opinion, as is telling publishers precisely what they ought to do. I all sounds too much like another swankypants manifesto to me. So let’s call the above statements observations, not commandments or truths. I hope you have fun with them.

Bahngeschichten: Wenn der Lokfürer seinen Zug nicht findet

23 February 2010 — News, Tests, Debatte, Wirtschaft, Mobilität, Autos auf Schienen

Altona Freight Yard • Pool "Effect"

Wie die Deutsche Bahn funktioniert - oder genauer gesagt, wie sie nicht funktioniert - das ist mir als Fahrgast häufig ein Mysterium. Neulich, bei einer Fahrt von Hamburg nach Frankfurt konnte ich durch ein Gespräch mit einem Lokführer allerdings einige interessante Einblicke in das Chaos hinter den Kulissen gewinnen.

Mein Zug sollte morgens von Hamburg-Altona nach Frankfurt fahren. Der Zug wird in Altona eingesetzt, wie das im Bundesbahnerdeutsch heißt, weswegen er eigentlich keine Verspätung haben sollte.

Der Zug war zur Abfahrtszeit aber nicht da. Das irritierte mich. Der Lokführer, der neben mir in der Kälte stand, war deutlich gelassener.

“Wo ist der Zug denn?”, fragte ich. “Und wenn der Zug nicht hier ist, wieso sind sie es?”

Der Zug, erklärte er mir, stehe in einem Depot. Es gibt zwei davon eines an der S-Bahn-Haltestelle Elbgaustraße und eines in Langenfelde. Es gibt einen Menschen, der dafür zuständig ist, die geparkten Züge nach Altona oder in einen der anderen Hamburger DB-Bahnhöfe zu verbringen und sie dort dem Lokführer zu übergeben.

Dummerweise, so der Lokführer, werden die Züge mitunter verparkt. Da komme man dann frühmorgens in der Elbgaustraße an und bekomme vom Depotwächter beschieden, der fragliche ICE sei nicht hier.

“Und dann? Kann die Leitstelle den Zug lokalisieren?”, fragte ich.

“Nö”, erwiderte er. “Dann geht man wieder zur S-Bahn, fährt zum anderen Depot und guckt halt da mal.”

So etwas könne ein halbes Stündchen dauern, mitunter länger - das wisse man vorher nie sogenau. Entsprechend sei auch die gelautsprecherte Ansage, dass sich der ICE nach Frankfurt um 15 Minuten verspäte, bloße Mutmaßung. Das sei eine Schätzung, die der Gleisansager aus der la main macht.

Wir plauderten etwa eine halbe Stunde und schauten auf das zugeschneite Gleisbett. “Holen wir unsere Verspätung wieder auf?”, fragte ich. “Nie im Leben”, sagte er. “Wir fahren bei der Kälte nämlich nur 150.”

“Jetzt frag’ ich doch mal nach”, sagte der Lokführer und nahm sein Handy aus der Tasche. Eigentlich, schob er erklärend nach, müsste irgendjemand ihn schon vor einer halben Stunde darüber informiert haben, wo denn der Zug bleibe.

Das schien mir keine überzogene Erwartungshaltung zu sein. Schließlich sollte der Mann den Zug ja fahren. Ich sagte etwas in diese Richtung, aber der Lokführer schüttelte den Kopf. “Uns Bescheid sagen, das machen die kaum noch.”

Der Lokführer telefonierte mit der Leitstelle. “Auf den Zug können wir hier lange warten”, sagte er. “Der ist gerade auf einem abweichenden Gleis eingefahren.”

Eine entsprechende Durchsage hatte es nicht gegeben. Aber wenn man nicht einmal den eigenen Lokführer über den Verbleib seines Zuges informiert, warum sollte man dann seine Fahrgäste ins Vertrauen ziehen?

Nachtrag: Eine Stunde nach der offiziellen Abfahrtszeit überquerten wir die Elbbrücken. Der Zug von Frankfurt nach Hamburg fuhr hingegen pünktlich ab. Dafür blieb er allerdings in Harburg liegen.

Foto: Alter Altonaer Güterbahnhof. by realityscans

Warum wir echte Mobil-Flatrates brauchen

5 February 2010 — Debatte, Telcos, Social Media

Die Flatrate ist nicht nur ein Tarif - sie ist ein zivilisatorische Errungenschaft. Wem das zu zu sehr nach argumentativer Überhöhung klingt, der erinnere sich an das Pleistozän des Internet. Um 1997 herum saßen wir vor unseren Rechnern und gafften staunend durch ein Fenster namens Netscape in diese interessante neue Welt, oft mit halboffenem Mund und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls. Letzteres kam den frühen Infonauten teuer zu stehen - weil die Verweildauer im Netz damals noch in Telekom-Gesprächseinheiten abgerechnet wurde.

Weil es noch keine Flatrate gab.

In den USA verbreitete sich das Internet damals viel rasanter als in Europa, und einer der Gründe, den Experten immer wieder anführten, war die Flatrate. Amerikaner mussten sich zwar ebenfalls über ein 56K-Modem bei AOL oder Compuserve einnödeln - das Tarifsystem der meisten Baby Bells sah jedoch free unlimited local calls vor, sodass es in den USA von Anfang an egal war, wie lange man im Netz hing und was man herunterlud.

Den Siegeszug des stationären Internets Mitte der nuller Jahre, als jedes Jahr mehr als eine Million Breitbandanschlüsse in Deutschland hinzukamen, begründete wieder die Flatrate. Rückblickend kann man sagen, dass das moderne Web, dieses Ich-hab-Skype-LastFM-und-Youtube-offen-und-saug-derweil-Spielfilme-Internet ohne Flatrate unvorstellbar wäre. Es ist undenkbar, dass die Glotze irgendwann ausgeht, weil man zuviel TV geschaut hat. Und es ist inzwischen genauso undenkbar, dass man mit dem Internet nicht jederzeit soviel Daten austauschen kann, wie für die persönlichen Bedürfnisse erforderlich ist.

Mit dem stationären Internet, wohlgemerkt.

Inzwischen ist das Internet mobil. Millionen von Menschen nutzen es, über iPhone, Blackberry oder Palm. Und der Ausgangspunkt war wieder einmal die Flatrate. Apple hat ein sehr gutes Smartphone entwickelt, aber wichtiger war vielleicht, dass Steve Jobs bei den großen Netzbetreibern erstmalig eine Art Datenflat durchsetzte. Seitdem explodiert die Nutzung des mobilen Internets. Davor war die Sache nicht so richtig in die Gänge gekommen, trotz flächendeckend verfügbarem UMTS-Netz.

Aber diese erfreuliche Entwicklung droht ausgebremst zu werden.

Jahrelang haben sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 gegen das Flatratemodell gesträubt, und sie sträuben sich immer noch. Kaum einer der heute angebotenen Datentarife ist wirklich All-You-Can-Eat; wer zuviel saugt, wird ausgebremst. Derzeit sind die Obergrenzen - zumindest bei T-Mobile und Vodafone - noch so bemessen, dass die Mehrzahl der Nutzer nichts merkt. Nur Hardcore-User bekommen mitunter eine Betreiber-SMS, die sie informiert, dass sie den Rest des Monats mit angezogener Handbremse unterwegs sein werden.

Das wird sich ändern, und zwar schon bald. Denn wir werden in Zukunft viel mehr Daten durch das Handynetz pusten, und unser Kilobyte-Kontingent wird immer öfter schon vor Monatsende aufgebraucht sein. Wir werden unterwegs dauernd Daten saugen. Googles Nexus One zum Beispiel führt wichtige Software Updates über das UMTS-Netz durch - so etwas kostet Bandbreite. Und demnächst kommen Geräte wie Apples iPad auf den Markt, die Dank größerer, besserer Screens in der Lage sind, opulentere Grafiken oder gar HD-Filme anzuzeigen.

Dann wird auf dem mobilen Gerät das gleiche gelten wie bei Rechnern mit DSL: Nämlich, dass ein Datenvolumen von 1000 MB im Monat Killefitz ist. Das reicht nicht einmal für eine einzige “Lost”-Folge aus iTunes (die in HD 1,2 Gigabyte hat). Hinzu kommt, dass Uploads immer wichtiger werden. Mein iPhone wurde von T-Mobile im Dezember erstmalig ausgebremst, und ich vermute, dass es an den zahllosen Facebook- und Posterous-Updates lag, die ich vor Weihnachten hochgeladen habe.

Wenn sich das mobile Internet ungehemmt entwickeln soll, dann brauchen wir echte Flatrates. Das Argument, dass 1000, 1500 oder vielleicht demnächst 2000 MB nun wirklich jedem reichen müssen, zählt nicht. Jede Bremse, jeder Plafond behindert den Fortschritt.

Dafür muss man die Netzbetreiber vielleicht allmählich sensibilisieren. Deshalb gibt es den 1. Deutschen Downloadtag (Facebook-Link).

Dessen Idee ist simpel: Wie wäre es, wenn jeder mobile Surfer am 1. März 2010 um 12 Uhr mittags anfängt, etwas herunterzuladen? Das würde den Mobilfunkbetreibern vielleicht einen kleinen Hinweis geben, dass sie ihre Tarifstruktur mittelfristig überdenken müssen.

Tinylink: tiny.cc/downloadtag

Auszug aus den Tarifen deutscher Mobilfunkbetreiber:

T-Mobile iPhone

“Ab einem Datenvolumen von 300 MB (Complete S, Complete 120), 1 GB (Complete M, Complete 240) oder 5 GB (Complete L und Complete 1200) wird die Bandbreite im jew. Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.”

Vodafone SuperFlat Internet

“Sie surfen mit der Vodafone SuperFlat Internet unbegrenzt … übers deutsche Vodafone-Netz im Internet. Dafür steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 1 GB pro Abrechnungszeitraum eine Bandbreite von bis zu 7,2 MBit/s zur Verfügung. Ab 1 GB stehen Ihnen höchstens 64 KBit/s zur Verfügung.”

Internet-Pack-M

“Ab einer Datennutzung von über 200 MB pro Abrechnungsmonat steht nur noch GPRS-Bandbreite zur Verfügung.”

E-Plus Handy Internet Flat Option

“Ab einem Datenvolumen von 250 MB im jeweiligen Kalendermonat steht GPRS-Bandbreite (max. 56 kbit/s) zur Verfügung.”

Desaströses Timing: Renaults Peugeots Vollgas-Werbung zum Klimagipfel

7 December 2009 — News, Debatte, Autos, Energie, Wirtschaft, Werbung, Carmageddon

Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.

Gefunden in der SZ vom 7. Dezember 2009

Den Post des Tages liefert mal wieder der DJV

2 December 2009 — Debatte, Medienmassaker, Social Media, Printen

Das ist super. Meine Meinung: Regt Euch nicht so auf, Leute - das Freien-Blog des DJV ist doch einfach großartig!

Warum? Es ist wunderbar Gaga, hat stets viele niedliche Rechtschreibfehler (”möglicherweise ist gut so”) und tolle Metaphern (twittern, “bis das iPhone kracht”) in seinen Texten parat, ventiliert eine Menge megarandseitige Positionen und lässt sich auch durch Maulschellen im Dutzend nicht davon abhalten, weiter zu bloggen.

So viel Standhaftigkeit, soviel Entertainment, und das alles ganz umsonst.

Mir hat die Diskussion auf jeden Fall mal wieder den Tag versüßt. Wenn jetzt der Konken noch etwas Altkluges sagen würde, kurz vor Feierabend, das wäre das Sahnehäubchen.

Wie die Zeitungsbranche ihr Debüt auf Amazons Kindle versemmelt

10 November 2009 — Tests, Debatte, Medienmassaker, Wirtschaft, Werbung, Printen, Supergeek, E-Book / E-Reader

Seit etwa zwei Wochen besitze ich einen Amazon Kindle. Als elektrisches Buch macht er mir viel Freude. Zurzeit nehme ich meinen Kindle allabendlich mit ins Bett und lese auf ihm “Conan the Cimmerian”.

Nur als Zeitung ist er eine große Enttäuschung.

E-Reader sollen, das hoffen zumindest viele Verlagsmanager, die Zeitung retten. Auf den ersten Blick erschien mir das Gerät als Papierersatz recht viel versprechend. Auf dem Kindle gibt es derzeit 56 Zeitungen, darunter “New York Times”, “Mainichi Shinbun” und “Le Monde”.

Die Titel kann man einzeln kaufen oder abonnieren. Dazu reicht ein Klick, die Zeitung wird dann über die Mobilfunkverbindung des Kindle binnen Sekunden auf das Gerät gepusht.

Dass Menschen für ihre NYT wieder zwei Dollar berappen, statt sie umsonst im Netz zu lesen, ist natürlich eine große Chance für die Verlage. Mein erster Eindruck ist: Sie nutzen sie nicht. Kaum eines der auf dem Kindle erhältlichen Blätter scheint sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht zu haben, wie es seine Inhalte für den E-Reader optimieren kann. Stattdessen werden die Papierausgaben 1:1 übertragen.

Das Elend fängt bei der Optik an. Fotos sehen auf elektronischem Papier, gelinde gesagt, bescheiden aus. Sie wirken wie Schwarz-Weiß-Kopien, die jemand mit einer Xerox-Maschine aus den frühen Achtzigern gemacht hat.

Oft sind bei der Umformatierung zudem die unterschiedlichen Typen verloren gegangen, sodass sich Vorspann und Lauftext nicht mehr unterscheiden lassen. Der Blocksatz der FAZ etwa wird auf dem Kindle mitunter völlig zerfetzt - auf dem ohnehin nicht gerade riesigen Bildschirm entstehen so Löcher, in denen ein Zwei-Euro-Münze Platz hat.

Noch ärgerlicher ist das Fehlen einer vernünftigen Leserführung. Der größte Nachteil von Onlinemedien gegenüber der Zeitung (Zyniker würden sagen: der einzige) ist der kleinere Screen. Auf der Darstellungsfläche eines Laptops lassen sich bestenfalls halb so viele Artikel unterbringen wie auf der Doppelseite eines Broadsheets.

Da aber der Kindle-Screen nochmals wesentlich kleiner ist (15 cm) als ein Laptop, müsste man sich irgendetwas einfallen lassen - hat man aber nicht. Es gibt, z.B. bei NYT, “Handelsblatt” und FAZ, eine Rubrikenübersicht (Wirtschaft, Finanzen, Politik) - aber kein Verzeichnis der einzelnen Artikel oder einen Index vorkommender Personen oder Unternehmen, wie es ihn in vielen gedruckten Zeitungen gibt.

Stattdessen muss der geneigte Leser mit Hilfe des Jog-Dial durch die Zeitung blättern, Artikel für Artikel. Das ist ungefähr so komfortabel, als wenn man die gesamte NYT auf DIN-A-5-Seiten ausdrucken und zu einem großen Stapel auftürmen würde.

Am aberwitzigsten finde ich jedoch, dass sich die teilnehmenden Blätter durch die Bank dazu entschlossen haben, einen elektronischen Always-Online-Device mit einem komplett statischen Produkt zu beliefern.

Wie bei der guten alten Druckausgabe wird die Kindle-Zeitung einmal am Tag aktualisiert - und zwar früh morgens mit nachrichten vom Vorabend. Dabei wäre es dank des UMTS-Push ja problemlos möglich, auch zu anderen Zeiten zu aktualisieren.

Nun habe ich nach den ersten zwei Wochen das Gefühl, dass der Kindle sich eher für ruhiges, konzentriertes Lesen längeter Texte eignet - wer ein Feuerwerk aus News-Updates möchte und gerne Headlines scannt, der geht vermutlich besser ins normale Internet. Aber dennoch: Auf einem UMTS-fähigen Gerät die Content-Auslieferungszyklen des Prä-Internetzeitalters 1:1 fortzuschreiben, mutet absurd an.

Einige japanische Zeitungen haben Morgen- und Abendausgaben. Das wäre auch hier eine Möglichkeit. Vielleicht noch eine zusätzliche Mittagsausgabe. Zudem fände ich zumindest in zwei Fällen Push-Updates unverzichtbar:

1. Wenn um 16 Uhr etwas wirklich Großes passiert, kann man seinen (zahlenden!) Abonnenten nicht weiter den ollen Aufmacher vorsetzen, der vor 21 Stunden an die Druckerei gesendet worden ist.

2. Das gleiche gilt für Geschichten, die sich am Tag nach der Drucklegung als falsch erweisen bzw. bei denen sich die Sachlage grundlegend geändert hat. Die könnte man zurückziehen. Da es kein Seitenlayout gibt, wäre das einfach machbar.

Der Fairness halber muss ich anmerken, dass ich nicht weiß, was Amazon den Verlagen für ihre Kindle-Versionen für Vorgaben gemacht hat. Aber da Amazon ein ziemlich innovatives Unternehmen ist und ein großes Interesse daran haben müsste, auf seinem neuen E-Book originelle Produkte mit added value zu offerieren, kann man zumindest mutmaßen, dass die Verlage einen gehörigen Anteil an der enttäuschenden Präsentation ihrer Inhalte auf dem Kindle haben.

Ein letzter, ebenfalls wunderlicher Punkt. Nirgendwo habe ich Werbung gefunden. Wenn man eine Zeitung schon 1:1 für den gleichen Copypreis auf dem Kindle verkauft - wieso lässt man dann nicht die Anzeigen drin?

Oder noch besser: Setzt neue rein. Der Common Sense scheint ja zu sein, dass journalistische E-Paper-Inhalte ohne Werbung auskommen müssen. Aber warum eigentlich?

Werbeanzeigen auf dem Kindle müssten doch theoretisch die teuersten Display-Ads der Welt sein - denn die meisten der Besitzer füttern Amazons Recommendation System schließlich seit Jahren mit Daten zu ihren Shopping-Präferenzen. Exakteres Zielgruppenmarketing geht kaum.

Zum Schluss noch eine kleine Absurdität: Als ich mir meine erste NYT heruntergeladen hatte, wollte ich die Technology Section lesen, die ich von NYT.com kenne und schätze. Auf dem Kindle gibt es sie jedoch nicht.

Warum? Na, weil es sie in der Print-Ausgabe der Grey Lady auch nicht gibt. Der Papierversion liegt einmal wöchentlich die Beilage “Circuits” bei. Und deshalb ist das auf dem Kindle natürlich auch so.

Trick or Treaty: Monster-Merkel meets Graf Sarko

29 October 2009 — News, Debatte, Energie, Wirtschaft, Werbung, Printen

Ein recht gelungenes Anzeigenmotiv aus der heutigen Financial Times, geschaltet von Avaaz.org. Die NGO fordert Bewegung beim Klimagipgel- “to avert real-life climate horror”.

Hilfe, die Twitter-Spamwelle rollt an

5 August 2009 — SEO/Suchmarketing, Debatte, Medienmassaker, Wirtschaft, Werbung, Social Media

Neulich habe ich vor einer Reise die Frage in die Twittosphäre gerufen, ob jemand ein gutes Hotel in Luxemburg kennt. Eine vernünftige Antwort bekam ich nicht, dafür aber einen Werbetweet eines Reiseportals. Ich dachte mir nix dabei.

Ich Depp.

Gestern habe ich den Twitterfeed von Heise entfollowed. Kurz darauf bekam ich folgende (mutmaßlich automatisierte) Nachricht:

Ist im Prinzip wie der Nachfassanruf, wenn man sein Zeitungsabo kündigt. Aber wenn das um sich greift (und das wird es), dann könnte es eine nervige Angelegenheit werden.

Update: Hinter dem nachfasstweet verbergen sich a) ein Skript und b) ein netter Kollege.

Worte des Vorsitzenden Konken

24 July 2009 — Suchmaschinen, Debatte, Mobile Suche, Medienmassaker, Wirtschaft, Printen

Der Deutsche Journalisten-Verband und das Internet, das ist keine Liebesbeziehung. Unlängst hat der DJV gefordert, bestimmte unentgeltliche Informationsangebote im Internet zu verbieten. Für eine engagierte (und inzwischen von der Gewerkschaft beendete) Diskussion sorgt zudem ein unbekannter Autor, der in einem Blog auf der DJV-Homepage gegen Google vom Leder zieht.

Ich finde viele Einlassungen des DJV wunderlich, aber das ist nur meine Meinung. Weil es trotz der ganzen Pöbeleien eigentlich um ein wichtiges Thema geht (den Fortbestand des Qualitätsjournalismus) habe ich als kleinen Beitrag zur Debatte einmal nachgeschaut, was der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in der Vergangenheit in Sachen Internet so von sich gegeben hat.

Das Ergebnis als kleine Slideshow.

Update: Ebenfalls lesenwert ist die Antwort des DJV auf die Kritik an der Haltung gegenüber Bloggern, Gratisangeboten, Google etc.

Wieso Turbolader? Was in Elektroautos so alles fehlt

22 April 2009 — News, Debatte, Greentech, Autos, EV/Elektroauto, Mobilität

Im Elektroauto kann man nicht mehr Gas geben und im Leerlauf an der Ampel stehen geht auch nicht. Ein Leser schickte mir jetzt diese schöne Aufstellung von Teilen, Flüssigkeitennund Wartungen, die ebenfalls passé wären:

Folgende Teile fallen übrigens in der Anschaffung und Wartung bei Elektrofahrzeugen weg:

Getriebe
Anlasser
Thermostat
Turbolader
Differenzial
Kühler
Wasserpumpe
Kupplung
Katalysator
Auspuffanlage

Folgende Betriebsstoffe fallen weg:

Motor-Öl
Getriebe-Öl
Differenzial-Öl
Kühlerfrostschutz

Folgende Wartungsarbeiten fallen weg:

Ventileinstellen,
Zahnriemenwechsel,
Ölwechsel
Filterwechsel
Zündkerzenwechsel
Kupplungswechsel