Wie die Deutsche Bahn funktioniert - oder genauer gesagt, wie sie nicht funktioniert - das ist mir als Fahrgast häufig ein Mysterium. Neulich, bei einer Fahrt von Hamburg nach Frankfurt konnte ich durch ein Gespräch mit einem Lokführer allerdings einige interessante Einblicke in das Chaos hinter den Kulissen gewinnen.
Mein Zug sollte morgens von Hamburg-Altona nach Frankfurt fahren. Der Zug wird in Altona eingesetzt, wie das im Bundesbahnerdeutsch heißt, weswegen er eigentlich keine Verspätung haben sollte.
Der Zug war zur Abfahrtszeit aber nicht da. Das irritierte mich. Der Lokführer, der neben mir in der Kälte stand, war deutlich gelassener.
“Wo ist der Zug denn?”, fragte ich. “Und wenn der Zug nicht hier ist, wieso sind sie es?”
Der Zug, erklärte er mir, stehe in einem Depot. Es gibt zwei davon eines an der S-Bahn-Haltestelle Elbgaustraße und eines in Langenfelde. Es gibt einen Menschen, der dafür zuständig ist, die geparkten Züge nach Altona oder in einen der anderen Hamburger DB-Bahnhöfe zu verbringen und sie dort dem Lokführer zu übergeben.
Dummerweise, so der Lokführer, werden die Züge mitunter verparkt. Da komme man dann frühmorgens in der Elbgaustraße an und bekomme vom Depotwächter beschieden, der fragliche ICE sei nicht hier.
“Und dann? Kann die Leitstelle den Zug lokalisieren?”, fragte ich.
“Nö”, erwiderte er. “Dann geht man wieder zur S-Bahn, fährt zum anderen Depot und guckt halt da mal.”
So etwas könne ein halbes Stündchen dauern, mitunter länger - das wisse man vorher nie sogenau. Entsprechend sei auch die gelautsprecherte Ansage, dass sich der ICE nach Frankfurt um 15 Minuten verspäte, bloße Mutmaßung. Das sei eine Schätzung, die der Gleisansager aus der la main macht.
Wir plauderten etwa eine halbe Stunde und schauten auf das zugeschneite Gleisbett. “Holen wir unsere Verspätung wieder auf?”, fragte ich. “Nie im Leben”, sagte er. “Wir fahren bei der Kälte nämlich nur 150.”
“Jetzt frag’ ich doch mal nach”, sagte der Lokführer und nahm sein Handy aus der Tasche. Eigentlich, schob er erklärend nach, müsste irgendjemand ihn schon vor einer halben Stunde darüber informiert haben, wo denn der Zug bleibe.
Das schien mir keine überzogene Erwartungshaltung zu sein. Schließlich sollte der Mann den Zug ja fahren. Ich sagte etwas in diese Richtung, aber der Lokführer schüttelte den Kopf. “Uns Bescheid sagen, das machen die kaum noch.”
Der Lokführer telefonierte mit der Leitstelle. “Auf den Zug können wir hier lange warten”, sagte er. “Der ist gerade auf einem abweichenden Gleis eingefahren.”
Eine entsprechende Durchsage hatte es nicht gegeben. Aber wenn man nicht einmal den eigenen Lokführer über den Verbleib seines Zuges informiert, warum sollte man dann seine Fahrgäste ins Vertrauen ziehen?
Nachtrag: Eine Stunde nach der offiziellen Abfahrtszeit überquerten wir die Elbbrücken. Der Zug von Frankfurt nach Hamburg fuhr hingegen pünktlich ab. Dafür blieb er allerdings in Harburg liegen.
Foto: Alter Altonaer Güterbahnhof. by realityscans
Der schwedische Airportshuttle-Betreiber Flyggbussarna wollte seinen Kunden klarmachen, das Coachbusse viel umweltfreundlicher sind als Pkw und ließ deshalb von der Werbeagentur Acne Advertising eine aus 50 gestapelten Pkw bestehenden Coachbus auf dem Mittelstreifen der Stockholmer Flughafenautobahn aufstellen - mit dem Resultat, dass es wochenlang Staus am Airport gab. Eine ziemlich gelungene Kampagne, die Acne in diesem Film dokumentiert hat (als bitte mit ein bisschen Salz konsumieren).
Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.
Wenn man jeden Tag eine Zillion Pressemiteilungen erhält, dann sind naturgemäß auch immer ein paar dämliche dabei. Und ein paar selten dämliche. Und dann gibt es noch die astronomisch dämlichen. Die sind rar gesäht (zum Glück) und machen einen etwas sprachlos:
Mit Delticom zum Saturn: Über 1,6 Milliarden
Testkilometer zurückgelegt=
Reifentester aus 10 Ländern “landen auf dem Saturn”
HANNOVER, Deutschland –(BUSINESS WIRE)–14.09.2009–
Die unabhängige, internationale Plattform Reifentest.com, betrieben
von Europas führendem Online-Reifenhändler Delticom, ist im
internationalen Jahr der Astronomie (2009) ins Universum gestartet.
Die seit dem Jahr 2000 auf der Testseite zurückgelegten Testkilomter
von 1,6 Milliarden entsprechen mehr als der ungefähren Entfernung
zum Planeten Saturn, dem sechsten und zweitgrößten Planeten nach
Jupiter in unserem Sonnensystem.
Auf diesem Planeten ist teuer ja verpönt und es wird gerne gespart -
wie auch auf der Erde bei XXXXXXX.de, dem deutschen Reifenshop
der Delticom. Bevor die Erdbewohner hier neue Reifen kaufen, schauen
sie gerne mal auf der internationalen Testseite des
Online-Reifenexperten vorbei und informieren sich bei Reifentest.com
unabhängig und kostenlos über die schwarzen Rundlinge.
Die Distanz von mehr als 1,6 Milliarden (Test-)Kilometern erscheint in dem
Augenblick recht gering, in dem wir die Lichtgeschwindigkeit zu
Grunde legen. Dann würden wir nur ungefähr 70 Minuten benötigen, um
auf dem Saturn zu landen.
Und so schwurbelt es dann noch eine Seite lang weiter. Aber das erspar ich mir.
Die SPIEGEL-ONLINE-Serie “Schräge Schilder” wird ein Printtitel, genauer gesagt ein Taschenbuch. Das Buch enthält über 150 wunderliche Verkehrszeichen aus aller Welt. Vorbestellen kann man es z.B. bei Amazon (ET 23. November 2009). Und das Cover sieht so aus.
Im Elektroauto kann man nicht mehr Gas geben und im Leerlauf an der Ampel stehen geht auch nicht. Ein Leser schickte mir jetzt diese schöne Aufstellung von Teilen, Flüssigkeitennund Wartungen, die ebenfalls passé wären:
Folgende Teile fallen übrigens in der Anschaffung und Wartung bei Elektrofahrzeugen weg:
Vergangene Woche bin ich in Holland einen zum Plug-in Hybrid umgebauten Toyota Prius gefahren - dass solch ein Auto machbar ist, während GM und andere immer noch an ähnlichen Pkw im Teststadium herumfrickelen, sagt viel über die Innovationskraft der Autoindustrie aus. Mehr dazu in meiner Kolumne bei Spon. Fotos zum Prius PHEV gibt es hier.
Rüdiger Grube, der designierte Bahnchef, ist bisher Strateievorstand bei Daimler. Man könnte meinen, dass sein Abgang eine große Lücke reißt. Das sieht man in Stuttgart aber möglicherweise anders - zumindest kann man es so interpretieren: Das Handelsblatt meldet nämlich, einflussreiche Stimmen im Aufsichtsrat plädierten dafür, auf eine Neubesetzung des scheidenden Strategievorstands zu verzichten.
Bin ich der einzige, der das ziemlich lustig findet?
Grube ist übrigens derjenige, der das epische Fusionsdesaster Zusammengehen von Daimler und Chrysler einfädelte. Vielleicht kann er ja demnächst die Deutsche Bahn mit Amtrak fusionieren.