Anfangs war ich, wie die meisten Techies, von Google+ verzaubert. Das Design schien so clean, Facebook wirkte dagegen wie Myspace anno 2008. Die Idee mit den Circles war hübsch. Und der Umstand, dass meine Followerzahl (unergründlicherweise) schneller stieg als der Dax nach einer Leitzinssenkung, bediente meine Eitelkeit.
Inzwischen bin ich eher genervt. Bald ein halbes Jahr gibt es Google+ jetzt. Seitdem warte ich auf jene Features und Upgrades, die das noch etwas unausgegorene Social Network (SN) voll nutzbar machen würden. Hallo Mountain View, kommt da noch was?
Slate hat kürzlich schon einen Nachruf auf Google+ geschrieben. Halte ich für leicht übertrieben. Ich glaube, es zuckt noch. Aber möglicherweise nicht mehr allzu lange, wenn Google in der Weiterentwicklung dieser guten Idee weiter so uninspiriert und schildkrötenartig vorgeht. Vielleicht wird’s ja noch. Auf jeden Fall kann man aus den Patzern von Google+ meines Erachtens ein paar Sachen lernen:
1. Beta ist tot: Alles als Beta zu bezeichnen, das war so eine nerdige Web-2.0-Sache. Auch Google+ wurde als Beta deklariert – also als mit Fehlern behaftetes Produkt, nicht ausgereift, ohne sämtliche eigentlich notwendigen Feeatures. Irgendjemand bei Google hat da wohl nicht mitgekriegt, dass webbasierte Anwendungen inzwischen ein Massenphänomen sind – ein Consumer Product. Die Erwartungshaltung des Massenpublikums ist aber, dass ein Produkt von Anfang an perfekt zu sein hat. War es aber nicht. Wer in den Massenmarkt will, muss statt Beta RTM anbieten. Mindestens.
2. APIs sind Pflicht, nicht Kür: Die Schnittstellen sollten bei Google+ später kommen. Nach bald einem halben Jahr fehlen sie immer noch. Damit ist die Software ein bisschen wie ein Auto, das man ohne Lenkrad geliefert bekommt – mit dem Versprechen, das werde irgendwann nachgeliefert. Man kann sich reinsetzen, aber nicht fahren. Und so darf man auf Google+ rumhängen, die antediluvianische Fülle von Einträgen der Herren Scoble und Kawasaki lesen – zu Posterous, Instagram oder Twitter crossposten kann man nicht. Im Rückblick war es ziemlich arrogant zu glauben, man könne ein neues SN etablieren, dass nicht von Anfang an mit den wichtigsten existierenden Diensten verzahnt ist.
3. Nicht unter dem Industriestandard bleiben: Man muss nicht der erste sein, sondern nur der beste. Selbst wenn einem das zu phrasenhaft erscheint – als Angreifer darf Google Plus zumindest nicht unter dem Standard (i.e., Facebook) bleiben. Tut es aber. Die neuen Pages sind das beste Beispiel. Es handelt sich um standardisierte Seiten, nach deren Ansicht man sich fragen muss, warum Mountain View für diese lahme Kopie von Facebook Pages über vier Monate gebraucht hat. Offenbar kann man nicht einmal mehrere Admins ernennen, eigenes HTML ist auch nicht.
4. Nicht trödeln: Apropos Kopieren – Facebook brauchte nur zehn Wochen, um das Circle-Feature von Google+ zu stibitzen und zu implementieren. Bei Google+ ist über vier Monate nach dem Start featuremäßig noch nichts Wesentliches passiert.
5. Lasst 1000 Blumen blühen: Wenn man ein komplexes technisches System bereitstellt, ist man oft überrascht, was die User damit anstellen. Das gilt für das gesamte Internet, aber auch für SNs. Als G+-User Accounts mit Pseudonymen oder Firmenseiten anlegten, ging Google sofort dazwischen. Ein Riesenfehler: All jenen,die geglaubt hatten, Google+ sei eine große neue Spielwiese mit dem anarchistischen Potenzial von Twitter, wurde so signalisiert, dass es sich vielmehr um einen Englischen Rasen mit Stiefmütterchen-Rabatten handelt. Eine “Macht doch,was Ihr wollt”-Philosophie wäre dem Projekt vermutlich dienlicher gewesen.
Update: Ein sehr guter Artikel über die UI-Probleme von G+ findet sich hier.
Amazon
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Das Örtliche
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GMX
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Leo
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Netto
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Wetter
Xing
Youtube
ZDF
Ägypten
Örtliche
Übersetzer
Erstellt über Google.de, mit meinem Login, jeweils erster Vorschlag bei Google Instant am 9.9.10, 19.53.
Update: Wie ich erst jetzt gesehen habe, hat das WSJ etwas Ähnliches gemacht, und zwar einen Tag vorher.
Ein taiwanesisches News-Outlet dämonisierte Google (anders kann man es nicht nennen) kürzlich in diesem Video. Jetzt legen US-Verbraucherschützer noch einen drauf.
Consumer Watchdog fordert, dass der Kongress eine “Do not track me”-Liste einführt. Mehr bei Wired.
In der zunehmend hysterischen Debatte über Google Streetview wäre etwas mehr Sachlichkeit angebracht. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen das Thema möglicherweise überhaupt nicht richtig verstehen – was angesichts der hohen technischen Komplexität freilich auch schwierig ist.
Da ist es erfreulich, dass die taiwanesische Next Media Animation dieses nüchterne, ausgewogene Erklärvideo produziert hat.
Besonders gut gefallen mir Eric Schmidts Teufelshörner.
Via Gawker TV
Der Name Google stammt, das kann man bei Wikipedia und anderswo nachlesen, von dem Wort “Googol”. Der Mathematiker Milton Sirotta hatte den Ausdruck im Jahr 1938 erfunden, um der Zahl mit einer Eins und hundert Nullen einen Namen zu geben. Und den nerdigen Google-Boys gefiel das.
Neulich liefert mir jedoch zufällig der echte Herr Google über den Weg: Barney Google. Bei ihm handelt es sich um eine zumindest in den USA ziemlich bekannte Comicfigur, erfunden im Jahr 1919 von Billy DeBeck – also lange vor Googol und Google.com.
Ein hübscher Zufall, oder?
Mitunter machen mir die Kontextanzeigen in Gmail echt Angst:

Jeff Jarvis seems to think that every company, organization, manager and spaniel on the planet should think more like Google – not least of all those ailing car companies. He has a point.
But back in 1997, someone published a humorous list called “If Microsoft built cars”. So if Google built cars, what would they be like?
Here are some ideas:
1. The dashboard would be all white, without any odometer, speedometer or other controls.
2. All your road trip data, as well as your fuel consumption information would be collected in a Google database.
3. The commercials on your car radio would be targeted to you.
4. You could ask your car to take you to the next grocer or to the next store that sells orange flare bell bottoms in 33.
5. After entering your destination in the navigation computer, you could just cross your arms and say “I’m feeling lucky”.
6. One day at around 0930 AM GMT all Google cars in the word would suddenly stop working for a couple of hours.
Also wenn ich dieses interessante – wenn auch argumentativ etwas löchrige – Essay über evolutorische Teleologie richtig verstehe, dann ist Google jene Doomsday-Maschine, die die Menscheit verksklaven und die Herrschaft der Maschinen einläuten wird. Sozusagen die Cyberdyne Systems Corporation der realen Welt. Irgendwie hatte ich sowas geahnt.

