Brutales Business

11. Mai 2007 Schreibe einen Kommentar

Thomas Hillenbrand
500 words
11 May 2007
Financial Times Deutschland
36
91
German
(c) 2007 – All rights reserved. Copyright Financial Times Deutschland, Hamburg.

Für Casey McKee ist die Wirtschaft eine erbarmungslose Angelegenheit. Auf seinen Bildern lässt der Künstler Geschäftsmänner aufeinander losgehen, sich prügeln und würgen. Seine neuen Werke sind jetzt in Frankfurt zu sehen

Von Thomas Hillenbrand, Berlin Wenn du einen Freund willst, dann kauf dir einen Hund. Da draußen herrscht Grabenkrieg“, dozierte einst Gordon Gekko, der Spekulantenfiesling aus dem Filmklassiker „Wall Street“. Tatsächlich haben Militärmetaphern auch im normalen Businessalltag Konjunktur. In Frankreich gibt es gar eine „École de guerre économique“, also eine Schule des Wirtschaftskriegs, an der Manager lernen können, wie man einen Konzernkrieg führt und die Konkurrenz in den Staub stößt.

Der in Berlin lebende US-Künstler Casey McKee hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese aggressive Wirtschaftsphilosophie zu visualisieren. In seinem Bilderzyklus „Corporate Warfare“ schlagen sich Manager gegenseitig Aktentaschen ins Gesicht, stechen einander die Augen aus oder versuchen, ihren Kontrahenten mithilfe der Krawatte zu strangulieren. Seinen Werken gibt der Künstler Titel wie „Versuchter Buyout“ oder „Misswirtschaft“.

McKees jüngster Zyklus „Milking the Cashcow“ ist ab heute in der Frankfurter Galerie Greulich zu sehen. Für die Bilder hat der Künstler Menschen im Businessdress in einem mittelalterlichen Dorf fotografiert. Ausgerüstet mit Blackberry und Laptop, müssen die modernen Leibeigenen Felder pflügen, Schweine füttern – und andere Frondienste verrichten.

Nach dem Fotoshooting belichtete McKee in einem ersten Arbeitsschritt die Leinwände mit seinen Aufnahmen, anschließend übermalte er diese. Die so entstandenen Fotoübermalungen schwanken in ihrer Erscheinung zwischen Bild und Abbild.

Dem 30-jährigen Künstler aus dem Wüstenstädtchen Phoenix in Arizona geht es nach eigenen Angaben nicht darum, die freie Marktwirtschaft grundsätzlich zu verteufeln. „Ich bin kein Sozialromantiker“, sagt McKee, „aber diese aggressive Haltung, die gibt es ja tatsächlich. Das ist so absurd. Die Yuppies lesen Clausewitz und halten sich dann für Konzernkrieger“. Die Strategien des preußischen Generals Carl von Clausewitz (1780 bis 1831), der vor allem wegen seines Werks „Vom Kriege“ bekannt wurde, sind noch heute Lehrstoff an manchen Managementschulen.

McKee interessiert sich für das Innenleben großer Konzerne, für den erbarmungslosen Wettbewerb zwischen jungen Managern, der in eine Art Kriegsspiel ausartet. Auch sein Vater hat für einen dieser Konzerne gearbeitet: „Rund 25 Jahre lang hat er sich nach oben geboxt, und dann haben sie ihn gefeuert.“ McKee hegt ein tiefes Unbehagen gegen große Unternehmen. „Diese Riesenkonzerne haben anscheinend eine negative Wirkung auf die Menschen“. McKee zitiert unter anderem den US-Ökonomen Milton Friedman: „Der hat geschrieben, dass ein Vorstandschef nur auf Profit achten darf. Wenn er Geld für soziale Belange oder Umweltschutz ausgibt, verhält er sich gegenüber seinen Aktionären unmoralisch.“ Insofern sei es kein Wunder, dass sich manche Manager in Schurken verwandelten.

Ideen für seine Werke findet der Künstler in den Wirtschaftsteilen großer Zeitungen, unter anderem in der „New York Times“. 2006 hat er die schlimmsten Wirtschaftsverbrechen des letzten Jahrzehnts recherchiert. Insgesamt 18 rechtskräftig verurteilte Konzerne, darunter Daiwa, Exxon oder SGL Carbon, hat McKee zusammengetragen und zu jedem ein Bild mit dem Konterfei eines der verantwortlichen Manager gemalt – damit die Vergehen ein Gesicht bekommen.



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