Neue Maßeinheit für Großprojekte

Sich sehr große Zahlen vorzustellen, fällt den meisten Menschen schwer. Eine Eins mit neun Nullen – wieviele Großeinkäufe beim Tengelmann sind das? Wieviele Sofagarnituren “Alabama fliederrot” von Möbel Höffner, wieviele Liter Super plus?

Mathematiker verpassen sehr großen Zahlen deshalb Eigennamen, um die Sache anschaulicher zu machen. Ein Googol entspricht beispielsweise einer Eins mit hundert Nullen und klingt zudem viel viel beser als “zehn Sedezilliarden”.

Ähnliches scheint sich nun auch bei der Kalkulation von Großprojekten durchzusetzen. Dort wird nämlich ebenfalls mit Zahlen hantiert, die für Normalbürger kaum fassbar sind. Statt die erwarteten Kosten in Milliarden oder Zilliarden anzugeben, etabliert sich hier zunehmend eine neuen Maßeinheit: die Elbphilharmonie (kurz €£฿).

Vermittels der €£฿ kann man die unvorstellbaren Kosten gigantomanischer Bauvorhaben oder aussichtsloser politischer Initiativen griffig darstellen. Der Flughafen Berlin-Brandenburg kostet beispielsweise 8 €£฿; Kölns Nord-Süd-Stadtbahn schlägt mit 3 €£฿ zu Buche (plus 2 €£฿ für das Staatsarchiv Stadtarchiv); für die Rettung Griechenlands muss Deutschland 186 €£฿ berappen. Darunter kann sich auch Otto Normalverbraucher etwas vorstellen.

Darüber hinaus hat die Elbphilharmonie als Maßeinheit einen weiteren Vorteil. Sie ist keine statische Variable, sondern eine dynamische. Lag der Umrechnungkurs Elbphilharmonie-Euro 2005 noch bei 1 €£฿ = 186 Mio. Euro, liegt er aktuell bei 1 €£฿= 500 Mio. Euro. Jedes Jahr wird er um einige Dutzend Millionen nach oben angepasst. Man könnte den €£฿ folglich als inflationäre Variable bezeichnen, die den besonderen Gegebenheiten moderner Volkswirtschaften Rechnung trägt.

Die eingebaute Dynamik bewirkt, dass die €£฿-Kosten von Großprojekten stets konstant bleiben. Der Stuttgarter Hauptbahnhof etwa liegt derzeit 8 €£฿. Im Jahr 2020 (Umrechnungskurs dann 1 €£฿ = 950 Mio.Euro) wird er immer noch genau so viel kosten. Die €£฿ – sie schafft endlich Planungssicherheit.