Neue Maßeinheit für Großprojekte

13. Dezember 2012 11 Kommentare

Sich sehr große Zahlen vorzustellen, fällt den meisten Menschen schwer. Eine Eins mit neun Nullen – wieviele Großeinkäufe beim Tengelmann sind das? Wieviele Sofagarnituren „Alabama fliederrot“ von Möbel Höffner, wieviele Liter Super plus?

Mathematiker verpassen sehr großen Zahlen deshalb Eigennamen, um die Sache anschaulicher zu machen. Ein Googol entspricht beispielsweise einer Eins mit hundert Nullen und klingt zudem viel viel beser als „zehn Sedezilliarden“.

Ähnliches scheint sich nun auch bei der Kalkulation von Großprojekten durchzusetzen. Dort wird nämlich ebenfalls mit Zahlen hantiert, die für Normalbürger kaum fassbar sind. Statt die erwarteten Kosten in Milliarden oder Zilliarden anzugeben, etabliert sich hier zunehmend eine neuen Maßeinheit: die Elbphilharmonie (kurz €£฿).

Vermittels der €£฿ kann man die unvorstellbaren Kosten gigantomanischer Bauvorhaben oder aussichtsloser politischer Initiativen griffig darstellen. Der Flughafen Berlin-Brandenburg kostet beispielsweise 8 €£฿; Kölns Nord-Süd-Stadtbahn schlägt mit 3 €£฿ zu Buche (plus 2 €£฿ für das Staatsarchiv Stadtarchiv); für die Rettung Griechenlands muss Deutschland 186 €£฿ berappen. Darunter kann sich auch Otto Normalverbraucher etwas vorstellen.

Darüber hinaus hat die Elbphilharmonie als Maßeinheit einen weiteren Vorteil. Sie ist keine statische Variable, sondern eine dynamische. Lag der Umrechnungkurs Elbphilharmonie-Euro 2005 noch bei 1 €£฿ = 186 Mio. Euro, liegt er aktuell bei 1 €£฿= 500 Mio. Euro. Jedes Jahr wird er um einige Dutzend Millionen nach oben angepasst. Man könnte den €£฿ folglich als inflationäre Variable bezeichnen, die den besonderen Gegebenheiten moderner Volkswirtschaften Rechnung trägt.

Die eingebaute Dynamik bewirkt, dass die €£฿-Kosten von Großprojekten stets konstant bleiben. Der Stuttgarter Hauptbahnhof etwa liegt derzeit 8 €£฿. Im Jahr 2020 (Umrechnungskurs dann 1 €£฿ = 950 Mio.Euro) wird er immer noch genau so viel kosten. Die €£฿ – sie schafft endlich Planungssicherheit.



11 Kommentare

  • Stan sagt:

    Hi Tom,

    mir ist es nicht gelungen den Artikel auf fb zu teilen (das Verlink Fenster wird auf der linken Seite abgeschnitten.
    Habe den gelungenen Artikel deswegen verlinkt.

    Gruß, Stan

    P.S. Nach dem Saarland als Größenvergleich für Flächen (wenn aneinandergelegte Fuballplätze nicht mehr reichen),hätten wir dann ja endlich was Vernünftiges für den baulichen Größenwahn.


  • mikerolli sagt:

    Puh, jetzt hatte ich mich fast schon gefreut, dass Journalisten zukünftig keine Bruch- oder Prozentrechnung mehr versuchen müssen. Über Dinge unterhalb 1 €£฿ wird einfach nicht mehr berichtet. Beim aktuellen Deutsche-Bank-Skandal müssen die Fahnder also noch ein wenig arbeiten.


  • gerrit sagt:

    Stadtarchiv, nicht Staatsarchiv.
    Ansonsten: *thumps up*


  • Simon sagt:

    Der Witz ist vor allem, dass man sich mal ernsthaft fragen sollte, warum die Kosten dieser Art Projekte eigentlich immer so enorm ‚steigen‘? Vielleicht, weil die Elbphilarmonie, um das Beispiel aufzugreifen, schon immer ein 500 Mio.-Projekt war. Ein besseres weil offensichtlicheres Beispiel der Realitätsverweigerung im Vorfeld ist aber sicherlicht Stuttgart21 – als ob niemand gewarnt hätte. Nur die ‚Verantwortlichen‘ eben nicht.


  • Tom sagt:

    @stan Ups, danke, werde mal an dem Button schrauben ….


  • Statistiker sagt:

    Ich zitiere:

    „Mathematiker verpassen sehr großen Zahlen deshalb Eigennamen, um die Sache anschaulicher zu machen. Ein Googol entspricht beispielsweise einer Eins mit hundert Nullen und klingt zudem viel viel beser als “zehn Sedezilliarden”.“

    Dumm, einfach dumm. man macht sich über die Mathematik lusig, ohne Ahnung davon zu haben. Ahnung von Mathe muss man ja nicht haben, kennt man ja.

    Man gehe in einen große Raum mit vielen Personen und sage, man habe keine Ahnung von Mathe (wie der Autor dieses Beitrages), und man erhält beifälliges Nicken. Man gehe in einen große Raum mit vielen Personen und sage, man habe keine Ahnung von der deutschen Sprache, und man wird dumm angeguckt, als wernn man den Leuten ins gesicht flatuliert hätte.

    Der Blogautor sollte sich mal mit Mathe beschäftigen, bevor er rumbeleidigt.


  • ST sagt:

    @ Statistiker: Ok. Interessanter Beitrag. Ich will ihn mal aufdröseln:
    Textverständnis:
    Der Autor des Artikels macht sich nicht über Mathematiker lustig sondern bringt mit „Googol“ lediglich ein Beispiel für einen Begriff, der eine große Zahl ausdrückt. Er hätte auch Kilometer für Meter oder xSaarland für Flächen nehmen können.

    Wissen über die Bedeutung von „Googol“:
    Lt. Wikipedia ist 1 Googol exakt das, was der Autor hier wiedergibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Googol

    Humor:
    Wieso wollen Sie diesen satirisch gemeinten Text sowie dessen Autor über eine Nebensächlichkeit im Einstieg derart runterputzen?

    @ Tom: Klar, eine Verlinkung in bildblog bringt Leser. Aber dein Artikel ist wirklich lustig! Vielen Dank dafür!


  • Achwas? sagt:

    Das Schönste an solchen Großprojekten ist doch immer, dass es eine grobe Menge von 99% der betroffenen Bevölkerung gibt, die diese Projekte 1. gar nicht wollen, 2. schon vorher sagen, dass die Planung dämlich ist und 3. schon vorher wissen, dass es alles viel teurer und viel schlechter wird, als vollmundig versprochen. Punkt 1 ist dann auch gleichzeitig noch das Resultat aus der Summe von 2 und 3, die darin kulminiert, dass zusätzlich folgendes gilt: 99% der Bevölkerung werden diese Projekte niemals nutzen, zajlen aber trotzdem 99% der Kosten, egal wie hoch diese steigen.

    Wenn morgen früh im Radio käme, dass die Elbphilharmonie durch einen Anschlag restlos zerstört wurde…ich wüsste nicht, ob ich mich darüber ärgern sollte, dass soviel Geld sinnlos versenkt wurde, oder darüber freuen sollte, dass nicht noch mehr Geld sinnlos versenkt wurde. Niemand braucht dieses Machwerk! Ein paar eitle Gecken wollen sich damit profilieren, ein paar andere die Taschen füllen. Die Zeche zahlt der Steuerzahler aus dem ohnehin chronisch leeren Stadtsäckel. Wenn ich sehe, wo der Senat Gelder einspart, wo sie wirklich sinnvoll angelegt wären (z.B. Bildung!) und sie dann in solchen Dreck pumpt, da möchte man zum Hulk werden und das Ding Stein für Stein an die Köpfe solcher Opportunisten werfen. Gnaaahhh!!

    @Statistiker: Auch Statistiker sollten in der Lage sein, Zeichenfolgen zu lesen und zu verstehen, die Sätze bilden, auch wenn man sonst eher mit Variablen und Zahlen zu tun hat. Zitiere bitte die Stelle, wo sich der Autor über Mathematik „lustig macht“ oder gar irgendwen oder -was beleidigt. Es werden trockene Fakten dargelegt, die nicht mal im Ansatz lustig sind. Ja, Mathematiker haben keine Lust, immer soviele Nullen zu schreiben oder ellenlange Exponenten zu verwenden. Daher gibt es für manche Zahlen „Spezialworte“. Das ist gar nicht so unüblich, sondern beginnt schon bei „Elf“ und „Zwölf“, die ja nicht „Einszehn“ und „Zweizehn“ heißen. Und überhaupt: Zehn? Das heißt doch „Einsnull“. Oder lieber ganz steril im im Binärsystem bleiben, dann gibt es gar keine doofen Zahlworte. Man schreibt nur etwas länger, wenn man ein Googol zu Papier bringen möchte…

    Ach? Was!


  • EuroTanic sagt:

    Gibs doch schon. Fantastillionen bei Dagobert Duck. Schöner kann man das nicht ausdrücken.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *