Als Reaktion auf die Aktion “Wir sind die Urheber” schreibt Alvar Freude, das ganze sei “ekelhaft und schäbig”.
Meine Replik in den Kommentaren und hier nochmal als eigener Post:
Ach Alvar. Du hättest Dich mit dem Umstand auseinandersetzen, können, dass weit mehr als 100 Künstler diesen Brief unterzeichnet haben. Mit dem Umstand, dass sie augenscheinlich Angst haben. Nicht um millionenschwere Pfründe, sondern i.d.R. um ein Gehalt, das auch nicht höher ist als das eines Facharbeiters. Machst Du aber nicht.
Stattdessen grätscht Du gleich pöbelnd rein (“ekelhaft”) und stellst das Ganze als Abwehrmaßnahme eines “millionenschweren” Literaturagenten dar, der die ganzen Unterzeichner offenbar irgendwie wollig gequatscht, damit sie das unterschreiben. Hat er nicht.
Dein Sound ist freilich nicht überraschend, denn er ist leider inzwischen Teil einer altbekannten und (gerade für einen bekennenden Webfuzzi wie mich) unglaublich ermüdenden rhetorischen Strategie: Künstler (oder allgemeiner gesagt Rechteinhaber) sind bei Euch stets ahnungslose Deppen, die von den bösen Kapitalisten der Verwertungsindustrie irgendwie geknechtet oder verführt werden und die man ganz dringend (mithilfe des Webs) befreien muss.
Ihr erinnert mich an den örtlichen Spinner von der MLPD in den Achzigern, der die Arbeiter vom Joch des Kapitalismus befreien wollte. Aber die wollten nicht befreit werden. Und die meisten Künstler wollen es auch nicht, schon gar nicht von Dir. Die Sichtweise ist natürlich immens praktisch, denn dank ihr muss man auf die Argumente dieser Künstlerdeppen gar nicht eingehen, sondern kann weiter gegen die Fiktion der Contentmafia rotzen, zu der bei Dir ja offenbar nicht nur Warner oder Sony gehören, sondern auch mittelständische Verlage und der Literaturagent.
Also jener Typ, der gerade dafür sorgt, dass wir Rechteinhaber von den Verwertern aus Hollywood und Minas Morgul nicht über den Tisch gezogen werden und was von der Kohle sehen.
Du argumentierst unlogisch, Du argumentierst ausweichend. Nachvollziehbar, denn Du argumentierst inhaltlich aus einer Position der Schwäche.
Mir war auch nicht bewusst, dass es neuerdings verboten ist, viel Geld zu verdienen. Vielleicht ist das in irgendeiner kommunitären virtuellen Messageboardwelt, in der Du lebst so, aber in meinem Land herrscht erfreulicherweise Marktwirtschaft. Die und das Internet gehören übrigens zusammen und sind einer der größten verdammten Fortschritts- und Freiheitstreiber, die es gibt. Danke fürs Zuhören.

Danke für den Text im Namen all dere, die stumm nicken, sich aber nicht auf “Like” klicken oder kommentieren trauen, weil sie sie Angst haben, dass ihre coolen Internetfreunde sie dann nicht mehr ganz so cool finden.