Leistungsschutzrecht: Ich bin reich. Reich!

5. März 2012 11 Kommentare

Heute ist ein guter Tag. Warum? Weil ich stinkend reich werde. Nicht durch meine Krimis, auch nicht durch meine journalistische Arbeit – beides brotlose Kunst. Sondern wegen diesem neuen Leistungsschutzrecht.

Diesem Post entnehme ich mit großer Genugtuung, dass in dem Koalitionsbeschluss dazu folgendes steht:

„Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen.“

Ein Presserzeugnis ist, davon darf man ausgehen, ein von Pressevertretern erstellter Inhalt. Pressevertreter? Das bin ja ich! Ergo sind netzfundbuero.de, beratersprech.de, medienzeitmaschine.de sowie meine anderen Seiten klar als Presseerzeugnisse zu werten. Ergo müssen mir „Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren“ fortan Geld zahlen, für die „Verbreitung“ meiner Inhalte.

Jahrelang erfrechte sich Google, mir Zehntausende Klicks auf den Server zu spülen, ohne dafür zu latzen. Damit ist jetzt Gottseidank Schluss.

Blogpost erscheint bei Google News (News-Aggregator)? Kaching!

Oder ist bei Bing auffindbar (Suchmaschine)? Kaching!

Beratersprech-Quote bei Twitter oder Facebook (zweifelsohne News-Aggregatoren)? Kaching!

Meine Hände sind vom vielen Aneinanderreiben schon ganz heiß. Jetzt mag man einwenden, da stünde, das Geld werde nur an Verlage gezahlt und nicht an Autoren. Aber wenn es für Verlage Kohle gibt, dann bin ich übermorgen einer. Die Netzfundbuero Verlags GmbH wirft schon ihren Schatten voraus.

Kennt jemand einen guten Medienanwalt? Ich glaube, das wird ein Riesenspaß.

 

 



11 Kommentare

  • Angela Markel sagt:

    Lieber Herr Hillenbrand,doch damit nicht gemeint. Wir werden da am Ende noch eine Bagatellklausel einziehen – keine Auszahlung unter 1 Million Euro Jahresumsatz- und die Mitgliedschaft im BDZV und Rotary-Club voraussetzen.
    Hallo? „VERLEGER“, nicht GmbH-Blogger. Diese neue Gesetz gilt natürlich nur für vererbte Verleger wie Friede Springer, WAZ und DuMont, ich werde mir doch nicht von diesen Nervensägen wegen dem blöden Google meine nächste Kanzlerschaft niederschreiben lassen. Die werden schon noch merken „Das Schlimmste im Leben sind unerfüllte Wünsche. Und erfüllte.“, hihi.



  • Leider haben Sie völlig Recht. Spannend finde ich, daß überhaupt nichts zu konkreten Summen gesagt wurde.
    Interessant war D-Radio-Interview mit dem Perlentaucher-Gründer vom 05.03.2012 zum Thema:
    Vermutlich handelt es sich bei dieser Aktion um eine Art Jobprogramm für Medienanwälte.


  • Der Berg sagt:

    Und die Zeitungsverlage werden ganz schön blöd aus der Wäsche schauen, wenn ihr Seiten in Zukunft bei Google und Co. nicht mehr gelistet werden.


  • Klaus Heid sagt:

    Man sollte auch meinen, dass es eher andersherum sein sollte.
    Aber weniger Springer-Nachrichten in Google ist auch schon ein Gewinn für die deutsche Bevölkerung. >:D


  • Sanníe sagt:

    @Thomas Kohler
    Was soll daran spannend sein? Die Diskussion ist doch noch gar nicht so weit.

    Ich glaube, die ist noch soweit zurück, daß man den Quatsch noch verhidnern kann.


  • Erbloggtes sagt:

    Ich möchte dann gern in die Netzfundbuero Verlags GmbH eintreten, um nicht einer Bagatellklausel (Kommentar #1) zu unterliegen. Dafür trete ich auch gern meine Verwertungsrechte in Knebelverträgen ab, die bis 70 Jahre nach meinem Tod gelten sollen.
    Wäre doch gelacht, wenn nicht auch 100.000 Blogger ohne größere finanzielle Ambitionen (bisher) ein Medienkartell errichten könnten, das alle denkbaren Kriterien für Leistungsschutzrecht-Millionen erfüllt.


  • Tom sagt:

    Genau. In der Vereinigten Ostindischen Netzfundbuero-Compagnie KG werden alle Blogger Kommanditisten und dann rollt der Rubel.


  • Viator sagt:

    Dem „Leistungsschutzrecht“ steht erstmal das Zitatrecht (UrhG) sowie das Prinzip der Informationsfreiheit (nicht Informationsfreiheitsgesetz) diametral gegenüber, weshalb ich davon ausgehe, dass Ansprüche zu Anfang im Einzelfall ausgefochten werden.

    (Darüber, dass der Wortlaut von § 51 UrhG überhaupt sog. Aggregatoren betrifft, darüber lässt sich natürlich streiten und mit Sicherheit spekulieren die Befürworter eben darauf, dass die Angebote von Aggregatoren nicht als selbstständiges Werk im Sinne des Paragraphen verstanden werden, was aber zunächst zu der Grundsatzfrage führt: Was ist ein selbstständiges Werk und ab wann ist es ein „Guttenberg“? 😉 )

    Kommt es zur Umsetzung, hat es aber auch dann Konsequenzen für Sie, wenn Sie nicht als Nutzniesser in Frage kommen: Sollten sich die Suchmaschinenbetreiber dafür entscheiden, Angebote die unter das LSR fallen, doch lieber auszublenden, anstatt Zahlungen zu leisten, wird damit zu rechnen sein, dass Google noch mehr von diesen frechen Besuchern auf ihr Angebot spült, da eine breite Masse alternativer SERP wegfallen, also der Wettbewerb ausgedünnt wird.

    Ansonsten ist die Geschäftsidee natürlich geradezu genial. Auf den Punkt gebracht: „Versuchen wir doch mal durchzubringen, dass bestimmte Unternehmen dafür bezahlen müssen, dass sie auf die von uns angebotenen Informationen hinweisen.“ Es wäre doch aber sehr einseitig, wenn das nur für sog. Verlage gelten soll, immerhin stellen auch viele andere Websites eigene Informationen bereit, deren Inhalt keinesfalls „wertloser“ im Sinne des Erstellungsaufwandes oder des Gehalts sein müssen. Naja, wie es hier um Gleichheit vor dem Gesetz (Gerechtigkeit) steht, wissen wir ja mittlerweile. Je fetter, desto „gleicher“.

    Das ist analog zur „realen“ Welt in etwa so, als ob der Kioskbesitzer dafür zahlen müsste, dass er tagtäglich Ausgabenexemplare in seinem Sortiment präsentiert. Wer weiss, als nächstes entdeckt man vielleicht noch die Wartezimmer der Ärzte.

    Man muss aber auch einmal die andere Seite betrachten: Youtube und andere Portale zahlen ja tatsächlich und freiwillig Beträge an Nutzer aus, die eine gewisse Popularität vorweisen können, wobei man allerdings sehen muss, dass darüber meist das gesamte Werk zugänglich ist. Der Aggregator profitiert durch die Erweiterung und Popularisierung seines Angebots und die dadurch eingespielten Werbeeinnahmen, der Publisher profitiert zu einem winzig kleinen Teil mit und die gesamte Community wird dazu motiviert, noch weitere tolle Katzen- und Schminkvideos zu produzieren, in der Hoffnung auch mal den Finger in die Torte stecken zu dürfen. Alles ganz plausibel und legitim.

    Um auch hier einmal den Bezug zur „realen“ Welt herzustellen, wäre das so, als ob der Kioskbesitzer freiwillig einen Teil seines Gewinnes an bestimmte Blättchenanbieter auszahlt, da das Auslegen dieser ihm zusätzliche Kundschaft einbringt und er dadurch z.B. mehr Bier verkauft. Ob Ärzte durch die Art der ausgelegten Zeitschriften mehr Patienten haben, sei dahingestellt.

    Der grosse Unterschied ist, dass mit dem LSG ein Verein daherkommen soll, der selbst bestimmen will, was „populär“ und damit entgeltpflichtig ist.

    Was klar sein sollte: Am Ende zahlt die Zeche jeder einzelne von uns. Die betroffenen Unternehmen werden die zusätzlichen Kosten auf ihre Kunden abwälzen… das Bier wird also teurer. 😉


  • Pedant sagt:

    Es heißt „wegen dieses neuen Leistungsschutzrechts“!!!!!!


  • Erbloggtes sagt:

    @Pedant:
    Die Wortfolge „wegen dieses neuen Leistungsschutzrechts“ hat sich aber der Springer-Verlag schon als Marke eintragen lassen. Daher müssen wir auf „wegen diesem neuen Leistungsschutzrecht“ ausweichen. Tja.


  • Tom sagt:

    Es ist ja noch viel schlimmer: ASV hat sich ein US-Methodenpatent auf den gesamten Genitiv geben lassen. Ich sehe mich deshalb nicht in dem Stande, davon Gebrauch zu machen. Das ist ASV sein Kasus.


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