Zwölf wunderliche Fakten über Journalistenpreise

27. Juli 2011 5 Kommentare

Journalistenpreise: Wichtige Ehrungen, die den Fortbestand des deutschen Qualitätsjournalismus sichern – oder institutionalisierte Scrotumschaukelei selbstverliebter Medienfuzzis?

Weiß ich jetzt auch nicht. Ich finde sie aber auf jeden Fall unterhaltsam, vor allem ihre Teilnahmebedingungen. Damit Ihr auch etwas davon habt, kommen hier zwölf Fakten über Journalistenpreise, die Ihr bisher nicht kanntet (und ohne die Ihr bisher ganz gut ausgekommen seid):

Beim Marion-Dönhoff-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung dürfen sich Onlinejournalisten nur dann bewerben, wenn ihr Portal auch ein Offline-Pendant besitzt.

Der vom Industrieverband Friseurbedarf ausgelobte Journalistenpreis heißt Bob.

Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten akzeptierte bis 2010 Onlineartikel nur dann, wenn diese kostenlos zugänglich waren.

Der Preis des Zahnmedizinerverbands Prodente heißt Abdruck.

Beim Arrabiata-Preis wird der beste erste Satz prämiert. Der Gewinner bekommt drei Teller Penne all’arrabbiata in Hamburg sowie als Nachspeise eine Crème Brûlée in Paris.

Beim Henri-Nannen-Preis dürfen Journalisten maximal zwei Beiträge einreichen. Ausnahme: Wenn es sich um lustige Texte  handelt, sind fünf erlaubt.

Beim Wahrheit-Preis der taz geht es darum, einen vorgegebenen Satz in ein Qualitätsmedium zu schmuggeln. 2010 hieß der Satz: „“Der Tango macht den Gaucho heiß, wie jedes Rind der Pampa weiß.“

Autorenteams müssen beim Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik stets zwei Arbeitsproben einreichen. An beiden muss exakt die gleiche Autorenkonstellation beteiligt sein.

Das wohl spitzeste Thema hat der Journalistenpreis Fit for Food: Den inhaltlichen Schwerpunkt der Texte „sollte, neben Laktose- oder Fructose-Unverträglichkeit, die Oligosaccharid-Intoleranz bilden.“

Der von den IHK ausgelobte Ernst-Schneider-Preis hat eine Innovationskategorie, die neue Vermittlungsformen von Wirtschaft prämiert. Onlineformate sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Der Dr. Georg Schreiber-Medienpreis der AOK Bayern akzeptiert in seiner Hauptkategorie keine Onlineartikel.

Der Deutsche Journalistenpreis Wirtschaft | Börse | Finanzen (djp) akzeptiert sehr wohl Onlineartikel, aber keine aus TV oder Radio.

Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.

Im Bild: Verleihung des Journalistenpreis der Österr. Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels (2011)

Disclaimer: Der Autor hat noch nie einen der o.g. Preise gewonnen, sich aber bei dem einen oder anderen redlich bemüht.



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