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Abschiedsbrief: Hamburg, keine Perle

November 18th, 2010

Tom

Old School

Du Hamburg, wir müssen mal reden. Jetzt guck nicht so überrascht, Du ahnst doch eh schon, dass dieses Gespräch auf Dich zukommt. Also. Wie soll ich anfangen?

Ich bin hier geboren, der Herbert würde sagen: Ich komm aus Dir. Als ich dann ins Ruhrgebiet musste, zum Studium, da hat das anfangs sehr weh getan. Immer wenn ich am Hauptbahnhof in den Intercity stieg und über Deine Elbbrücken ratterte, einen letzten Blick auf Hafen und Landungsbrücken erhaschend, dann musste ich heulen.

Wenn ich heute in die Bahn steige, lässt mich das kalt. Ich habe keine feuchten Augen. Eher freue ich mich, mal eine von den anderen zu sehen. Berlin etwa, die viel aufregender ist als Du. Essen, die authentischer ist. Oder München, wo die Sonne scheint.

Ja klar, das mit dem Wetter, das findest Du jetzt unfair, aber nun hab ich’s eh schon angeschnitten, also raus damit. Hamburg, Dein Wetter ist zum Kotzen. Es ist unerträglich. Früher hat mir das nicht so viel ausgemacht. Wenn man 20 ist, dann verbringt man ja auch bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Tag drinnen oder verschwendet laue Sommernächte in finsteren, verrauchten Clubs.

Aber wenn man älter wird, weißt Du Hamburg, dann giert man nach Licht, nach dem Blau des Himmels. Jetzt haben wir November, seit Tagen schifft es, der Himmel über Dir ist dicht bewölkt, man kann die Sonne hinter dieser grauen Suppe nicht einmal erahnen. Und ich weiß, das bleibt jetzt so, bis April.

Wie mies Dein Wetter ist, erkennt man auch daran, wie abgehärtet Deine Bürger sind. Sie halten jeden fahlen Sonnenstrahl für ein Gottesgeschenk. Sobald die Außentemperatur über 8 Grad steigt, drängen sie in die Straßencafés. Und in wohl keiner anderen Stadt der Welt käme man auf die Idee, ein Volksfest im November zu veranstalten. Niemand will mit einer nassen Zuckerwatte in der Hand bei eisigem Wind Achterbahn fahren. Nur die Hamburger, die trotten brav in ihren Öljacken über Deinen Winterdom.

Ein bisschen Schlechtwetter ist kein Trennungsgrund, sagst du? Das stimmt wohl. Aber ich bin auch noch lange nicht fertig. Der Dauerdüsterregen ist ja nur eine von ganz vielen Sachen.

Eine andere ist Deine Großspurigkeit. Es heißt immer, Hamburg und seine Bewohner seien besonders zurückhaltend, sprächen nicht über Ihr vieles Geld, neigten zum Understament. Aber das stimmt nicht. In Wahrheit sind die Hanseaten borniert und größenwahnsinnig

Als ich nach dem Studium wieder herzog, ins randseitige Rahlstedt, da quittierte das eine Bekannte mit süffisantem Lächeln und dem Satz: “Wirklich? Also ich hab’ noch nie außerhalb der Stadt gewohnt.” Nie seinen Hintern aus Eimsbüttel rausbewegt und auch noch stolz darauf. So sind sie, Deine Bürger, provinziell und selbstgerecht. Halten ihre Stadt für den Nabel der Welt. Dabei ist sie nicht einmal der Nabel der Republik.

“Weltstadt an der Elbe”. Glaubst Du diesen Scheiß wirklich? Warst Du schon mal in London, Paris oder New York – oder einfach nur in Berlin? Dann wäre Dir klar, dass Du kein besonders heißer Feger bist, schon gar keine “Metropole”. Im globalen Maßstab gehst Du als bessere Landpomeranze durch. Aber als Weltstadt? Du bist bestenfalls das Bielefeld unter den Weltstädten.

Wenn man sich einmal zu dieser Erkenntnis durchgerungen hat, dann fängst Du erst so richtig an zu nerven, mit Deinem selbstgefälligen Lokalpatriotismus. Dann wird einem schlecht, wenn irgendeine besoffene Menge bei Dom oder Hafengeburtstag “Hamburg, meine Perle” gröhlt. Immer wieder muss ich mir von dümmlich verliebt grinsenden Einheimischen erzählen lassen, Du seist “die schööiinste Stadt der Welt”.

Sicher, ein paar Ecken von Dir sind wirklich nett: Das Rathaus, die Außenalster, Planten und Blomen, der Stadtpark.

Aber warum, glaubst du wohl, ist es dort bei gutem Wetter so unfassbar voll? Weil der Rest Deiner 750 Quadratkilometer nicht weiter der Rede wert ist, deshalb. Die Leute ballen sich an jenen wenigen schönen Flecken, denen die raumgreifende Ödnis des unfassbar grauen Hamburger Ostens gegenübersteht. Der Nordwesten, mit Eidelstedt oder Schnelsen, ist ebenfalls total verbaut und nicht viel schöner als Gelsenkirchen oder Bottrop.

Und während man aus München oder Frankfurt, letztere beileibe keine Schönheit, zumindest ins Umland flüchten kann, gibt es für Deine Bewohner kein Entrinnen: Um Dich herum existieren nur Sumpfgebiete wie Pinneberg oder Norderstedt. Dort gibt es absolut nichts.

Jetzt wirst Du sagen, dass man Menschen und auch Städte so nehmen muss, wie sie eben sind. Hast’ einen Punkt. Du kannst ja nichts für den Regen, und für Wandsbek-Ost kannst Du eigentlich auch nichts. Was ich Dir aber wirklich übelnehme ist, dass Du in den letzten Jahren angefangen hast, mich immer schlechter zu behandeln.

Das passiert ja manchmal, wenn man lange zusammen ist und den anderen für selbstverständlich nimmt, aber Du hast es echt zu weit getrieben. Andere Städte geben sich richtig Mühe, es ihren Bürgern nett zu machen. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass man mit dem Fahrrad fahren kann, ohne täglich den Unfalltod zu riskieren. Du nicht. Ich habe gehört, dass Du kommendes Jahr “Green Capital Of The World” wirst. Ist das ein Witz? Mit wem musstest Du dafür ins Bett gehen? Genausogut könnte man Berlin zur “Freundlichsten Metropole der Welt” küren.

Noch ein Beispiel gefällig? Du arbeitest seit längerem daran, zur kinderfeindlichsten Stadt Deutschlands zu werden. Deine Kitaplätze, ohnehin zu dünn gesäht, kosten jetzt über 500 Euro. Du hast das Essensgeld in Kindergärten und Schulen auf einen Schlag um 60 Prozent erhöht.

Deine Spielplätze sind vergammelt. Du würdest gerne die Elternschulen schließen, den schulärztlichen Dienst streichen, die Verkehrserziehung eindampfen und das Altonaer Muesum plätten – während Du gleichzeitig am Hafen für über 300 Millionen Euro Deine Philharmonie baust. Ja, das passt zu Dir: Das kleine Museum, das keinen Touristen interessiert, das Deine Bürger aber lieben, machst Du dicht. Die Philharmonie, die den Bürgern schnurz ist, bei Besuchern aber für ein großes “Ahh” sorgt, für die hast Du Geld.

Früher rümpftest Du über Düsseldorf und München die Nase, weil die sich immer so aufgedonnert haben. Heute hast Du selber nichts anderes mehr im Kopf als die Frage, wie Du die Blicke anderer auf Dich ziehen kannst. Protzig bist Du geworden, prunksüchtig und oberflächlich.

Davon verstehe ich nichts? Das nennt man Standortmarketing, sagst Du? Hör mir bloß mit diesem Sermon auf, den hab ich schon so oft von Dir gehört. Ich weiß, Du bist unheimlich stolz auf Deine ganzen Events. Und darauf, dass Deine Hotelübernachtungen um fast 30 Prozent gestiegen sind. Merkt man. Wenn ich im Sommer durch Deine City laufe, dann ist alles voll mit schwäbelnden Rucksackträgern in Funktionswesten. Und später wenn ich schlafen will, kriege ich kein Auge zu, weil aus der Stadt der Feuerwerkslärm herüberschallt und die Schiffshörner vom Fluss heraufdröhnen.

Gratuliere, Hamburg, Du hast es geschafft. Du bist zum Elb-Disneyland geworden, zum Hansepark. Alle Bielefelder besuchen Dich, weil sie das Bielefeld der Weltstädte sehen wollen. Tarzan-Musical, Reeperbahn-Bummel und dann ein kleiner Ausflug ins pittoreske Schanzenviertel – nebst Abendessen bei Tim Mälzer

Klingt verbittert, meinst Du? Ich bin ja nur neidisch auf Deinen Erfolg? Ach Hamburg, Du hast überhaupt nichts kapiert. Du bist bornierter als eine Pöseldorfer Perlenketten-Elblette.

Touristen kommen und gehen, also freu Dich nicht zu früh. Das einzige, was Du dauerhaft erreicht hast, ist, Deine Bürger zu vergrätzen. Deine Leute! Die Dich immer verteidigt haben. Die immer eine Niederschlagsstatistik zur Hand hatten, wenn die Münchner Dich wegen Deines Wetters verspotteten. Die immer eine Liste namhafter Künstler herunterrattern konnten, wenn mal wieder ein Berliner behauptete. “Hamburg? Da ist doch nichts.”

Für die müsstest Du mal Standortmarketing machen. Mit bezahlbaren Wohnungen. Mit Angeboten für Familien. Ist Dir eigentlich bewusst, dass ein Krippenplatz in Hamburg fast dreieinhalb mal so viel kostet wie in München?

Was ich da mache? Wie sieht es denn aus? Ich packe. Ich ziehe irgendwo hin, wo die Sonne scheint. Ich suche mir eine Stadt, die sich freut, dass ich in ihr wohne. Und ich glaube, ich werde nicht der einzige sein, der abhaut.

Du hattest irgendwann mal diese Idee mit der “Wachsenden Stadt”, wolltest zwei Millionen Einwohner. Was Du allerdings nicht kapiert hast, Hamburg: Man muss nicht nur Neubürger dazugewinnen, sondern auch dafür sorgen, dass die Bestandskunden nicht durchbrennen. Genau das passiert einem aber, wenn man sich so verhält wie Du.

143 Comments

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  1. Gorch #
    November 19, 2010

    Einiges stimmt schon, wie der Michel verbaut wurde und Hamburg damit langsam das (parallel mit München) lange gehaltene Prinzip der vor dem Großbauwahn verschandelten Innenstadt aufgibt, oder wie der Innenstadtbereich um Eppendorf oder Eimsbüttel (eigentlich nicht mal Mitte) alles andere ignoriert.

    Andererseits ist da auch eine Schwäche, denn der Artikel vergisst selber einige Ecken, die zu HH gehören. Harburg, Bergedorf, sogar Altona. Ein “echter Hamburger” wird jetzt zumindest bei den ersten beiden anzweifeln, dass die wirklich Hamburg sind – aber ist genau das nicht die Provinzgroßstädtigkeit, die angesprochen war? Und Umland? Sicher, der Speckgürtel im Norden hat einiges an künstlich gepumpten Schlafstädten, aber Stade? Lüneburg? Oh, sorry, falsches Flussufer, da fährt man nicht mehr hin.

    Aber das ist der emotionale Teil, und Liebe kann man nicht rationalisieren. Was aber die anderen Aspekte anbelangt, die sicher richtig sind (unfreundlicher Verkehr für alle außer Autofahrern, und auch für die – Ausnahme direkte Innenstadt, da ist man als Fußgänger gut aufgehoben; Kitaplätze u.s.w.), die stören. Aber meiner Erfahrung nach ist das in München (eine unbestritten schöne Stadt) nicht besser. Dennoch viel Vergnügen da. Und das Wetter, ja, das ist da besser.

    Aber ich persönlich könnte nicht ohne Wasser und richtige Schiffe in Reichweite, und da ist die Isar zu wenig. Dennoch gibt es auch am Wasser viele Städte, die sich lohnen, wenngleich viele auch außerhalb des deutschen Sprachraums sind.

  2. November 19, 2010

    Wenn Hamburg so scheiße ist, was wollt Ihr eigentlich alle hier? Gebt Sie doch frei, die doofen Altbauwohnungen in all diesen viel zu coolen Innenstadtvierteln.

    @Thomas
    Das ist jawohl niedlich jetzt: Ein Nicht-Hamburger, der am Sonntagnachmittag mal schön an der Alster spazierengehen will und sich jetzt genau worüber mokiert? Daß es zu voll ist?? Ähm…

  3. Rother #
    November 19, 2010

    Gähn –
    wie schön das ein jeder seinen persönlichen Frust irgendwo im Netz hinwerfen kann.
    Albern wird es wenn man mit einer Stadt in der Form “Du hattest irgendwann mal diese Idee mit der “Wachsenden Stadt” usw…..” kommuniziert. (Kleinstädte darf man auch schon mal mit einem “Dudududu – das darfst Du aber nicht…” zurechtweisen).

    Nein – eine Stadt hat keine Ideen. Politiker haben (leider) Ideen. Lobbyisten haben (leider)Ideen. Selbst Bankmanager haben (leider leider)Ideen. Aber eine Stadt? Daher sollte man seine Absonderungen auch an diese Klientel richten und nicht an “Du Hamburg…” denn Städte werden (bestenfalls) von ihren Bewohnern geformt oder (schlechtensfalls) von temporären Lobby-Marionetten.

    Wie gesagt – gähn: Weil austauschbar und das wahre Wort von Hanns Dieter Hüsch wieder mal nicht beachtet worden ist: “Und auch zu meinen eigenen Worten fällt mir manchmal ein – es muss nicht sein – es muss nicht sein.”

  4. Schleswig-Holsteinerin #
    November 19, 2010

    Der unschlagbare Vorteil an Hamburg ist, dass man Stadtteile und Lokalitäten wie in Berlin, München, Köln, Frankfurt, Duisburg oder wo auch immer finden kann (wenn man sucht) und die Wahl hat – in München gibt es halt nur Pöseldorf.

  5. Hafenfreund #
    November 19, 2010

    Also, als Resortleiter Auto bei Spiegel Online wäre ich auch überall hingezogen, um den Job loszuwerden… Den Abschied kann man sich dann sicherlich schönschreiben. Viel Spass in München, einer wirklich schönen Stadt, das ist unbestritten. Und jeder soll dort glücklich werden, wo er leben möchte (und kann). Aber das modische “Hamburg bashing” ist schon skurril. Typisch deutsch, würde ich sagen – so nach dem Motto: Beliebtheit ist verdächtig!

  6. November 19, 2010

    @Schleswig-Holsteinerin: “in München gibt es halt nur Pöseldorf.”
    HÄÄÄH?

  7. Ruediger #
    November 19, 2010

    Da ist viel wahres dran. Nur kann man den Text mit ausgetauschtem Städtenamen und anderen Problemen wohl nahezu auf jede Stadt anwenden. Fazit:überall gibt es Probleme, hausgemachte Probleme, nur reicht es nicht, sich darüber zu beschweren. Dich stört doch nicht wirklich die Stadt, sondern die Leute, die ihre Möglichkeit nutzen, ihren selbstgefälligen Willen durchzusetzen, um die Perle zu verhunzen. Wo willst du denn hin? Wo gibt es die nicht?

    Etwas zu lieben, ob Stadt oder Mensch, heißt nicht nur zu nehmen, man muss auch bereit sein zu geben, zu gestalten. Wenn du das nicht willst, wird dein “Hamburg” dich überall einholen, du wirst es nie finden und bist auf der Flucht.

    Als ehemaliger Hamburger bin ich immer Hamburger geblieben. Ich liebe die Stadt und die Bewohner und nicht die, die Hamburg für ihre eigenen schrägen Ideen nutzen wollen. Hamburg hat einfach etwas, was andere Städte nicht haben. Ich weiß nicht einmal genau was es ist. Aber das hat die Stadt gemein mit den Menschen, die ich liebe.

    Das gute an deiner geäußerten Meinung ist, dass du viele wahre Punkte angesprochen hast. Ich meine nur, das deine Konsequenz die falsche ist. Die Energie, die du in deine Suche stecken willst könnte Hamburg besser gebrauchen, um “wieder” zu dem zu werden, was du einmal geliebt hast.

  8. Timo #
    November 19, 2010

    Es geht doch nicht darum, ob die Provinztouristen sich beim Schlagermove zuballern, es zu wenig abseitige Musikclubs gibt oder kreative Hornbrillenträger St.- Pauli-Fans sind.

    Hamburg setzt auf Größe und Tourismus, zu Lasten der Bürger. Öffentliche Fläche wird nur für Veranbstaltungen zu Verfügung gestellt, die überregionale Bedeutung ahben und mindestens 5000 Leute anziehen. Schlagermove, Hafengeburstag, Triathlon, Marathon, Cyclassics, usw. Was hat der Hamburger davon, ausser Krach und Umleitungen? Hamburg ist kein Disneyland, sondern eine Eventbühne. Das macht eine Stadt auf Dauer kaputt.

  9. Tom #
    November 19, 2010

    Schwachsinn!

  10. November 19, 2010

    Vergangene Woche war ich nach langer Zeit mal wieder in Hamburg, und dabei meinte einer der interviewten Forscher tatsächlich, dass das Hamburger Stadtklima erheblich von den Bergen im Süden der Stadt geprägt werde. Immerhin seien die 150 Meter hoch… Als Ex-Hamburger und mittlerweile (föhnverwöhnter) Münchner musste ich da doch schmunzeln. Willkommen im Süden!

  11. Frank #
    November 19, 2010

    Ich vermisse hier die persönliche Anklage von Herrn Teherani und Herrn Walter, die die Stadt mit “Leuchttürmen” zupflastern wollen und nicht begreifen, dass in der Regel um einen einzigen Leuchtturm herum ganz viel Land, Strand, Meer und Dörfer liegen. Baut man einen Leuchtturm neben den anderen ist der nicht mehr einzigartig. Und – viel schlimmer – es ist kein Platz mehr da für das Drumherum.

  12. SelberNerd #
    November 19, 2010

    Thomas, komm noch mal schnell vorm Abflug bei mir im Lutherpark vorbei. Da ist es schön. Ehrlich.

    München ist ja tatsächlich sehr angenehm. Aber Berlin? Ernsthaft, das ist doch nur größer und nicht besser. Der wilde und kreative Bär tanzt doch nur um sich selbst.

    Und von einem alten Sumpfbewohner sei dir gesagt: Jede große deutsche Stadt hat ihr Pinneberg. Auch München.

  13. JBK #
    November 19, 2010

    @Herr Hipness
    Vieles mag in HH besser sein, aber dass die Mieten innenstadtnah finanzierbarer sein sollen als in Berlin, ist in einem Kommentar, der irgendwo das Wort “Rechnen” erwähnt, wohl schwierig zu vertreten.
    Selbst Wilhelmsburg wird gerade durchgentrifiziert…

  14. November 19, 2010

    Hihi nice! also ich bleib noch nen bissel, tanke Licht in Brasilien und trage zur Verbesserung der Kunden…ähh Bürgerzufriedenheit mit ganz eigenem geekigen Netzaktivismus, geBlogge und so bei – Jawohl!

    Das du Rahlstedt nennst ist wunderbar, da bin ich doch glatt großgeworden und weggezogen. MAch it jut meen Jung in Südeuropa und lass es dir gesagt sein: “Vermissen wirst du Hamburch schon nen bissel, ehrlich!”
    ;)

  15. Raoul #
    November 19, 2010

    im november über nieselregen zu meckern is auch ne kunst…herbst sieht in ganz deutschland so aus. und alle bürger sind provinziell und selbstgerecht? ja nee is klar. alle, und nicht etwa nur deine eine bekannte…und solche leute gibts auch nur in hamburg, klar! bis auf den teil mit der elbphilharmonie is der ganze text echt ganz schöner quatsch.

  16. Walter #
    November 19, 2010

    Tscha,
    mir aus dem Herzen gesprochen.
    Ich bin geborener Hamburger, habe diese Stadt immer sehr geliebt.
    Mittlerweile ist sie unter die Räuber gefallen.
    Millionen Quadratmeter Büroraum in gesichtslosen Gebäuden stehen leer.
    Bezahlbarer Wohnraum- ist nicht.
    Wenn man über die Elbbrücken fährt, dann sieht man nur Baukräne, aber nicht die die etwas sinnvolles produzieren. Da wird Yuppietown hingebolzt.
    Und den ganzen Mist (Parkplätze für LKWs, ‘Logistigparks’) werden, Stichwort “Metropolregion” ins südliche Umland ausgelagert.
    Und die Politik? Die einst linkeste grüne Partei Deutschlands hurt mit der CDU herum die vorher mit Schill ins Bett ging.

    Nee, meine Perle ist Hamburg nicht mehr.

    P.S. Stadtpark, Vier- und Marschlande, Bergedorf, Marienthal sind tatsächlich schön.
    Das wird sich ja aber auch noch ändern lassen, oder?
    Und den auswärtigen Freunden allen Ernstes den Ohlsdorfer Friedhof als eine von Hamburgs größten Attraktionen anzupreisen, kommt irgendwie auch schräg…

  17. Weggezogene #
    November 19, 2010

    Nach 10 Jahren in Hamburg bin ich wieder nach Bremen gezogen.

    Das Wetter ist in Hamburg gar nicht so schlecht, in Bremen ist es viiiiiiel schlechter, hier regnets dauernd.

    Aber ein stimmt: Hamburg ist elendig eingebildet und großspurig.
    Kaum scheint mal die Sonne, steht das im Abendblatt auf der Titelseite, als ob Hamburg den Sonnenschein erfunden hätte.
    Hamburg verleibt sich Prominete ein, die dort mal gelebt haben oder zugezogen sind und gibt damit auch an.

    Das hat mich immer sehr gestört: kein hanseatisches Understatement, sondern angeberisches Getue!

  18. Inkognitow #
    November 20, 2010

    Tut mir leid Leute, nicht alle Städte sind gleich und in Berlin gibt es DIESE Probleme definitiv nicht. Berlin ist vielseitig und viel größer, viel Mist aber auch viel viel Fantastisches. Hamburg ist dagegen nur noch Muff. Ich habe 10 Jahre dort gelebt und Szene,Theater, etc pp besucht. Das war in den Neunzigern. Wenn ich heute hinkomme, langweile und ärgere ich mich.

    Dem Autor des tollen Artikel möchte ich sagen: Nimm Dir das Gemecker hier nicht zu Herzen, das schreiben Typen, die keine Kinder haben, die diese Probleme nicht kennen und nicht begreifen, weil sie diesen Punkt noch nicht erreicht haben. Die werden sich noch wundern!

  19. DasND #
    November 20, 2010

    Ja, verzieh dich… geh bitte, sag niema’m das Du hier warst! Wenn du Ruhe und Beschaulichkeit willst, wohn in nem Dorf! Großstädte sind alle gleich scheisse, Pech gehabt. Weder London, New York noch Paris sind besser, nur größer, teurer und voller! Und ganz ohne Wasser (bis auf sone Kloake die durch London fließt) und kein Grün. Und in Münschen sind die Leute fett und tragen das ganze Jahr Kostüme, trinken trübes Bier und reden koamisch.. viel Spass da :)

  20. Heino #
    November 20, 2010

    Zitat:
    “Eher freue ich mich, mal eine von den anderen zu sehen. Berlin etwa, die viel aufregender ist als Du.”

    HAHAHAHAHA….steht da wirklich BERLIN???? HAHAHAHAHAHAHAHA!

  21. Fleetmaus #
    November 20, 2010

    Moin,

    ich muss mal meinen Senf dazugeben.

    Ich habe sowohl in Berlin als auch in Hamburg gelebt und habe mich letztendlich für Hamburg entschieden. Wir wohnen im Südosten (Bezirk Bergedorf) und gerade die Vorwürfe mit der kinderfeindlichen Stadt kann ich nicht nachvollziehen.

    Wer in Hamburg keine Kita findet hat sich wohl bei der Wahl der Wohnung nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, ob man in eine familienfreundliche Ecke zieht. Hier sind Kindergärten und Schulen an jeder Ecke. Und wer in Hamburg 500 EUR für einen Kita-Platz zahlt, der verdient auch entsprechend, denn letztendlich wird der Elternbeitrag am Gehalt der Eltern gemessen. Ich habe lange Zeit für eine 10-stündige Betreuung nur 77 EUR im Monat (inklusive Essensgeld) bezahlt. Und ganz ehrlich? Für eine gute Betreuung bin ich auch bereit gutes Geld zu zahlen!

    Und wenn Hamburg wirklich so Scheiße ist, dann frage ich mich ernsthaft wieso die Stadt wächst ohne Ende.

    Der Artikel kommt mir eher so vor, als wollte sich der Autor den Weggang von Hamburg schön schreiben. Das habe ich neulich schon mal erlebt bei einem Freund, der mit der Familie aus Hamburg wegziehen musste. Plötzlich war an Hamburg nichts mehr gut. Alles zu teuer, nicht familienfreundlich und überhaupt Mist. Die Frage ist, wen man damit überzeugen will. Sich selbst oder die anderen…

    Wie andere schon sagten: Probleme gibt’s überall in deutschen Städten. Ich lebe gerne hier und Gott sei Dank ist es schon auf Grund meiner beruflichen Situation nicht möglich, mich geografisch zu verändern.

    Grüße vom Fleet

  22. November 20, 2010

    Als Bielefelder, der vier Jahre in Hamburg gearbeitet hat und just gerade nach Berlin (Rixdorf) gezogen ist, kann ich sagen: Ich fühle mich hier nach vier Wochen schon wohler als ich mich in Hamburg in den 4 Jahren je gefühlt habe.

    Und das hat ziemlich viel mit bezahlbaren Mieten zu tun. Weniger für meine eigene Wohnung als mehr für all die netten Läden, Bars, Cafés, Galerien und Projekte, die in Hamburg nie die Miete aufbringen könnten. Wenn ich in Hamburg in einen Laden gehe, dessen Einrichtung aus gebrauchten Sofas besteht, kann ich mir sicher sein, dass die irgendein Interior-Lead-Designer aus New York hat einfliegen lassen.

    Und was das beeindruckendste ist: Nichteinmal die Weite Schleswigholsteins muss man hier vermissen. Das Tempelhofer Flugfeld ist wir die Nordsee ohne Meer. Echt jetzt.

  23. November 20, 2010

    “Bielefeld-Blog” hat Dir soeben ein verbales Denkmal gesetzt!

  24. Thomas #
    November 20, 2010

    @Sanníe: Glaub mir, es ist nicht ganz so trivial, touristenperspektivisch wie du denkst. Hatte gestern keine Zeit, ausführlicher zu erläutern, was ich meine. Und jetzt auch nicht. Gebe zu, daß man es dann lieber gar nicht erwähnen sollte und hab deshalb Verständnis für deinen Kommentar. Unter’m Strich ist wichtig, daß ich den Beitrag hier sehr gut nachvollziehen kann und nicht ganz so explizit wie hier formuliert in den letzten Jahren ganz ähnliche Gedanken hatte.

  25. Mike #
    November 21, 2010

    Keine eine Stadt ist perfekt, aber als 32-jähriger Hamburger hinterfrage ich mich schon länger, warum Hamburg eigentlich so toll ist? Unsere Reeperbahn, auf welcher man echt Spaß haben kann – wenn man nicht angekotzt, abgestochen oder abgezockt wird. Und das Rotlichtviertel immer schöm romatisieren und nicht Fragen, welches Leid und Gewalt hinter den Türen verborgen ist. Der reiche, arrogante Speckgürtel ist ebenso arrogant, heuchlerisch und rückgratlos, wie der ach so alternative Mittelteil der Stadt. Ach, ich könnte den ganzen Abend schreiben, aber ich habe keine Zeit ;)

  26. November 22, 2010

    Nur “Sumpfgebiete” rund rum? Ich weiß, es ist schwierig, wir hatten das Problem auch, als wir von München hierher zogen. Man muss genauer hinschauen, es ist nicht so eine Brachialschönheit wie im Alpenvorland beispielsweise. Um unseren Frust zu bewältigen haben wir unsere Ausflüge gesammelt und berichten seit 2008 darüber im blog Out of Hamburg (www.outofhamburg.de). Das hilft uns und anderen ;-)

  27. November 23, 2010

    @ paracuda: “Für Menschen, die kein Indiepopelektro hören wollen, ist das Programm nämlich fürn Arsch. Kaum bis kein Metal mehr …” Kein Metal mehr! Schande über Hamburg! Wenn das wirklich stimmt, dann muss es ja übel in meiner Stadt aussehen!

    (Aber eigentlich stimme ich dem Autor von Herzen zu: Hier passiert einiges, was nicht gut ist, die Stadt gibt auch mir immer mehr das Gefühl, eigentlich nicht gewollt zu sein. Allerdings geht das Argument ein Stück weit ins Leere, wenn stattdessen München als positives Gegenbeispiel ins Gespräch gebracht wird, ich meine, München! Wo man noch nie gewollt war!)

  28. nicky #
    November 23, 2010

    Geiler Trollversuch, ich geb 7/10. Sitzt in seinem Hafencityloft und schnackt erstmal los.

  29. November 23, 2010

    Erstaunlich, ich hätte meinen Abschiedsbrief an Hamburg GENAU SO geschrieben (bin Anfang 2009 nach Berlin gezogen). Das wirklich Schlimme: Hamburg war einmal, im Gegensatz zu München, eine schöne, coole, junge Stadt mit kreativen Menschen und bunt gemischten Stadtteilen, doch die Durchsortierung der Stadtteile und Eppendorfisierung bzw. Düsseldorfisierung der Stadt haben dem Flair der Stadt unreparierbare Schäden zugefügt! Und: Das hanseatische Understatment ist einer unerträglichen Dicke-Hose-Attitüde gewichen, die Menschen nur noch nach ihrem Einkommen und ihrer Wohngegend (!) einsortiert. Und das ist eine HAMBURGER Unart, in Berlin käme niemand auf die Idee, in Lokal-Patriotismus auszubrechen oder auf seinen Kiez/Stadtteil stolz zu sein. Worauf auch? Auf 1000 Euro Miete für 2 Zimmer mit Balkon? Unerträglich und besonders auffällig, wenn man mal wieder zu Besuch in Hamburg ist. Solange sich das nicht ansatzweise ändert, ist Hamburg für mich keine Option mehr.

  30. Alex #
    November 23, 2010

    grölen schreibt man ohne “h”….. Nur mal nebenbei: Jemanden, der den Stadtpark, den Rathausmarkt und Planten und Blomen als schönste Hamburger Stätten betrachtet, kann ich nicht ernst nehmen! Das sagen meine Bekannten aus Bielefeld auch immer…..

  31. Alex #
    November 23, 2010

    ach, aber eines noch: was mich echt aufregt ist dieses Gefasel von wegen, Berlin sei so hip und toll, billige Mieten etc.
    Das ist doch ein Märchen! in den “angesagten” Stadtteilen Berlins explodieren die Mieten gerade – viele Künstler gehen schon nach Leipzig. Und Berlin bekommt hinten und vorne Mittel aus dem Länderfinanzausgleich UND Hauptstatdmittel, die Opern werden mal eben für zig Millionen vom Bund mitsaniert…und dann meckern, wenn HH auch an der Kultur sparen muss….denn HH muss ja IN den Länderfinanzausgleich einzahlen.
    Um noch eines klar zu stellen: Ich finde die Politik der CDU in HH total scheiße, aber so eine Pauschalschelte bringt auch nichts. Ist ja im Moment Mode. Aber das gibt sich wieder, auch der hype um Berlin wird abebben, dann wird wieder Köln hip und München und Hamburg. So wars schon immer…

  32. Nils #
    November 23, 2010

    Das ist zu hart, wirklich. Klar gibt es vieles, was nervt – mich übrigens andere Dinge, da ich von der Kita-Thematik keine Ahnung habe. Bahnen könnten nachts fahren, das Nightlife aufregender sein, Mädels weniger langweilig und schlunzig, das Wetter natürlich besser! Aber ausgerechnet MUC als Alternative zu nennen, geht schief. Das Wetter ist übrigens dort NICHT besser (das ist ein Mythos), die Mieten noch teurer und – sorry for being politically uncorrect – die Bewohner einfach nicht meins. Zwei Jahre da gewesen, es hat nicht funktioniert. Die einzige Alternative zu Hamburg wäre Berlin, aber dort würde mich zu viel nerven. Es ist ja nie perfekt – aber HH am dichtesten dran. Just my 5 Cents :) (P.S: I know Rahlstedt pretty well ;)

  33. oLi #
    November 23, 2010

    Tom, in meinem bisherigen Leben habe ich gelernt – zu einer gescheiterten Beziehung gehören immer ZWEI. Du rechnest hier mit Deiner alten Liebe gnadenlos ab und am Ende stellt sich mir nur die eine Frage: WAS, VERDAMMT NOCH MAL WAS hast Du dafür getan, dass es zwischen Euch wieder besser läuft. Jeder verlassenen Frau würde ich sagen, vergiß dieses Arschloch. Der Typ is ne ganz arme Wurst. Davon laufen ist FEIGE, man muß die Probleme LÖSEN !!!!!

  34. Michael Küster #
    November 23, 2010

    Das schöne an Hamburg ist, dass man alles findet. Es gibt die geleckten gegenden genauso wie die Schanze. Was die Politik und der Lobyyismus zur Zeit daraus macht, ist wirklich nicht schön. Auch hohe Mieten und wenige Kita Plätze nerven. Aber ich könnte den ganzen Tag auch über positive Aspeckte wie die Menge an Wahrzeichen, unterschiedliche, wechselnde Unternehmensmöglichkeiten (ja, auch Feste sind für Hamburger interresant) und die eben nicht so große Stadt (Mobilität und mehr, größere Menschenmassen) reden.
    Gut finde ich, dass jeder das jeder das machen kann was er will. Wenn Tom Hillenbrandt das was er sucht hier nicht findet, soll er weitersuchen. Viel Glück dabei =)

  35. November 24, 2010

    Also ma ehrlich ….

    wenn es eins gibt, was Hamburg nicht attraktiv macht sind es die Hamburger!

    Überall wo es pulsiert und kreativ ist, sind doch HÖCHSTENS 20%
    dieser Stadtrandgruppe zu finden.

    Hamburg is großartig wegen der Offenheit und der Mischung.
    Aber das is St.Pauli und Co, und da hat “der Hanseat” kein Mitreden.

    Geh ruhig. Gefällt mir.

  36. Toddi #
    November 24, 2010

    Ich bin geborener Hamburger und ich liebe meine Stadt. Der Text will doch nur provozieren. Den Text kann man wirklich auf jede Großstadt “kleben”. Überall ist Fortschritt, Umstrukturierung und Neugestalltung, jede Stadt (ich würde sogar sagen “auf der ganzen Welt) versucht doch zu focusieren und geliebt zu werden.
    Und wenn “Tom Hillebrand” König einer Stadt wäre, würde er es genauso machen, er würde doch auch dafür sorgen, dass alle seine Stadt lieben und ihn besuchen kommen…. Also was soll der ganze FIRLEFANZ??????
    Der soll man nach Gera, Bitterfeld oder nach Posemuckel ziehen, da ist einmal die Woche Kino ( Rocky I oder vom Winde verweht), Dorffest wenn ein neuer Fahrradständer eingeweiht wird, die Frauen bekommen vom Dorffriseur Dauerwele, Kirche Klingelbeutel und alle 10 Jahre treten da mal ” Die Hellwigsister” auf. Da ist die WELT in Ordnung ! ? ! ?
    Warum mögen den so viele Deutsche – Hamburg – , weil es soooo schei… hier ist ??????? Komisch
    Nee Nee , der soll bleiben wo der Pfeffer wächst, ich kann sollche Typen nicht ab, die wollen sich nur interessant machen !!!!!

  37. Laurent #
    November 25, 2010

    HIer meine Meinung als Franzose:

    Es gibt leider keine richtige Metropole in diesem Land.

    Berlin ist hässlich, schräg aber provinziell und oberflächig,, hat aber ein Tolles Nachtleben. Toll für Erasmus-Studis aber kaum zu ertragen als Erwachserner Mensch. Die Stadt lebt mittlerweile vom Dauerturismus.

    Hamburg kann kalt und überheblich sein, hat aber wahrscheinlich die urbanste Mentalität – wg. des Bürgertums und der vielen Intellektuellen. München … Na ja, dazu sag ich lieber nichts…

  38. November 25, 2010

    Erstaunlich, dass sich hier in den Kommentaren genau das wiederspiegelt, was im Text schon erwähnt wird: “So sind sie, Deine Bürger, provinziell und selbstgerecht. Halten ihre Stadt für den Nabel der Welt. Dabei ist sie nicht einmal der Nabel der Republik.”.

    Hier brennt er wieder auf – der ewige Streit um die beste, tollste, größte Stadt.
    Und meistens nicht sachlich, sondern mit viel eingeschnapptem Hochmut dabei. Und wenn man sich die Kommentare hier mal anguckt, so sind diese Kommentare doch hauptsächlich von den Hamburgern verfasst.

    Ich bin selber vor gut 1 1/2 Jahren nach Hamburg gezogen – von wo ich komme ist so weit erstmal nicht interessant.
    Trotzallem erfüllt diese Stadt meine Erwartungen nicht – und gewissen Erwartungen darf ich doch haben, wenn sich eine Stadt Metropole oder Großstadt nennt.

    Die Redewendung “Ich gehe noch in die Stadt” existiert erst in meinem Sprachgebrauch, seit ich hier wohne. Erschreckend, dass die einzelnen Stadtteile so wenig Eigenleben haben, sodass sich doch wieder alles auf diesen kleinen Kern konzentriert. Ich finde es schön, und in kleineren Städten wie Nürnberg, Gera oder sonst einer Stadt erscheint mir das auch logisch – hier in HH nervt es mich ausgesprochen. Wie kann es sein, dass lediglich die Schanze und St. Pauli (was ich als Einwohner komplett meide) eine persönliche Note haben?

    Und das ist nur ein Punkt. (Der Rest summiert sich aus vielen kleinen Mankos)

    Und wenn ich das mal sagen darf – es kotzt mich so an, mein Empfinden ständig verteidigen zu müssen.
    Ich kann nichts dafür, dass es zwischen mir und HH nicht gefunkt hat!! Wirklich – und ich habe der Stadt eine Chance gegeben. Aber wieso lässt einem hier denn keiner seine Meinung?? Man plärrt sie ja nicht raus. Trotzdem kommt immer dieses “Wie kannst du nur?? Hamburg ist die schönste Stadt” blablabla – und jeder Hamburger fühlt sich persönlich angegriffen. Ich kenne keinen anderen Großstädter, der eine Meinung soo persönlich nimmt und die Person dadurch so runterbuttert – das ist ein Hamburger Phänomen.
    Ich finde, gerade eine Metropole, die “offen und multikulturell” ist, sollte sowas mit nem Lächeln wegstecken können – SCHADE!!

  39. wigger #
    November 25, 2010

    Ihr Zugezogenen. Könnt wieder gehen. Macht Ihr ja auch. Gut. Hamburger reden nicht über Hamburg. Das machen andere, oder Zugezogene die beim Radio oder Stadtmagazinen arbeiten und ausser Eimsbüttel der Schanze nichts von Hamburg kennen.

  40. Enrico #
    November 26, 2010

    Nicht ganz meine Schreibe, aber danke für den Artikel.
    Wir werden nach zwanzig Jahren in HH auch wegziehen, das ist alles nicht mehr auszuhalten.
    Die Erhöhung der KITA und Hortgebühren bricht uns finanziell das Genick.
    Für den Tourismus wird alles gemacht, für die Bürger nichts.

  41. Salomon #
    November 26, 2010

    Das hier vermisste “Hanseatisches Understatement” wäre nach meinem Verständnis, nachdem man vergeblichst alles versucht hat, seiner verflossenen Liebe zum Abschied alles nur erdenklich Gute zu wünschen anstatt ihr noch mal den ganzen Dreck öffentlich um die Ohren zu klatschen. Trotzdem möchte ich Euch zu der offensichtlich fälligen Entscheidung beglückwünschen.

    Hamburg war immer schon scheiße. Genauso wie Berlin, München, Paris, New York, oder Bangkok. Und doch bin ich immer wieder wahnsinnig froh und fasziniert, wenn ich in eine dieser Städte komme. Dass Freundinnen in diesen Städten davon überzeugt sind, in der derbsten/krassesten/schönsten/etc. Stadt überhaupt zu leben ist optimale Voraussetzung für eine gute Zeit! Die Politik gehört, in jeder der genannten Städte, vehement kritisiert und bekämpft, das ist auch klar.

  42. Wahr und falsch #
    November 27, 2010

    Seien wir doch mal ehrlich. Der gesamte Artikel ist irgendwie verlogen und ehrlich zugleich.

    Ja auch ich nenne meine Geburts- und Heimatstadt (und mein Großvater war kein Hamburger, ich bin also per Hamburger Eigendefinition kein echter, sondern kann maximal der Großvater eines echten Hamburgers werden) liebevoll die “schönste Stadt der Welt”. Und voller Begeisterung singe ich “Hamburg meine Perle” – mindestens jede 2. Woche im Stadion (in dem ich genau jetzt sein müsste, ziemlich genau in diesem Moment steht mein Nachbar mit meiner Dauerkarte im Stadion und singt dieses schöne Lied).
    Warum? Nun ich habe keinen Babysitter. Meine Frau hat schon lange Feierabend aber…. von ihrem Arbeitsort Rahlstedt bis zu unserem Wohnort Rissen dauert es normalerweise nur eine knappe Stunde. Aber die Stadt musste ja kurz vor Frostbeginn in sämtlichen Ringstrassen, Ost-Weststrassen und so ziemlich allen anderen Hauptstrassen zeitgleich Baustellen eröffnen.
    Ich habe mittlerweile eine Gesamtfahrzeit zur Arbeit und zurück von 3 Stunden – und ich arbeite in der Stadt, in der ich lebe. Öffentliche Verkehrsmittel wären schön, die Firma beteiligt sich an der Fahrkarte – nur wie? Mit dem Bus zum S-Bahnhof bedeutet, einen Bus früher zu nehmen (gerne fällt einer aus oder der Bus kommt 5 Minuten zu früh, der Folgebus 5 Minuten zu spät), dann in die wunderbare S-Bahn, die einmal Quer durch die Hamburger Touristenorte fährt – bis hin zum Flughafen. Allerdings nicht in die Arbeitorte City Nord, Alstercity, City Süd, Bramfeld, etc. pp. Also heißt es umsteigen. Die Anschlussbahn steht oft am selben Gleis, leider bleibt öfter mal der ganze ÖPNV stehen. Vom Endbahnhof dann den nächsten Bus. Hier verfolgt der HVV die Regel: Wenig Fahrbusse=Gelenkbus mit 100 Sitzen / Viele Fahrgäste: 5sitzer (inkl. Fahrersitz)
    Oder man fährt mit dem Fahrrad zum S-Bahnhof. Man braucht 2 Fahrräder – für Start und Zielbahnhof, denn im Pendelzeitraum sind Fahrradmitnahmen verboten und dagegen nachts fahren fast keine öffentlichen Verkehrsmittel. Kindergärten werden verklagt, geschlossen, verjagt. Museen werden wegen Bauarbeiten für immer geschlossen. Sporthallen in der selbsternannten Sporthauptstadt sind für Betriebssportgruppen genauso leicht erhältlich wie Millerntorkarten für St.Pauli Fans – nämlich gar nicht. Man hat dafür unzählige Sportvereine, HSV und Pauli, Freezers und Concordia….. guuuut ohne Mediale Hilfe wäre der DSC schon weg vom Fenster (DAS hat Hamburg übrigens mit Bielefeld gleich, einen notleidenden DSC. wobei mir als Rautenträger die Arminen natürlich deutlich näher sind, als ein Verein aus Dulsberg, der von dem “St. Pauli Radiosender Nummer 1″ am Leben erhalten wird) und natürlich interessiert sich keiner für das Schicksal von Altona 93, Paloma, Urania oder die Uhlenhorster Adler…. brauch man ja nich, wir haben ja Pauli und Hasvau…. soweit zur “Sporthauptstadt”. Am meisten könnte ich über die Kinderunfreundlichkeit sagen – wurde hier aber alles schon richtig erwähnt. Naja fast alles – viele Bahnhöfe haben immer noch keine Fahrstühle für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer. Hat Jungfernstieg mittlerweile einen? Ich glaube nicht.

    Und dennoch liebe ich diese Stadt. Warum? Weil wir die Bürger haben – nicht die hanseatischen Pfeffersäcke, die ihren “Ka-rah-mell-mack-i-a-to” trinken, sondern die tausenden unterschiedlichen Bürger, die verschiedenen Geschmäcker, die vielen bunten Seiten und die unveränderten Stadtteile. Man sieht HH nämlich immer noch an, dass es aus etlichen Dörfern zusammengeschlossen wurde. Es gibt hier eben alles – die prügelnden Polizisten wie es einst Herr Ness erfahren durfte wie den freundlichen Wachtmeister von nebenan, der sogar in Barmbek noch alle Hausmeister mit nahmen kennt.
    Es gibt die tollen Events für Touristen UND Einheimische, den Elbstrand, die Parks, das Nachtleben (eben auch z.B. in Ottensen), viel Wald, gemütliche unbekannte Bars und Kneipen, kleine Theater, Indoor-Kinderspielplätze, Beachclubs an echten Ständen, viele Sportveranstaltungen und Stadtteilfeste. Und auch ganz andere Sportvereine – begonnen beim Fussballverein der JVA Fuhlsbüttel bis hin zum Verein der Afghanischen Minderheit.
    Was ich nur sagen kann: Es gibt vieles zu bemängeln, ja! Aber unterm Strich ist das meiste einfach toll, einfach schön hier. Man kann Hamburg lieben selbst wenn man es nicht will.

  43. Umgezogener #
    November 28, 2010

    Also, ich bin nach einem Jahr in München dort wieder weggezogen und kann viele der positiven Vorurteile über diese Stadt nicht teilen. Schicki Micki ohne Ende, BWLer an jeder Ecke, und die überlaufenen Bergwege am Wochenende sind mit Glück in einer Stunde Autobahn zu erreichen. Ansonsten viel Grau, und abgesehen vom völlig überlaufenen Englischen Garten auch nicht viel Grün in der Innenstadt. Das ist ähnlich wie an der Außenalster, wo auch jeder Hinz und Kunz die Erholung sucht. Übrigens ist man von Hamburg aus in einer Stunde an der Ostsee, bestimmt nicht schlechter als am Chiemsee. Und Hamburg hat deutlich mehr linke, alternative Kultur. Die kann ich in Minga mit der Lupe suchen. Insgesamt finde ich: Es gibt kleinere Großstädte in Deutschland, die sind viel schöner sind, und man ist auch schneller im Grünen.

  44. jan jansen #
    November 30, 2010

    Kann man hamburg lieben ohne berlin zu hassen? Hat Regenwetter eine auswirkung auf das bruttosozialglück? Bedrohen kaffeebarone und alsterschnepfen meine persönliche integrität? Kann man ihn denken – den paarungsbereiten, amüsiersüchtigen großstädter, der nicht borniert ist? Warum ist die forderung, die reeperbahn endlich in einen riesigen kleintier-streichelzoo umzuwandeln, so unpopulär, obwohl diese maßnahme dafür sorgen würde, dass die zahl der körperverletzungen mit tödlichem ausgang drastisch reduziert wird? Ist berlin deshalb so unsexy, weil man dort auch wieder nicht das findet, von dem man schon damals in hamburg nicht wusste was es ist, was man aber nichtsdestotrotz leidenschaftlich vermisst hat?
    Fragen über fragen.
    Bitte keine antworten mehr.

  45. mia meyer #
    November 30, 2010

    geh nicht. bitte. es wäre ein literarischer sonnenstrahl weniger in dieser verregneten und dennoch so wunderschönen stadt…

  46. Erwin #
    Dezember 1, 2010

    Normalerweise bin ich nicht gerade der Kommentarschreiber, aber hier möchte ich doch mal meinen Senf dazugeben. Vorab: ich bin Hamburger. Zumindest fühle ich mich so. Ich bin zwar “nur” im “umliegenden Sumpfland” geboren und aufgewachsen, habe später aber – nach einigen erfolglosen Abstechern in verschiedene andere Städte – die meiste Zeit meines Lebens in Hamburg verbracht. 10 Jahre davon in der ach so hippen Neustadt, zuletzt in Altona (-Nord!).

    Ich frage mich warum diese Diskussion nicht ein bißchen weniger emotional geführt werden kann. Warum finden sich in den Kommentaren so viele unsachliche und meiner Meinung nach unangebrachte Bemerkungen? Ich stimme Tom im übrigen nicht zu. Aber jeder muss doch sein eigenes Leben führen, seine eigenen Entscheidungen treffen. Das ist imho zu respektieren ohne sich dazu aufgefordert zu fühlen unreflektiert rumzublöken.

    Ich lebe jetzt seit ziemlich genau 15 Monaten nicht mehr in Hamburg und möchte gerne so bald wie möglich wieder zurück. Die angesprochenen Probleme kann man sicher nicht wegdiskutieren, dennoch weiß ich, dass HH für mich eben doch der Nabel der Welt ist. Das können und sollen andere durchaus anders sehen. Wäre doch schrecklich wenn alle der gleichen Meinung wären. Was im übrigen am meisten an diesem Thema nervt, sind diese merkwürdigen und überflüssigen Großstadt-Rivalitäten (nach dem Motto: “mein Berlin ist aber viel geiler, größer, cooler als dein Hamburg, München, Köln, whatever…”). Auch für mich ist Hamburg die schönste Stadt der Welt. Sie ist und bleibt eben meine Heimat. Ich mag aber auch Berlin oder Köln. Nur leben möchte ich am liebsten wieder in HH.

    Trotz allem gefällt mir der Artikel irgendwie, auch wenn ich Toms Konsequenz nicht folgen kann. Muss ich ja aber auch nicht, ist nicht meine Tasse Tee. Tom, ich wünsch Dir alles Gute für München und nimm Dir diese überflüssigen Angriffe nicht zu Herzen. Aber das wirst Du wohl auch nicht.

    Ahoi.

  47. Exilhauptstätter #
    Dezember 6, 2010

    Armer Jan Delay!
    Da reimt doch gerade der Vorzeige-Hamburger in seinem Lied KARTOFFELN so hübsche Texte, wie: “Gib mir gutes Radio … gute Clubs und ein paar fähige Idole, gib mir das alles, Digger, und wir können wetten, in 20 Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhattan.”

    Und wat is daraus geworden? Nüscht von alledem! Na ja, es geht ja schon los damit, dass es in HH kein gutes Radio und noch nicht einmal eine brauchbare Tageszeitung gibt und das in der MEDIENSTADT Hamburg. Die fähigen Idole wandern ebenfalls in Scharen ab, vornehmlich in Richtung Hauptstadt (auch darüber singt Jan Delay) und was zurückbleibt ist mittlerweile eine dröge, gentrifizierte Wohlstandsgesellschaft.
    Abgesehen vom Drain der Kreativen hat die Stadt an der Alster aber noch einen weiteren riesengroßen Nachteil: Nämlich ist die Alster selbst!
    Dadurch, dass fast 200 Hektar im Innenstadtbereich durch das Aufstauen der Alster geflutet wurden, gibt es viel zu wenig bebaute Fläche in der Innenstadt. Um die Alster herum gibt es ausschließlich Büros und Einkaufsmeilen aber keinen bezahlbaren Wohnraum. Deshalb machen es die Hamburger nämlich genau verkehrt rum, sie wohnen am Stadtrand und fahren in die Innenstadt ins Grüne bzw. ins blaue. Wenn dann am Wochenende die HH-Vorstädter nebst Touristen ihre Innenstadt besuchen, kommt logischerweise kein kosmopolitischer Spirit auf. Alle sind irgendwie nur zu Gast, keiner ist in seinem angestammten Kiez verwurzelt, so wie es z.B. in Berlin Gang und Gäbe ist. Daher auch die Bielefeldisierung von Hamburg, weil sich das Leben in Rahlstedt, Farmen & Co. nicht allzusehr von Bielefeld-City unterscheidet.
    Ich finde es sehr schade, weil wir Berliner immer glauben, HH ist die einzig wahre Alternative zu Berlin … dem ist leider nicht so!

  48. medha #
    Dezember 13, 2010

    Enttäuschte Liebe ist meist eine Folge unrealistischer Erwartungen. Und: egal wo man hingeht, man nimmt sich selbst immer mit.

  49. Doc #
    Dezember 13, 2010

    Er spricht mir aus der Seele. Ich habe innerlich bereits auch mit HH abgeschlossen. Wäre mir früher nie in den Sinn gekommen. Aber Hamburg hat es echt vermasselt. Wer jetzt meckert, dann geh doch woanders hin, dem soll gesagt sein, daß es nicht darum geht, eine andere Stadt besser zu finden, sondern zu bemängeln, was Hamburg anscheinend eben nicht mehr ist. Es ist eben nicht mehr das Hamburg, das Heidi Kabel mal besungen hat. Nicht mehr das St. Pauli, das die Seeleute so gut fanden. Hamburg hätte vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, das Zeug für eine Weltstadt gehabt. Aber wer nur mal mit dem Bus durch London oder Paris gefahren ist, weiß, wie eine Weltstadt aussieht. Hamburg hat tolle Ecken, keine Frage, aber wo ist denn bezahlbarer Wohnraum, wo sind die Kitaplätze für arbeitene Eltern? Er spricht genau diese Punkte an und ich gebe ihm Recht. Wer braucht eine Millionenteure Elbphilharmonie. Hamburg ist in Wirklichkeit sehr provinziel geworden. Aber gibt es eine Alternative? Bestimmt. Wer jetzt auf München schimpft, weil dort ab 23 Uhr Zapfenstreich ist, dem kann ich auch nicht helfen. Macht das eine Stadt aus, wie lange ich dort “saufen” kann?
    Wir Hamburger sind Muffelköppe, maulfaul und engstirnig, keine Frage. Es gibt nettere Zeitgenossen. Und ich gehe auch nicht nach München oder zB. Bielefeld, wo immer das liegen mag, aber ich kehre dem hamburger Boden demnächst bewußt den Rücken und gehe nach SH oder Niedersachsen. Nicht in eine andere Stadt, aber definitiv raus aus Hamburg. Die Perle hat ihren Glanz verloren.

  50. JN #
    Dezember 13, 2010

    UND TSCHÜSS! =)

    Aber komm bitte nicht weinend zurück, wenn du nach diversen Weißwürsten, Lederhosen, Currywürsten, Kodderschnautzen und all dem anderen Mist feststellst, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist.

    http://www.abendblatt.de/hamburg/article1521140/Lebensqualitaet-Hamburg-haengt-alle-Staedte-ab.html
    http://www.investornet.de/?p=79 / Hamburg vorn bei Umzügen
    http://www.ad-hoc-news.de/schon-hamburg-beliebt-wie-nie-im-august-erneut–/de/News/20620791

    Du armer Pinsel.

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