Jetzt, wo American Apparel offenbar vor der Insolvenz steht, ist es Zeit diese Geschichte aus dem Jahr 2004 abzustauben. Damals war AA ganz oben und ich traf Unternehmenschef Dov Charney in seinem Haus in L.A. Ich erinnere mich noch genau. Er hatte nur eine pinkfarbene Unterhose an und empfing mich mit den Worten: “I am having some rice for chow, man. You dig some?” Dann zog er sich zum Glück ein Shirt über und gab bereitwillig Auskunft.
American Apparel: Kaliforniens Trigema-Mann (SPON, 04.07.2004)
Anders als der Rest der US-Textilbranche lässt American Apparel nicht in Billiglohnländern fertigen. Der exzentrische Unternehmenschef Dov Charney produziert ausschließlich mit eigenen Mitarbeitern – mitten in Los Angeles’ teurer Downtown.
Los Angeles – Nur mit einer kurzen rosafarbenen Hose und einem gelben Poloshirt bekleidet sitzt Dov Charney auf dem heimischen Sofa und zitiert Ronald Reagan. “Ich habe gehört, Reagan kränkelt etwas”, meint der Gründer von American Apparel und grinst. “Egal, er hat ein paar echt gute Sachen gesagt, zum Beispiel: ‘Was für Menschen werden wir in vierzig Jahren sein? Mögen wir freie Menschen sein, fest in der Überzeugung, dass Freiheit nicht das Vorrecht weniger ist, sondern das universelle Recht aller Kinder Gottes.’” Der drahtige kleine Mann wirft die Arme nach vorne, krallt seine Hände in den Bezug des Fauteuils. “Universalität, Mann. Darum geht es.”
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In der Branche gilt der aus Montreal stammende Kanadier als Sonderling, und das liegt nicht nur an seinem Auftreten. Charneys American Apparel (AA) ist der letzte Mohikaner der US-Textilbranche. Mit 83 Millionen Dollar Jahresumsatz ist die Firma inzwischen der größte heimische T-Shirt-Hersteller, weil der Rest der Branche seine Fertigung komplett nach Asien und Mittelamerika verlagert hat. Charney hingegen ist nicht nur geblieben, er hat seine Fabrik zudem von South Carolina ins teure Los Angeles verlegt. “Hier gibt es haufenweise kreative Designer und Modeleute, das ist wichtig für uns”, sagt er. “Und viele mexikanische Immigranten.” Ein wenig erinnert Charney an Wolfgang Grupp. Der deutsche Sportartikelhersteller Trigema lässt auch nicht in Übersee fertigen. Und auch der “König von Burladingen” gilt in der Branche als schräger Vogel.
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