Urheberrechte im Web: Der Fall Twitpic

30. Juni 2010 9 Kommentare

Viele von uns knipsen mit ihrem Handy unterwegs Sachen und twittern diese dann mit Hilfe von Twitpic, einer auf den Microbloggingdienst zugeschnittenen Fotoplattform. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was mit den Bildern im weiteren passiert. Im Web geht immer wieder das Gerücht um, wer Bilder bei Twitpic hochlade, der trete alle Rechte an seinen Aufnahmen ab.

Das ist Quatsch; Twitpics AGB erscheinen vielmehr äußerst fair, soweit ich das als juristischer Laie beurteilen kann. Dort heißt es:

By uploading your photos to Twitpic you give Twitpic permission to use or distribute your photos on Twitpic.com or affiliated sites. All images uploaded are copyright © their respective owners. For clarity, you retain all of your ownership rights in your Content.

Klingt sauber. Aber seit heute weiß ich, dass diese Regelung nicht so weitgehend ist, wie man als Nutzer vielleicht vermutet.

Der Blogdienst Posterous hat am Mittwoch eine Importaktion für Twitpic-Bilder gestartet. Das USP von Posterous ist es, eine sehr einfach handhabbare Blogplattform bereit zu stellen, die den dort geposteten Content automatisch an Twitter. Facebook, Flickr etc. weiterzuverteilt.

Posterous‘ neuer, aggressiver Marketingdreh besteht darin, Importtools für Seiten wie Ning oder Twitpic anzubieten. Das ganze ist Teil einer großangelegten „Switch to Posterous“-Kampagne. Den Switchern verspricht das Unternehmen, alle relevanten Bilder, Texte oder Videos aus ihrem jeweiligen digitalen Altbestand (geplant sind 15 Dienste) zu migrieren.

Da ich ohnehin seit längerem ein Posterous-Blog unterhalte, habe ich versucht, meine derzeit knapp 50 Twitpic-Bilder zu importieren. Sollte kein Problem sein, dachte ich. Sind ja meine Bilder.

Das geht jedoch nicht mehr, denn Twitpic hat den Anwalt von der Leine gelassen und es Posterous untersagt, über die (offene?) API Bilder abzusaugen.

Jetzt könnte ich die Fotos, die sich irgendwo auf meinem Mac befinden, natürlich auch einzeln migrieren, was freilich mühsam ist. Ich würde aber lieber ungehindert meine Eigentumsrechte ausüben, die Twitpic ja bisher nicht bestritten hatte („you retain all of your ownership rights“).

Posterous fertigt ja nur digitale Kopien an und löscht die Bilddateien, die ich Twitpic zur Verfügung gestellt habe, nicht. Zudem ist Posterous ja von mir mandatiert.

Schon klar, dass Twitpic Angst hat, dass ihnen die User weglaufen. Ist aber ja wohl nicht mein Problem. Ich habe deshalb um Stellungnahme gebeten:

Hey @TwitPic, why won’t you let me move my photos wherever I want? Seems to me this contradicts IP rights & your fine print, too!

Der Fall ist interessant, weil er ein grundsätzliches Dilemma aufzeigt: Jeder dieser Dienste, ob Facebook, Twitpic oder Posterous, hat ein großes Interesse daran, wie ein Schwamm usergenerierten Content aufzusaugen, es dem Nutzer dann aber möglichst schwer (am besten unmöglich) zu machen, diesen wieder zu exportieren. Ich bin gespannt, wie der Fall ausgeht.

Das Ganze ist ein bisschen so, wie wenn ein Self-Storage-Anbieter mir offerierte, meine Bücher und mein Kellergerümpel abzuholen und umsonst feinsäuberlich einzulagern. Und mir später, wenn ich meinen Krempel wieder abholen will, verbietet, mit der Sackkarre in seine Lagerhalle zu fahren oder gar fremde Möbelpacker zu beauftragen.



9 Kommentare

  • BS sagt:

    Wie kommst Du darauf, dass Twitpic dafür verantwortlich ist, dass Du weniger Mühe beim Wechseln hast?

    Es ist sogar gut, das Twitpic das „Absaugen“ untersagt, immerhin liegt das Copyright bei dem jeweiligen Benutzer. Da ist wahrscheinlich auch nicht jeder mit einverstanden, und Twitpic kann ja nicht jedesmal, die Legitimation prüfen.

    Für mich bist Du ein Fall von „Verwöhnungsverwahrlosung“: Nur damit Du weniger Arbeit hat, soll Twitpic auch noch mithelfen, sich selbst gegenüber einem Konkurrenten zu schädigen. Da das Copyright bei Dir liegt, musst Du auch die Copy anfertigen und ausliefern. So einfach kann das manchmal mit dem Copyright sein.


  • BB sagt:

    Du wirst doch in Deinen Urheberrechten nicht beschnitten. Twitpic verbietet lediglich dem Konkurrenten einen automatisierten Zugriff. Ärgerlich, kleinlich, ja. Aber Twitpic ist nicht verpflichtet, Bilder auszuliefern, die Du eingeliefert hast. In amerikanischen Restaurants gibt’s doch dieses schöne Schild „we reserve the right to refuse service to anyone“. Das hier ist nichts anderes.


  • Kiki sagt:

    Unter „affiliated sites“ versteht Twitpic allerdings nicht Posterous, mit denen haben sie eben keine Affiliation bzw. keinen Businessdeal. Und Dein Copyright bleibt ja unbenommen, denn natürlich kannst Du Deine Bilder erneut bei Posterous hochladen, es ist nur eben mühsamer.
    Der Vergleich mit dem SelfStorage Anbieter hinkt also, denn Twitpic verbietet Dir nicht, deine Sachen wieder abzuholen oder woanders einzulagern.

    Ich sehe eher Posterous als den Übeltäter, der den Zulieferern wie Twitpic die Kosten aufdückt, und selbst den rahm abschöpft. Nicht umsonst haben alle Bilderdienste wie flickr, ipernity etc ein Hotlink-Verbot drin, solange nicht klar erkennbar auf die jeweilige Seite verlinkt wird.


  • Hilli sagt:


    „Es ist sogar gut, das Twitpic das “Absaugen” untersagt, immerhin liegt das Copyright bei dem jeweiligen Benutzer.“

    Sicherheitsvorkehrungen sind gut, aber die dienen doch wohl dazu, meine Bilder vor Dritten zu schützen. Und nicht vor mir selbst. Wenn ich als Benutzer meine Bilder kopieren will und dafür jemanden mandatiere, dann sollte man’s mir nicht so schwer machen.

    Eine Möglichkeit, seinen Twitpic-Account zu löschen, gibt es im FAQ übrigens auch nicht. Zumindest das müsste ja drin sein, wenn man Nutzerrechte ernst nimmt.


  • BB sagt:

    @BS:
    ==
    Es ist sogar gut, das Twitpic das “Absaugen” untersagt, immerhin liegt das Copyright bei dem jeweiligen Benutzer. Da ist wahrscheinlich auch nicht jeder mit einverstanden, und Twitpic kann ja nicht jedesmal, die Legitimation prüfen.
    ==

    Ein Benutzer lädt Bilder bei Twitpic hoch, damit jeder sie sich wieder runterladen kann. Jedes Ansehen im Browser ist ein Download-Vorgang, falls das unklar ist. Insofern halte ich Deine Aussage für wenig sinnvoll. Copyright heißt übersetzt Urheberrecht, das behält der Autor, auch wenn andere sein Werk kopieren. Natürlich darf man so ein Bild nicht wiederveröffentlichen o. Ä. Aber das ist auch eine andere Baustelle.


  • Thomas sagt:

    „[…]Twitpic permission to use or distribute your photos on Twitpic.com or affiliated sites[…]“

    Twitpic darf die Bilder veröffentlichen, sie gehören weiter dem der sie hochgeladen hat. Wie leitet man daraus jetzt das Recht ab, die Bilder, die Twitpic hostet und veröffentlicht, beliebig weiterverteilen zu können?
    Wenn ich Fotos in einem Magazin veröffentliche habe ich damit auch nicht das Recht, jedem das Einscannen dieses Magazins zu erlauben.
    Dieser Kopiervorgang von Posterous verursacht Server-Traffic, für den Twitpic aufkommen muß. Also hat Twitpic auch das Recht da Gegenmaßnahmen einzuleiten. Das Recht eure Bilder auch woanders hochzuladen wird euch nicht abgesprochen, es ist aufwendiger, ja. Aber Twitpic hat wohl nicht die Pflicht, den Nutzern die Nutzung von Posterous einfacher zu machen.


  • VonFernSeher sagt:

    Ständige Erreichbarkeit, vollumfängliche Dienstleistung, hundertprozentiger Daten- und Urheberrechtsschutz und das alles dann auch noch kostenlos?

    Drei Dinge auf einmal und Schokolade?

    Jeder darf sich gerne das rausnehmen, was ihm zusteht, aber irgendwo muss doch auch noch die Geschäftsidee des Anbieters bleiben, oder? Und ein Kurznachrichten- und Bilderdienst braucht halt nun einmal die Links auf die eigenen Seiten, um zu überleben. Und wenn der Link zur Konkurrenz geht, hat er nichts davon.

    Nach deinem Beispiel wäre es wohl eher so: Du hast deinen kostenlosen Kellerraum gekündigt und anstatt dich zu freuen, dass du dein Zeug für ne Zeit lang unproblematisch los warst, beschwerst du dich, dass der Kellereigetümer nicht deine Sachen packt, in den neuen Keller bringt und nachher bitte noch einmal durchkehrt.

    Dein Vermieter wollte ich nicht sein.


  • Jim sagt:

    „Das Ganze ist ein bisschen so, wie wenn ein Self-Storage-Anbieter mir offerierte, meine Bücher und mein Kellergerümpel abzuholen und umsonst feinsäuberlich einzulagern.“

    >Wie wenn…als ob< passiert. Jim


  • Sebastian sagt:

    Ich verstehe gerade den Grundansatz des Postings nicht. Woher soll Twitpic wissen, dass Du derjenige bist, der bei Posterous das komplette Absaugen der Inhalte beantragt hat?

    Du tust gerade so, als wäre es von Anfang an Teil der Dienstleistung von Twitpic gewesen, eine vollständiges Kopieren aller Deiner Daten von jeder anderen Firma erlauben zu müssen.

    Mehr noch, ich verstehe das Verhalten von Twitpic eher noch als Schutz Deiner Bildrechte gerade WEIL sie das automatisierte Abfließen Deines Contents verhindern. Du verlangst hier im Prinzip, dass Twitpic eine Schnittstelle baut, um legitime komplette Datenabflüsse festzustellen von anderen Personen/Firmen als Dir selbst.

    Stell Dir mal vor, ein Plattenlabel stellt alle seine Lieder bei iTunes rein. Dann machen sie einen neuen Deal mit einer anderen Firma. Fändest Du es dann legitim, wenn diese andere Firma einfach alle Lieder aus dem iTunes Store ohne Bezahlung versucht abzugreifen, und diese dann selbst zu hosten?

    Oder wenn Du eine Webseite unter WordPress laufen hast und von einem Webhoster zum nächsten umziehst und der anbieten würde, alle Deine Postings von Deiner alten Seite zu importieren, müsste dann der alte Webhost automatisierte Zugriffe auf seine MySQL-Datenbanken zulassen?

    Ich glaube nicht, Tim.


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