Jeden Tag klicke ich zigfach auf Retweet-, Facebook- sowie diverse andere Rating- und Sharingbuttons – und neuerdings auf den notorischen Like-Button. Zusätzlich lade ich Bilder hoch und verteile sie über Flickr, Posterous und Tumblr. Vielen Seiten habe ich eine Freigabe erteilt, sodass sie meine Aktionen automatisch in meine sozialen Netzwerke posten – Favoriten auf Youtube landen zum Beispiel automatisch in meinem Facebook-Newsfeed.
Das war schon immer kompliziert. Aber nun, das muss ich gestehen, habe ich endgültig den Überblick verloren.
Vielleicht bin ich zu dämlich für Social Media? Oder zu alt? Glaube ich nicht. Seit es Akustikkoppler gibt, hänge ich im Netz, ich blogge, seit zehn Jahren arbeite ich unter anderem für SPIEGEL ONLINE. Ich studiere das Kleingedruckte in den Privatsphäre-Einstellungen, lese täglich Fachpublikationen wie Mashable, schreibe manchmal über Social Media und betreue über zehn Facebook-Pages.
Es gibt bestimmt viele Leute, die bei dem Thema mehr Durchblick haben. Aber, und das soll jetzt nicht großkotzig klingen: Wenn ein Profi wie ich das alles nicht mehr versteht, wie sollen es dann normale User überreißen?
Das Problem wurde mir schlagartig bewusst, als ich Likebutton.me bewunderte, eine Aggregator-Seite, die aus den Handlungen meiner Bekannten im erweiterten sozialen Netz (was inzwischen fast gleichbedeutend ist mit dem Web) eine Übersicht relevanter Inhalte erstellt.
Weiß meine Kollegin, dass ich jetzt weiß, dass sie eine Geschicnte über Pornographie auf Mobiltelefonen gefaved hat? Und was, verdammt nochmal, sehen die Leute dort über meine Aktivitäten im Netz?
Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht. Ich kann schlichtweg nicht mehr nachvollziehen, welche Implikationen meine Handlungen im Netz haben. Mashables Chefredakteur Peter Cashmore kommentiert ironisch, niemand könne Facebook stoppen, weil niemand mehr verstehe, was Facebook eigentlich tue.
Da hat er wohl recht. Herr Zuckerberg, ich kapituliere! Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob man als User alles verstehen muss. Ich weiß schließlich auch nicht genau, wie meine Mikrowelle funktioniert. Aber die sendet, so hoffe ich, auch keine Daten durch die Gegend.
Bei Google Buzz patzte ich zum ersten Mal und gab, wie Tausende andere auch, kurzfristig die Namen von Menschen preis, mit denen ich in häufigem privaten Mailkontakt stehe; im Falle von Open Graph, Facebooks neuem Personalisierungtool (wenn es das trifft), wird mir möglicherweise ähnliches passieren. Oder vielleicht auch nicht. Ich kann das schlichtweg nicht genau sagen, weil ich die Implikationen des Dienstes bislang noch nicht ausreichend verstehe (obwohl ich ein Dutzend Artikel darüber gelesen habe).
Am Wochenende werde ich mich hinsetzen und die Dokumentation von vorne bis hinten durchlesen. Dann werde ich entscheiden, ob ich das neue Facebook-Tool komplett ausknipse – was übrigens ein grotesk schwieriges Unterfangen ist, siehe diese Anleitung.
Bah! Jetzt muss man für Social Media schon ellenlange Gebrauchsanleitungen studieren – so etwas gab es bislang nur bei Videorekordern und Herz-Kreislauf-Medikamenten. Da liest das Zeug in der Regel keiner. Vermutlich ist genau das auch hier die Intention.

Wenn Du das als absoluter schon nicht mehr verstehst, habe ich wenig Hoffnung. Ich werde mich also doch weiterhin hinter meinem Hund auf Facebook verstecken.
kk
Ich habe mich komplett von Facebook gelöscht (bzw. meinen Account). Damit bin ich zwar dieser Datenkrake entkomme, aber existiere dafür für eine Menge Leute auf einmal nicht mehr. Jedenfalls nicht so richtig. Fürchte ich.
@jakob äh, wer bist du? sind wir irgendwo vernetzt ;)