Tom Hillenbrand’s Netzfundbüro

Werbung bizarr: Post schließt alle Filialen - wirbt aber mit 1000 Neueröffnungen

19 November 2009 — News, Medienmassaker, Wirtschaft, Werbung

Ach, die Werbung, dieser flitternde Vogel. Selten entsprechen ihre Aussagen uneingeschränkt der Wahrheit, mitunter sind sie dreiste Lügen. Und manchmal bewegen sich Werbebehauptungen im Bereich des Surrealen, wie bei der neuen Kampagne der Deutschen Post, deren Motive im Internet und auf Billboards zu sehen ist.

Dieses ist besonders schön:

1000 neue Filialen seit 2002? 15 pro Monat? Das klingt irgendwie kontraintuitiv, denn die Deutsche Post reduziert die Zahl der selbst betriebenen Außenstellen seit Jahren. Einstmals waren es Tausende, jetzt sind nur noch rund 500 übrig.

Dennoch gibt es in Deutschland aktuell etwa 14.000 Postshops, weil das Unternehmen parallel zur Schließung seit Jahren auf private Drittanbieter als Service- bzw. Franchisepartner setzt. 2011 soll es nur noch private Postfilialen geben.

Wenn aber ein rechtlich von der Deutschen Post unabhängiges Unternehmen, sagen wir, zum Beispiel ein türkischer Gemüsehändler in meiner Nachbarschaft einen kleinen gelben Counter neben seine Tomaten stellt und draußen eine Briefkasten anschraubt (nein, das habe ich mir nicht ausgedacht), dann kann man - zumindest nach meinem Verständnis von Wahrhaftigkeit und Lauterkeit kaum behaupten, man eröffne selber neue Filialen.

Wenn man es tut, dann muss man zumindest sehr viel Chuzpe besitzen.

Ein Post-Sprecher erklärte auf Anfrage, der wunderlich wirkenden Werbeslogan sei “kein Widerspruch, sondern offenbar nur ein begriffliches Missverständnis”. Die Sache mit den alten, neuen, postbetriebenen und privatbetriebenen Filialen sei recht komplex, so der Sprecher, und oft werde der Sachverhalt leider nicht korrekt wiedergegeben. “Hier handelt es sich einfach um das Phänomen der Verkürzung von Meldungen in den Medien.”

Wenn das so ist, dann handelt es sich bei der Post-Werbung offenbar um das Phänomen der Verkürzung von Fakten in der PR.

Die Post behauptet übrigens, Kunden seien mit nicht von der Post betriebenen Filialen zufriedener als mit Eigenfilialen. Wenn das so ist, dann wäre es vielleicht tatsächlich besser, die gesamte Paketabfertigung nebenbei von freundlichen, fleißigen Gemüsehändlern erledigen zu lassen.

Wie wäre es dazu mit einem neuen Plakat auf dem steht: “Service ist für uns ein Versprechen, das wir durch die Schließung von 1.000 mit übellaunigen, langsamen Beamten besetzten Filialen eingelöst haben.”

Also - mich würde das ansprechen.

2 Kommentare »

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vom 19 November 2009 at 10:39

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[…] Aber die Einsparungen reichen der Deutschen Post wohl nicht und so setzt man noch einen drauf, indem man in der diesjährigen Werbekampagne sogar stolz auf diese clevere Idee ist und ohne mit der Wimper zu zucken auf Kundennähe und die neuen “Filialen” hinweist. Thomas Hillenbrand beschreibt diese Dreistigkeit in seinem Blog-Artikel “Werbung bizarr: Post schließt alle Filialen – wirbt aber mit 1000 Neueröffnungen” sehr passend. […]

vom 23 December 2009 at 20:38

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