Ökonomie eines Blutbads

17. Februar 2009 1 Kommentar

Dieser Blogpost von Henry „piece of shit“ Blodget lässt mir keine Ruhe. Der Ex-Analyst hat unlängst ausgerechnet, dass die NYT jedem ihrer Abonnenten einen Kindle schenken könnte, wenn sie das Blatt nicht mehr druckte. Das ist freilich eine Milmädchensubtraktion, die dem Blatt wenig hilft.

Ich habe mir ein paar Zahlen zur Kostenstruktur deutscher Tageszeitungen besorgt und ein wenig herumgeexcelt. Das Ergebnis finde ich ebenso interessant wie deprimierend. Auf Basis der durchschnittlichen prozentualen Kostenverteilung habe ich eine (stark simplifizierte) Kostenrechnung für den fiktiven „Dödelsberger Boten“ erstellt.

Dieses qualitätsjournalistische Blatt machte in den guten alten Zeiten 120 Mio. Umsatz p.a., bei Vollkosten von 100 Mio. Dann kam die Medienkrise und die Anzeigenerlöse (70% des Gesamtumsatzes) schmierten um 60% ab. Damit war die einstmals hochprofitable Zeitung plötzlich tiefrot. Die Dödeldorfer erhöhten daraufhin ihren Copypreis um 10%, was ihnen aber nicht viel geholfen hat.

Das Elend sieht buchhalterisch dann folgendermaßen aus:

Die Internetausgabe Dödel.de läuft doch bestimmt besser? Liegt alles nur am Toter-Baum-Vertieb? Nicht wirklich. Ich habe mal angenommen, dass die Onlineausgabe 25 % des Werbeumsatzes der Printausgabe erwirtschaftet (optimistisch), 10% der Vertriebskosten der Printausgabe hat, 25 % der Anzeigenkosten und 25% der Verwaltungskosten. Dödel.de ist trotzdem tiefrot.

Selbst wenn das Webangebot sich das gesamte Backoffice mit der Printausgabe teilt, ist es defizitär:

Ich habe länger mit der Excel-Tabelle herumgespielt – das einzige wovon ich die Finger gelassen habe, sind die Redaktionskosten – die journalistische Qualität soll ja erhalten bleiben, egal ob bei Print oder Online. Doch selbst, wenn man „Dödeldorfer Bote“ und Dödel.de kombiniert und die Printredaktion alle Onlinebeiträge nebenbei mitschreiben lässt (unrealistisch), kommt immer noch ein Fehlbetrag heraus.

Was ich damit sagen will? Keine Ahnung – vielleicht, dass es alles nicht so einfach ist, wie Henry Blodget glaubt. Hier ist übrigens meine Tabelle – wer also mal Costcutter spielen will – viel Spaß.

Und hier nochmal als Grafik.

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