Erinnert sich noch jemand an den Film “Who killed the electric car?” Der behauptete, eine Allianz aus Ölmultis und Lobbyisten habe GMs Elektroauto EV1 gekillt. Inzwischen sieht es ja eher so aus,als ob alle E-Autos supi finden: Politiker, Autofirmen, Stomversorger, Pressefuzzis. Alle sind ganz sicher, dass die Elekteomobilität kommt.
Das sollte einen misstrauisch machen.
So allmählich muss man sich meines Erachtens mit der Gegenthese beschäftigen. Möglicherweise wird das auch diesmal alles nichts.
Beweisstück 1: Der fallende Ölpreis. Er liegt jetzt unter 40 Dollar, und es ist durchaus denkbar, dass er unter 20 rutscht, wenn die Rezession anhält. Selbst wenn das nur eine kurzfrisitige Delle sein mag - möglicherweise hat Barack Obama recht mit seiner Befürchtung: “Dann fallen die Preise - und als ob nichts gewesen wäre, betanken wir wieder unsere SUV.”
Beweisstück 2: Die EU hat gerade eine ziemlich laue CO2-Regelung verabschiedet, die die Autohersteller wohl auch mit herkömmlicher Technologie erfüllen können. Da senkt den Innovationsdruck erheblich.
Beweistück 3: Fast alle Autofirmen haben E-autos angekündigt, viele schon für 2010. Aber jetzt haben fast alle Liquiditätsprobleme - da wird der eine oder andere sicherlich zurückrudern. Wahrscheinlich mit Verweis auf die Finanzkrise, die man ja nicht habe ahnen können.
Beweistück 4: Noch ärger ist es bei den Zulieferern, die gerade reihenweise Pleite gehen. Nur wenige Autohersteller bauen eigene Akkus und elektrische Powertrains - die meisten haben darauf gesetzt, dass sie die Elektroauto-Innereien von ihren Zulieferern bekommen. Auch hier sind Zweifel angebracht, ob all die angekündigten Komponenten pünktlich da sind. Einen kompletten powertrain zu entwickeln kostet millionen, und bringt mehrere Jahre lang wenig ein.
Update 1: GM hat übrigens gerade die Eröffnung einer Motorenfabrik in Flint verschoben. Dort sollte der Range-Extender-Motor des Chevy Volt gebaut werden. Wann die Arbeiten an der Fabrik wieder aufgenommen werden, will das Unternehmen derzeit nicht sagen.
Update 2: Conti hat angeblich Probleme, das Geld für die Entwicklung neuer E-Auto-Batterien zusammenzubringen, schreibt der Tagesspiegel”.
Ein sehr hübscher US-Werbespot von Suzuki - allerdings sind nur die ersten 60 Sekunden gut. Danach dreht sich die Message (”durstige SUVs sind von gestern”) in die diametral entgegengesetzte “aber etwas kleinere SUVs wie der Grand Vitara sind toll”. Das funktioniert nicht so richtig. Aber dennoch ein Schmunzler.
SUV-Verhohnepiepelung ist gerade ziemlich in. Warum? Vermutlich passt das nicht ganz rational begründete Anti-Allradler-Sentiment zur Finanzkrise und zur Klimakrise. Diese Fahrzeuggattung symbolisiert halt, dass 2002 bis 2008 alles immer ein bisschen zu groß und zu klotzig war, dass es immer noch etwas mehr sein musste, als eigentlich notwendig. Mehr zu dem Phänomen hier.
Anders kann man das nicht nennen, was GM da in einer neuen Printanzeige an Selbstgeißelung betreibt. Einige Auszüge aus dem Text:
“While we’re still the U.S. sales leader, we acknowledge we
have disappointed you,” the ad said. “At times we violated your
trust by letting our quality fall below industry standards and
our designs became lackluster.”
“We have proliferated our brands and dealer network to the
point where we lost adequate focus on the core U.S. market,”
the ad said. “We also biased our product mix toward pick-up
trucks and SUVs.”
“Despite moving quickly to reduce our planned spending by
over $20 billion, GM finds itself precariously and
frighteningly close to running out of cash”.
Die Autoindustrie wollte ihre CO2-Emissionen freiwillig auf 140 g/km senken, hat diese Zusage jedoch total versemmelt konnte sie wegen unüberwindbarer technologischer Hürden leider nicht einhalten.
Deshalb wollte Umweltkommissar Dimas den ganz harten Regulierungshammer rausholen und 120g bis 2012 festschreiben, ohne Ausnahmen. Das ist auch dem EU-Parlament ein Herzenswusch, ebenso wie den Autonationen Deutschland, Frankreich und Italien.
Aber bitte erst ab 2015. Und die CO2-Reduktion durch Klimaanlagen oder Leichtlaufreifen bekommen die Autohersteller gesondert angerechnet. Die sind im ECE-Verbrauch aber schon inkludiert? Egal. Dann zählen sie eben jetzt doppelt. Strafzahlungen gibt es auch, aber in maximaler Höhe erst 2019.
Der CO2-Grenzwert liegt jetzt über dem, was die Autolobby freiwillig angeboten hatte. Und außerdem gibt es eine Revisionsklausel, falls das dann alles doch zu hart wird.
Wenn ich richtig gerechnet habe, planen die USA inzwischen eine CO2-Reduktion, die der Europas prozentual in nichts nachsteht (bis 2020). Ja genau, die Amis.
Nachrichtliches zum Brüsseler CO2-Debakel hat Bloomberg. Mein ausführlicher Kommentar bei SPIEGEL ONLINE steht hier.