Vorsicht, Journalistenfalle: Wie man mit Xing den Informantenschutz untergräbt
Januar 22nd, 2008
Tom
Viele Journalisten haben, wie der Rest der Menschheit auch, einen Eintrag be Netzwerkportal Xing. Der ist für die Selbstdarstellung ganz praktisch und kann zudem bei investigativen Recherchen eine Hilfe sein. So könnte man, um ein Beispiel zu nennen, von der Kündigung bedrohte Mitarbeiter eine Handyherstellers über Xing finden und sie direkt ansprechen. Für eine Insider-Reportage.
Oder, um ein reales Beispiel aus meiner eigenen Arbeitspraxis zu nennen: In einem HRG-Eintrag fand ich einen Eintrag über die Gründung eines mysteriösen Startups, bei dem es sich offenbar um die Tochtergesellschaft eines Dax-Konzerns handelte. Letzterer mauerte und wollte keinen Kontakt vermitteln. Eine Webseite hatte das Startup nicht. Aber im Handelsregister war der Geschäftsführer namentlich vermerkt, er war bei Xing gespeichert und durchaus gesprächsbereit.
Kleiner Haken an der Sache: Wer seine Xing-Einstellungen nicht genau kontrolliert, gibt unfreiwillig Informationen preis, die man als Journalist lieber für sich behalten sollte. Es ist z.B. ganz erstaunlich, wie viele Kollegen ihr Kontakte-Netzwerk bei Xing für jeden Interessierten zugänglich machen. Da kann dann Pressesprecher X nachgucken, mit wem der Herr Redakteur verkehrt.
Selbst wer das ist den Einstellungen abklemmt (“Kontaktliste ist sichtbar für: Niemand”), hat möglicherweise weiterhin ein Leck. Auf der persönlichen Startseite von Xing gibt es nämlich eine Rubrik namens ” Neues aus meinem Netzwerk”. Dort wird nachgehalten, wen man wann als Kontakt hinzugefügt hat. Wer also zum Beispiel einen Pressesprecher in seinem Netz hat, muss davon ausgehen, dass dieser Benachrichtigungen bekommt, wenn der Herr Redakteur neue Kontakte hinzufügt.
Kann man auch abstellen. Aber in der Standardeinstellung leckt es.