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In den letzten Tagen ist recht viel darüber geschrieben und kolumniert worden, ob Google Print eine gute Sache sei. Dabei geht es meist um die Frage, ob die Copyrights der Autoren verletzt werden. Für den einzelnen ist das sicherlich wichtig. Insgesamt betrachtet sind diese eigentumsrechtlichen Details aber kaum von Belang.
Es geht um nicht weniger als um die Indexierung und Durchsuchbarmachung des gesamten verschrifteten menschlichen Wissens. Eine Datenbank, die all diese Informationen umfasste, wäre, auch wenn es pathetisch klingt, einer der größten Schätze der Menschheit. Und verdammt nützlich wäre sie obendrein.
Ökonomisch ausgedrückt müsste diese Alexandrinische Bibliothek im Web ein Gemeinschaftsgut sein (Definition). Wichtig ist die Frage, wer diesen Datenschatz kontrollieren soll und wie. Welche Bücher werden indexiert? Welche zuerst, welche zuletzt? Welche Schriften sind es (aus welchen Gründen auch immer) nicht wert, durchsuchbar gemacht zu werden? Wer legt die Relevanzkriterien für die Suche fest, den PageRanking-Mechanismus dieser digitalen Bibliothek?
Die beste Variante wäre meines Erachtens eine Organisation, die
- dem öffentlichen Interesse verpflichtet ist
- transparent arbeitet
- ihre Methodik (Indexierung, Suche) nachvollziehbar macht
- die Daten allen zugänglich macht
- aus einem Konsortium mehrerer Gruppen/Interessenvertretungen besteht
- mit Fachleuten (Bibliothekaren, Antiquaren etc.) zusammenarbeitet
Die Vorstellung ist vermutlich etwas unrealistisch, denn die Digitalisierung kostet ein Heidengeld und auf Basis einer staatlichen Initiative wird der Prozess nicht sehr schnell und effizient von statten gehen. Wenn überhaupt.
Zurzeit wird das Projekt jedoch in der denkbar schlechtesten Variante durchgeführt – nämlich von einem Unternehmen, das
- jedweden Dialog mit Autoren/Bibliotheken ex ante ausgeschlossen hat
- auf reines Gewinnstreben ausgerichtet und der Wall Street verpflichtet ist
- die Daten keinen anderen Firmen/Organisationen zugänglich machen wird
- keinerlei Angaben über Indexierung und Auswahl macht
- für seinen Mangel an Offenheit berüchtigt ist
- den Alleingang bevorzugt
Oder, kurz gesagt: Google.
Nachtrag: Ausgerechnet Microsoft ist am Mittwoch der Open Content Alliance beigetreten, der auch Yahoo, Adobe und HP angehören. Ihr Gegenprojekt zu Google Print soll ebenfalls Texte digitalisieren – allerdings mit Zustimmung der Autoren. MSN-Geschäftsführer Danielle Tiedt”: Aus prinzipiellen und hilosophischen Gründen neigen wir der Ansicht zu, dass geistiges Eigentum nicht einer einzigen kommerziellen Organisation gehören sollte”.
Stimmt. Zumindest dann, wenn es sich um das Gedächtnis des Planeten dreht.
Mehr zum Thema: The Google Print Controversy – A Bibliography