Netzfundbüro

Abgestaubt: Das Schönste aus meinem Archiv

5 February 2010 — News, Abgestaubt

In zehn Jahren kommt ganz schön was zusammen und beim Durchstöbern alter Unterlagen stoße ich immer wieder auf die eine oder andere Geschichte, die immer noch lesenwert oder wegen aktueller Ereignisse gerade wieder relevant ist.

Deshalb finden sich hier ab sofort unter dem Label “Abgestaubt” alte Texe von mir, meistenteils erschienen in Handelsblatt, SPIEGEL ONLINE oder der FTD. Viel Spaß damit.

Den Anfang macht Guido “PKV” Westerwelle.

Polit-Marketing: Westerwelle wirbt für DKV (SPIEGEL ONLINE, 26.01.2004)

FDP-Parteichef Guido Westerwelle macht neuerdings ganz unverhohlen PR für die Deutsche Krankenversicherung. In einem Werbeprospekt erklären die Liberalen ihren Mitgliedern, warum ein guter Freidemokrat eine Privatpolice bei der DKV abschließen sollte. mehr.

5 February 2010 — News


Warum wir echte Mobil-Flatrates brauchen

5 February 2010 — Debatte, Telcos, Social Media

Die Flatrate ist nicht nur ein Tarif - sie ist ein zivilisatorische Errungenschaft. Wem das zu zu sehr nach argumentativer Überhöhung klingt, der erinnere sich an das Pleistozän des Internet. Um 1997 herum saßen wir vor unseren Rechnern und gafften staunend durch ein Fenster namens Netscape in diese interessante neue Welt, oft mit halboffenem Mund und unter Verlust jeglichen Zeitgefühls. Letzteres kam den frühen Infonauten teuer zu stehen - weil die Verweildauer im Netz damals noch in Telekom-Gesprächseinheiten abgerechnet wurde.

Weil es noch keine Flatrate gab.

In den USA verbreitete sich das Internet damals viel rasanter als in Europa, und einer der Gründe, den Experten immer wieder anführten, war die Flatrate. Amerikaner mussten sich zwar ebenfalls über ein 56K-Modem bei AOL oder Compuserve einnödeln - das Tarifsystem der meisten Baby Bells sah jedoch free unlimited local calls vor, sodass es in den USA von Anfang an egal war, wie lange man im Netz hing und was man herunterlud.

Den Siegeszug des stationären Internets Mitte der nuller Jahre, als jedes Jahr mehr als eine Million Breitbandanschlüsse in Deutschland hinzukamen, begründete wieder die Flatrate. Rückblickend kann man sagen, dass das moderne Web, dieses Ich-hab-Skype-LastFM-und-Youtube-offen-und-saug-derweil-Spielfilme-Internet ohne Flatrate unvorstellbar wäre. Es ist undenkbar, dass die Glotze irgendwann ausgeht, weil man zuviel TV geschaut hat. Und es ist inzwischen genauso undenkbar, dass man mit dem Internet nicht jederzeit soviel Daten austauschen kann, wie für die persönlichen Bedürfnisse erforderlich ist.

Mit dem stationären Internet, wohlgemerkt.

Inzwischen ist das Internet mobil. Millionen von Menschen nutzen es, über iPhone, Blackberry oder Palm. Und der Ausgangspunkt war wieder einmal die Flatrate. Apple hat ein sehr gutes Smartphone entwickelt, aber wichtiger war vielleicht, dass Steve Jobs bei den großen Netzbetreibern erstmalig eine Art Datenflat durchsetzte. Seitdem explodiert die Nutzung des mobilen Internets. Davor war die Sache nicht so richtig in die Gänge gekommen, trotz flächendeckend verfügbarem UMTS-Netz.

Aber diese erfreuliche Entwicklung droht ausgebremst zu werden.

Jahrelang haben sich T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 gegen das Flatratemodell gesträubt, und sie sträuben sich immer noch. Kaum einer der heute angebotenen Datentarife ist wirklich All-You-Can-Eat; wer zuviel saugt, wird ausgebremst. Derzeit sind die Obergrenzen - zumindest bei T-Mobile und Vodafone - noch so bemessen, dass die Mehrzahl der Nutzer nichts merkt. Nur Hardcore-User bekommen mitunter eine Betreiber-SMS, die sie informiert, dass sie den Rest des Monats mit angezogener Handbremse unterwegs sein werden.

Das wird sich ändern, und zwar schon bald. Denn wir werden in Zukunft viel mehr Daten durch das Handynetz pusten, und unser Kilobyte-Kontingent wird immer öfter schon vor Monatsende aufgebraucht sein. Wir werden unterwegs dauernd Daten saugen. Googles Nexus One zum Beispiel führt wichtige Software Updates über das UMTS-Netz durch - so etwas kostet Bandbreite. Und demnächst kommen Geräte wie Apples iPad auf den Markt, die Dank größerer, besserer Screens in der Lage sind, opulentere Grafiken oder gar HD-Filme anzuzeigen.

Dann wird auf dem mobilen Gerät das gleiche gelten wie bei Rechnern mit DSL: Nämlich, dass ein Datenvolumen von 1000 MB im Monat Killefitz ist. Das reicht nicht einmal für eine einzige “Lost”-Folge aus iTunes (die in HD 1,2 Gigabyte hat). Hinzu kommt, dass Uploads immer wichtiger werden. Mein iPhone wurde von T-Mobile im Dezember erstmalig ausgebremst, und ich vermute, dass es an den zahllosen Facebook- und Posterous-Updates lag, die ich vor Weihnachten hochgeladen habe.

Wenn sich das mobile Internet ungehemmt entwickeln soll, dann brauchen wir echte Flatrates. Das Argument, dass 1000, 1500 oder vielleicht demnächst 2000 MB nun wirklich jedem reichen müssen, zählt nicht. Jede Bremse, jeder Plafond behindert den Fortschritt.

Dafür muss man die Netzbetreiber vielleicht allmählich sensibilisieren. Deshalb gibt es den 1. Deutschen Downloadtag (Facebook-Link).

Dessen Idee ist simpel: Wie wäre es, wenn jeder mobile Surfer am 1. März 2010 um 12 Uhr mittags anfängt, etwas herunterzuladen? Das würde den Mobilfunkbetreibern vielleicht einen kleinen Hinweis geben, dass sie ihre Tarifstruktur mittelfristig überdenken müssen.

Tinylink: tiny.cc/downloadtag

Auszug aus den Tarifen deutscher Mobilfunkbetreiber:

T-Mobile iPhone

“Ab einem Datenvolumen von 300 MB (Complete S, Complete 120), 1 GB (Complete M, Complete 240) oder 5 GB (Complete L und Complete 1200) wird die Bandbreite im jew. Monat auf max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.”

Vodafone SuperFlat Internet

“Sie surfen mit der Vodafone SuperFlat Internet unbegrenzt … übers deutsche Vodafone-Netz im Internet. Dafür steht Ihnen bis zu einem Datenvolumen von 1 GB pro Abrechnungszeitraum eine Bandbreite von bis zu 7,2 MBit/s zur Verfügung. Ab 1 GB stehen Ihnen höchstens 64 KBit/s zur Verfügung.”

Internet-Pack-M

“Ab einer Datennutzung von über 200 MB pro Abrechnungsmonat steht nur noch GPRS-Bandbreite zur Verfügung.”

E-Plus Handy Internet Flat Option

“Ab einem Datenvolumen von 250 MB im jeweiligen Kalendermonat steht GPRS-Bandbreite (max. 56 kbit/s) zur Verfügung.”

Werbebus legt Stockholmer Verkehr lahm

20 January 2010 — Autos, Energie, EV/Elektroauto, Wirtschaft, Werbung, Carmageddon, Mobilität

Der schwedische Airportshuttle-Betreiber Flyggbussarna wollte seinen Kunden klarmachen, das Coachbusse viel umweltfreundlicher sind als Pkw und ließ deshalb von der Werbeagentur Acne Advertising eine aus 50 gestapelten Pkw bestehenden Coachbus auf dem Mittelstreifen der Stockholmer Flughafenautobahn aufstellen - mit dem Resultat, dass es wochenlang Staus am Airport gab. Eine ziemlich gelungene Kampagne, die Acne in diesem Film dokumentiert hat (als bitte mit ein bisschen Salz konsumieren).


50 cars or 1 coach? from acneadvertising on Vimeo.

Via Autobloggreen

Fünf Dinge, die am Kindle nerven

4 January 2010 — Tests, Medienmassaker, Hardware, Supergeek, E-Book / E-Reader

Nach einigen Monaten mit dem Amazon Kindle fallen mir immer mehr nervige Macken auf. Am Anfang ist so ein neues Spielzeug ja ganz toll, aber nun ist die rosarote Wölkchen-Phase vorbei und ich merke, was das Lesegerät alles nicht kann.

Das Gute vorweg: Als Buch funktioniert der Kindle sehr ordentlich. Der Store von Amazon bietet zwar nur eine relativ klägliche Auswahl, aber Kauf und Download funktionieren reibungslos. Ich habe bereits geschätzte 1000 Seiten auf dem Kindle verzehrt, zurzeit gerade die “Nebel von Avalon”, eine fette Schwarte, die dank Kindle coole 1,5 Kilo leichter wird.

Vieles nervt aber. Hier die schlimmsten Punkte.

Zeitungen & Magazine auf dem Kindle sind unfassbar mies formatiert, inaktuell und schlecht navigierbar (eine ausführliche Kritik steht hier).

Dokumente laden kostet Geld: Jeder Kindle-Besitzer bekommt eine eigene Email-Adresse im Format benutzer@kindle.com. Das ist eigentlich eine fantastische Idee, denn man kann z.B. ein längeres Dokument, das man während der Zugfahrt lesen möchte, per Email auf das Gerät pushen (lassen). Nur: Pro gepushtem Megabyte will Amazon dafür 1 Dollar haben, was die Funktion ad absurdum führt.

PDFs lesen: Meine große Hoffnung, ich könnte die ganzen kiloschweren Ausdrucke von Analystenberichten, Studien und Recherchen künftig vor eine Reise auf den Kindle laden, sind ebenfalls enttäuscht worden. Der Kindle kann zwar PDF, aber er zeigt die Dokumente einfach auf einem Screen an, der um ca. 70 Prozent kleiner ist als ein A4-Blatt - da sieht man rein gar nichts. Vergrößern ist nicht möglich.

Screen und Knöpfe: Der Bildschirm reflektiert das Leselicht ein wenig. Schlimmer ist, dass er schlichtweg zu klein ist, kleiner als ein Paperback. Der Kindle hat einen breiten Rand und eine Tastatur, die in dieser Größe kein Mensch braucht - ich benutze sie fast nie, denn meine eBücher ordere ich lieber über meinen Laptop auf Amazon.com, weil: schnellere Ladezeiten, komfortablere Suche, Farbe. Für das Keyboard wurde viel Platz verschwendet, den man für den Screen hätte gebrauchen können. Suboptimal ist zudem die Umblättern-Taste, die man jedes Mal sehr fest drücken muss. Touch wäre besser gewesen.

Kindle iPhone-App: Dieses Programm ermöglicht es, auch auf dem Telefon zu lesen. Nimmt man später wieder den Kindle in die Hand, geht es an der zuletzt gelesenen Stelle weiter. Toll, aber: Warum funktioniert das nur mit Amazon.com-Downloads? Warum nicht mit dem “Graf von Monte Christo”, den ich ganz legal als Textfile geladen und auf den Kindle übertragen habe?

Nick Bilton hat neulich die Ratings der Kindle-Reviews auf Amazon.com analysiert und kam zu dem Schluss: “Amazon’s Kindle customers aren’t getting any happier about the end product.” Man ahnt, warum das so ist.

Alle Jahre wieder: The wunderfull Weihnachts-Poem

18 December 2009 — News

A Weihnachts poem

When the snow falls wunderbar
And the children happy are,
When the Glatteis on the street,
And we all a Gluehwein need,
Then you know, es ist soweit:
She is here, the Weihnachtszeit.

Every Parkhaus is besetzt,
Weil die people fahren jetzt
All to Kaufhof, Mediamarkt,
Kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things
And the Christmasglocke rings.

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnachvt,
Merry Christmas allerseits …

Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks
Daddy in the Nebenraum
Schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum
He is hanging auf the balls,
Then he from the Leiter falls …

Finally the Kinderlein
To the Zimmer kommen rein
And es sings the family
Schauerlich: “Oh, Christmastree!”
And then jeder in the house
Is packing die Geschenke aus.

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits …

Mama finds unter the Tanne
Eine brandnew Teflon-Pfanne,
Papa gets a Schlips and Socken,
Everybody does frohlocken.
President speaks in TiVi,
All around is Harmonie.

Bis mother in the kitchen runs:
Im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr
With Tatü, tata daher,
And they bring a long, long Schlauch
And a long, long Leiter auch.
And they cry - “Wasser marsch!”,

Merry Christmas, merry Christmas,
Hear the music, see the lights,
Frohe Weihnacht, Frohe Weihnacht,
Merry Christmas allerseits…*

Quelle: Ina Christou

eReader: Wie sieht das Magazin der Zukunft aus?

17 December 2009 — Tests, Medienmassaker, Wirtschaft, Printen, E-Book / E-Reader

Keiner weiß es - aber der schwedische Verlag Bonnier und die Designer von BERG haben sich einige Gedanken gemacht und dazu ein Video erstellt.


Mag+ from Bonnier on Vimeo.

Via paidContent

Desaströses Timing: Renaults Peugeots Vollgas-Werbung zum Klimagipfel

7 December 2009 — News, Debatte, Autos, Energie, Wirtschaft, Werbung, Carmageddon

Diese Woche ist der Kopenhagener Klimagipfel das A-Thema. Manche Unternehmen schalten deshalb Werbung, um zu belegen, wie grün sie schon sind. Andere schauen betreten zu Boden und halten die Klappe. Und wieder andere schleudern dem Konsumenten ein fröhliches “Vernunft ist für Luschen” entgegen.

Gefunden in der SZ vom 7. Dezember 2009

Der bissigste Journalistenpreis der Welt

3 December 2009 — News, Medienmassaker, Wirtschaft, Werbung, Printen

Journalisten haben eine hehre Aufgabe. Sie sollen Politikern auf den Zahn fühlen und beherzt bohren. Sie sollen Licht ins Dunkel bringen, auch in die Zwischenräume schauen, damit bisher unentdeckte Fälle von Fäulnis ans Licht kommen. Aber dabei sollen sie stets konstruktiv arbeiten und auch Brücken schlagen.

Wer das alles leistet, der hat fürwahr Anerkennung verdient. Zum Glück gibt dafür jetzt den passenden Journalistenpreis: Den “Abdruck 2010″.

Hier der zugehörige Pressetext:

ProDente Journalistenpreis “Abdruck 2010″: Zähne im Blickpunkt der Öffentlichkeit

proDente zeichnet Pressebeiträge zur Zahnmedizin und Zahntechnik aus

Bereits zum fünften Mal schreibt die Initiative proDente e.V. in 2010 den Journalistenpreis „Abdruck“ für besonderes Engagement in den Themen Zahnmedizin, bzw. Zahntechnik aus. Herausragende journalistische Arbeiten, die in 2009 zahnmedizinische und zahntechnische Themen einer breiten Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich machen sollen hier geehrt werden.

Zugelassen sind alle journalistischen Stilformen wie Reportage, Feature, Hintergrundbericht.

Hmmm, ein schönes Feature über Prämolare, so etwas wollte ich schon immer mal schreiben. Oder vielleicht doch lieber eine Strähnchenreportage, mit der ich beim “Bob”, dem Journalistenpreis für die anspruchsvolle Berichterstattung über Friseurdienstleistungen abräumen kann? Schwierige Entscheidung.

Den Post des Tages liefert mal wieder der DJV

2 December 2009 — Debatte, Medienmassaker, Social Media, Printen

Das ist super. Meine Meinung: Regt Euch nicht so auf, Leute - das Freien-Blog des DJV ist doch einfach großartig!

Warum? Es ist wunderbar Gaga, hat stets viele niedliche Rechtschreibfehler (”möglicherweise ist gut so”) und tolle Metaphern (twittern, “bis das iPhone kracht”) in seinen Texten parat, ventiliert eine Menge megarandseitige Positionen und lässt sich auch durch Maulschellen im Dutzend nicht davon abhalten, weiter zu bloggen.

So viel Standhaftigkeit, soviel Entertainment, und das alles ganz umsonst.

Mir hat die Diskussion auf jeden Fall mal wieder den Tag versüßt. Wenn jetzt der Konken noch etwas Altkluges sagen würde, kurz vor Feierabend, das wäre das Sahnehäubchen.